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Interreligiöses Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom

Papst: Viele betrachten Konflikte wie Kämpfe in der antiken Arena

  • Franziskus hat die Religionen und ihre Gläubigen aufgefordert, sich konkret für eine "Entmilitarisierung der Herzen" einzusetzen.
  • Er sprach beim interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom.
  • Dort äußerten sich Spitzenvertreter vieler Religionen und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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Franziskus hat die Religionen und ihre Gläubigen aufgefordert, sich konkret für eine "Entmilitarisierung der Herzen" einzusetzen. So wie in antiken Arenen Gewalt und Tod als Spektakel betrachtet wurden, nähmen viele Menschen heute mediale Berichte über Kriege und Gewalt wahr, sagte der Papst vor dem Kolosseum in Rom beim interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio.

"In einer globalisierten Gesellschaft, die den Schmerz zwar zum Spektakel macht, aber kein Mitleid zeigt, müssen wir Mitgefühl aufbauen", forderte der Papst. Wahrer Mut sei es, seinen Mitmenschen anzuhören, seine Leiden zu den eigenen zu machen und sein Gesicht zu kennen. Nur so komme man über die vielfache Einstellung "Das ist nicht mein Problem" hinaus.

 

Friedensappell aus Afghanistan

 

Um bei der Abschlussfeier des 35. interreligiösen Friedenstreffens von Sant'Egidio den Opfern ein Gesicht zu geben, trug eine junge Frau aus Afghanistan einen eindrücklichen Appell gegen Gewalt und Unterdrückung sowie für Dialog und Toleranz vor.

Als politischer Ehrengast sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Schwierigkeiten von Friedensarbeit. Zahllose Konflikte weltweit ließen oft "an der Fähigkeit des Menschen zur Menschlichkeit zweifeln", so die CDU-Politikerin. "Aber wir dürfen nicht verzweifeln." Nur wer Frieden suche, werde ihn finden.

 

Großimam: Welt kommt bei Corona ihrer Verantwortung nicht nach

 

Außer Merkel gehörten zu den Teilnehmern unter anderem der ägyptische Großimam Ahmad al-Tayyeb, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der Vorsitzende der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, der Katholikos-Patriarch der Armenischen Kirche, Karekin II., Vertreter des Buddhismus und Hinduismus.

Ähnlich wie der Papst zeigte auch al-Tayyeb sich enttäuscht von Politik und Gesellschaft. Gegen Ende der Corona-Pandemie sei nicht erkennbar, "dass sich die Menschen wirklich der Notwendigkeit bewusst sind", im Glauben an Gott neue Perspektiven zu wählen. Tatsächlich sei man etwa bei der Herstellung und Verteilung von Impfstoffen seiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Ganzen Kontinenten werde Impfstoff vorenthalten.

 

"Die Welt von gestern gibt es nicht mehr"

 

Patriarch Bartholomaios I., Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, mahnte: "Die Welt von gestern gibt es nicht mehr". Diese "harte Lektion der Pandemie", so Andrea Riccardi, Gründer von Sant'Egidio, sei bei den Religionen angekommen. Es gebe ein nie da gewesenes Bewusstsein dafür, zusammenarbeiten zu müssen.

Mehr als bei früheren Treffen betrafen die Friedensappelle das Verhältnis des Menschen zu Natur. "Wer jetzt noch nichts begriffen hat und sich erforderlichen Maßnahmen verweigert, macht sich direkt schuldig an den jüngeren Generationen", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kiche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

 

"Religionen Teil der Lösung"

 

Er sieht die Stärke interreligiösen Begegnungen darin, dass derart eindringliche Worte bei Verantwortlichen in Politik und Religion auf fruchtbaren Boden fallen können: "Oft ist Religion ja Teil des Problems, hier ist sie Teil der Lösung."

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