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Passend zum 900-jährigen Stadtjubiläum von Sassenberg

Passionsaltar neu entdeckt: Drei Männer holen Geschichte zurück

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Das Jahr 2021 in Sassenberg steht im Zeichen des 900-jährigen Bestehens der Stadt. Mit der Replik eines alten Altars haben drei Sassenberger dafür ein wichtiges Stück Geschichte zurück in ihre Kirche geholt.

Wenn in diesem Jahr das 900-jährige Bestehen von Sassenberg gefeiert wird, gibt es ein Highlight, das ohne das private Engagement drei heimatverbundener Sassenberger seinen Weg wohl kaum in das Festprogramm geschafft hätte. Der alte Altar aus der im 18. Jahrhundert abgerissenen Burgkapelle hätte sein Dasein weiter unbeachtet im Magazin des Landesmuseums in Münster gefristet, wenn sich Hans Christoph Fennenkötter, Ansgar Russell und Reinhold Schoppmann nicht schon vor drei Jahren aufgemacht hätten, um den Menschen die Geschichte und Ausstrahlung des Flügelaltars von Anfang des 16. Jahrhunderts wieder näher zu bringen.

„Er ist herausragend“, sagt Fennenkötter, der die Mitstreiter von seiner Idee schnell begeistern konnte. Als pensionierter Geschichtslehrer hat er sich tief in die Geschichte von Sassenberg eingearbeitet. „Wie einige andere Passionsaltäre aus dem östlichen Münsterland spielt er in einer eigenen Liga.“ Im Ort selbst war der Altar, der sowohl Einflüsse aus der Gotik als auch aus der Renaissance zeigt, jedoch kaum noch ein Thema. Zu lange war er aus der Stadt verschwunden, wo er nach einigen Zwischenlagerungen bis Mitte des 19. Jahrhunderts in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist an einer Seitenwand stand. In Münster fristet er seit einiger Zeit sein Dasein außerhalb der Öffentlichkeit.

 

Altar als spiritueller Ort

 

„Dafür ist er einfach zu sehenswert“, sagt Ansgar Russell, der in der Pfarrgemeinde unter anderem als Kirchenführer aktiv ist. Er sieht das nicht nur aus kunsthistorischer Sicht: „Auch über die Ortsgeschichte kann er uns viel erzählen.“ Über die Bauentwicklung, Stifter, Baumeister oder bischöfliche Einflüsse – in der wechselvollen Entwicklung Sassenbergs hat auch der Altar immer wieder seinen Platz gehabt. „Wer die Geschichte des Altars kennt, weiß viel über die Geschichte unserer Stadt.“

Mehr noch, sagt Reinhold Schoppmann: „Er war lange Zeit ein zentraler spiritueller Ort – vor ihm haben Menschen gebetet, wurden Priester geweiht und wurde Eucharistie gefeiert.“ Wer die leuchtend farbigen Darstellungen betrachtet, kann einiges vom Leben und Glauben der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten erahnen. Die insgesamt elf Szenerien zeigen zum größten Teil die Passion Jesu mit einer erkennbaren Häufung von Marien-Bildnissen. Auf der Außenseite eines Flügels ist zudem der Heilige Georg als Drachentöter zu sehen.

 

Eine detailgetreue Replik ist entstanden

 

Es war von vornherein unmöglich, den Altar zurück nach Sassenberg zu holen. Das war den drei Ruheständlern von Anfang an bewusst. „Klimatisch, restauratorisch und versicherungstechnisch wäre das nicht zu stemmen“, sagt Russell. Die Idee war schnell eine andere. Eine Replik sollte her, aber nicht als einfaches Bild in einem Museum. „Der Altar soll seine Ausstrahlung im sakralen Raum entwickeln.“

Entstanden ist ein Foto-Druck auf Aluminium-Platten, die auf Eichenholz gesetzt wurde. Im Maßstab 1:1 ist der wieder als Flügelaltar gestaltet. Farben, Details, Maserungen und auch Beschädigungen sind so nah am Original, dass der Betrachter in der Pfarrkirche vergessen könnte, vor einer Nachbildung zu stehen. Auf der einen Seite ist diese Anmutung gewollt, auf der anderen Seite ist den drei Initiatoren wichtig, dass eine Differenzierung zu einem echten sakralen Gegenstand deutlich wird.

 

Führungen werden angeboten

 

„Was hier steht, ist kein echter Altar“, sagt Fennenkötter. „Es werden keine Kerzen davor stehen und keine Eucharistie vor ihm gefeiert.“ Trotzdem soll der Raum, der für die Replik umgestaltet wurde, nicht ein einfacher Ausstellungsraum für ein herausragendes Kunstwerk sein. „Glaubensgeschichte und Spiritualität sollen hier ihren Platz haben.“ Führungen werden den Menschen die städtischen und historischen Hintergründe näher bringen, für Besinnung und Gebet machen die Darstellungen des Altars mannigfache Angebote.

Über die Kosten wollen die drei Freunde schweigen. „Das gehört sich so“, sagen sie, die das Projekt komplett aus eigener Tasche finanzieren. Pfarrer und Gremien haben ihnen bei der Umsetzung größtmöglichen Freiraum gegeben. Am Sonntag, 7. November, wird das Bild in der Pfarrkirche feierlich enthüllt. „Der Pfarrer wird es segnen – nicht weihen wie einen Altar“, sagt Fennenkötter, obwohl die Abbildung aus kurzer Entfernung vom Original kaum zu unterscheiden ist.

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