SEELSORGE IM UMBRUCH (2)

Pfarreiratsvorsitzender: „Ohne Freiwillige können wir die Tür zumachen“

Die Pfarrei St. Vitus in Emmerich am Niederrhein hat bald keinen leitenden Pfarrer mehr. Was das für den Pfarreirat und die Gläubigen bedeutet.

Noch vor einem Jahr hätte Heinz Peelen gesagt, dass die Einführung der Pastoralen Räume keine Verbesserung für die Gemeinden mit sich bringt. „Wir können auch ohne die Umstrukturierung mit den Nachbarn kooperieren“, so der Pfarreiratsvorsitzende von St. Vitus in Emmerich (Kreis Kleve). Doch mittlerweile sieht er, dass deren Einführung wegen der Personalschwierigkeiten und der finanziellen Situation für das Bistum Münster notwendig geworden sei.

Die Pfarrgemeinde St. Vitus mit den Kirchorten Elten, Hochelten und Hüthum wird in Zukunft vermutlich ohne leitenden Pfarrer auskommen müssen. Pfarrer Égide Muziazia verlässt nach rassistischen Anfeindungen die Pfarrei mit dem Fronleichnamstag, wie Peelen im Gespräch mit Kirche+Leben berichtet. Er ist überzeugt, dass es kein „Weiter so“ für seine Gemeinde geben kann. Die Gläubigen würden das vor allem an der neuen Gottesdienstordnung spüren.

Weniger Gottesdienste und weitere Wege

Die stellte der Leiter der Abteilung Seelsorge-Personal des Bischöflichen Generalvikariats, Matthias Mamot, in einer Informationsveranstaltung Anfang Juni den kirchlichen Gremien vor. „Ich bin gespannt, welche Anforderungen sich daraus für den Pfarreirat ergeben“, sagt Peelen.

Er weiß, dass die Anzahl der Gottesdienste reduziert werden muss und auch Gottesdienstorte wegfallen. Eine Umstrukturierung sei jedoch für kleinere Pfarreien in der Fläche schwieriger als für Städte, da die Wege zu den Gottesdiensten weiter seien.

Weitere Einschnitte, mehr Handlungsspielräume

Auch bei den Beerdigungen wird es Einschnitte geben: „Wir können in Zukunft nicht mehr versprechen, dass ein Priester die Beisetzung durchführt.“ Aktuell sind in St. Vitus sechs Laiinnen und Laien als Wortgottesdienstleitende und zwei für den Begräbnisdienst beauftragt.

In Ermangelung eines Pfarrers müsse man die Grauzonen zwischen Laien und Priestern durchleuchten. Peelen vermutet, dass Laiinnen und Laien mehr Handlungsspielräume bekommen.

Suche nach Kandidierenden für Kirchengremien schwierig

„Wir werden uns bemühen, eine Leitung aufzubauen“, sagt der Vorsitzende. Doch aus dem aktuellen Pfarreirat – der aus 13 Laiinnen und Laien, einem emeritierten Diakon, dem Pfarrer und einem Jesuiten als Vertreter der ansässigen Orden besteht – wollten nur drei Laiinnen und Laien weitermachen.

Deshalb sei eine große Aufgabe des Pfarreirats, Kandidierende für die Wahlen zu suchen, die im November 2025 gemeinsam mit den Kirchenvorstandswahlen stattfinden. „Ohne Freiwillige können wir die Tür zu machen, denn sie sind für die Organisation des kirchlichen Lebens und für die angestoßenen Veränderungsprozesse unverzichtbar“, so Peelen. Da er selbst über 75 Jahre alt ist, kann Peelen laut Satzung für die Pfarreiräte im Bistum Münster nicht für eine weitere Amtszeit von vier Jahren kandidieren.

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