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Pastoralreferent:innen im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Pastoralreferent in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Herr Hagemann?

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Als Seelsorgende prägen sie mit den Priestern die hauptamtliche Pastoral in den Gemeinden: Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Und auch sie bekommen die Kirchenkrise zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir rund ein Dutzend von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert "Kirche-und-Leben.de" in dieser Woche, bevor am Sonntag 24 neue Seelsorgende von Bischof Felix Genn für ihren Dienst beauftragt werden. Diesmal: Ulrich Hagemann aus Warendorf.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Im Gespräch:
Ulrich HagemannUlrich Hagemann ist Pastoralreferent in Warendorf. | Foto: privat

Ich umgebe mich am liebsten mit Leuten, die mit mir gemeinsam Kirche vor Ort gestalten wollen. Ich will die Augen nicht verschließen vor lähmenden Strukturen, vor Missbrauch Schutzbefohlener und anderen großen Baustellen. Die sehe ich, und ich will Veränderungen mittragen. Aber ich versuche mit aller Kraft, mich davon nicht runterziehen zu lassen, sondern das Schöne und Gute, das Kirche auch ist und tut, zu suchen und stark zu machen.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Pastoralreferent:in zu sein?

Kirche ist noch immer voll im Umbruch: von der Volkskirche zu einer Kirche der Entschiedenen. Für mich als Pastoralreferent bedeutet das, dass ich gar nicht weiß, wie mein Berufsalltag in fünf Jahren aussehen wird. Das macht mich irgendwie unsicher. Aber zum einen stärken uns der Bischof und die Personalverantwortlichen den Rücken. Und zum anderen erfahre ich Gott als jemanden, der meinem Leben Halt und Richtung gibt und der mich in der Rückschau getragen hat; daraus erwächst die tiefe Zuversicht, dass Er das – auch wenn’s kitschig klingt – auch weiter tun wird. Unsere Botschaft als Christen ist: „Du, Mensch, bist geliebt, vor aller Leistung, trotz aller Schuld.“ Räume dafür zu öffnen, dass Menschen mit dieser Botschaft in Berührung kommen können, sehe ich als meine erste Aufgabe, und die will ich mit Herzblut und Leidenschaft tun – gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen des Pastoralteams hier vor Ort und den vielen freiwillig Engagierten, die sich immer noch dafür gewinnen lassen.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Hoffnung und Freude machen mir die kleinen Begegnungen im Alltag: eine Krankenkommunion, bei der ein älteres Ehepaar total dankbar über meinen Besuch ist. Ein Trauergespräch, bei dem ich wirklich spüren konnte, dass ich von meinem Glauben, dass wir im Letzen bei Gott geborgen sind, erzählen durfte und spüren konnte, dass meine Worte tröstend waren. Die Erfahrung, dass Menschen sich mir anvertrauen, echt und ohne Hürde und ohne Scham. Kirche ist trotz allem immer noch angefragt an den Knoten- und Wendepunkten des Lebens. Unsere Botschaft ist lebensverändernd. Wie wir sie neu anbieten können in dieser sich so schnell verändernden Welt, müssen wir überlegen, immer wieder.

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