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Pastoralreferent:innen im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Pastoralreferentin in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Frau Sivalingam?

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Als Seelsorgende prägen sie mit den Priestern die hauptamtliche Pastoral in den Gemeinden: Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Und auch sie bekommen die Kirchenkrise zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir rund ein Dutzend von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert "Kirche-und-Leben.de" in dieser Woche, bevor am Sonntag 24 neue Seelsorgende von Bischof Felix Genn für ihren Dienst beauftragt werden. Diesmal: Gertrud Sivalingam aus Xanten.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Im Gespräch:
Gertrud Sivalingam ist Pastoralreferentin in Xanten. | Foto: privat
Gertrud Sivalingam ist Pastoralreferentin in Xanten. | Foto: privat

Ich erlebe zwei Arten von Kirchenfrust: denjenigen, der engagiert und laut geäußert wird und den unausgesprochenen. Mit dem ersten kann ich gut umgehen, fühle mich sogar in vielem persönlich bestärkt, weil ich spüre, dass ich mit meinem Empfinden und meinem eigenen Frust nicht alleine bin.

Viel schwerer erträglich finde ich, wenn Menschen von den bestehenden Verhältnissen nicht aufgeschreckt sind, weil es den Anschein hat, dass sie von Missbrauch, fehlender Geschlechtergerechtigkeit und Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche gar nicht berührt werden oder auch einfach gar nichts mehr erwarten.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Pastoralreferentin zu sein?

Menschen zusammenzuführen, im Glauben zu unterstützen und zu befähigen, sehe ich als meine erste Aufgabe. Mein Wirkungsfeld waren immer die Gemeinden vor Ort, in denen ich mich kreativ und meist ohne große Hindernisse „austoben“ konnte. Am Anfang meiner Berufstätigkeit habe ich es einfach hingenommen, dass gewisse Dinge eben einen langen Vorlauf brauchen – immer mit der Hoffnung, dass irgendwann die Zeit der Änderung schon kommen wird. Heute, da meine Berufsphase so langsam auf die Zielgerade einbiegt, reicht mir das nicht mehr. Zu viel Zeit ist mit Stillstand und Abwarten vergangen, während die Hütte brennt, kirchentreue und engagierte Menschen auch aus meinem ganz persönlichen Umfeld sich abwenden und die Kirche in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung verliert.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Sich ohnmächtig zu fühlen, wo uns auf der anderen Seite mit dem Heiligen Geist so viel Wirkmacht zugesagt ist, das passt nicht zusammen. Mich stimmt hoffnungsvoll, dass es bei aller Kritik an der Kirche meist nicht um bloßes Schimpfen und Hassreden geht. Klar, die gibt es auch, aber ich sehe vor allem auf die Menschen, die sich sehr ernsthaft mit den Glaubensthemen auseinandersetzen und ihre große Wut in Energie umzusetzen verstehen. Darin sehe ich viel Potential, die Initialzündung für Veränderungen. Ich glaube, das ist der Heilige Geist, der da brodelt.

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