Themenwoche "Junge Menschen in alten Orden" (6) - Benediktiner

Pater Ralph Greis: Kloster finden viele spannend, leider bleibt keiner

Pater Ralph ist in der Abtei Gerleve Ansprechpartner für Menschen, die sich für das Ordensleben der Benediktiner interessieren. | Video: Marie-Theres Himstedt

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Es sind wenige, aber es gibt sie: junge – oder besser: relativ junge – Menschen in alten Orden. Was hat sie bewegt, sich ihrer Gemeinschaft anzuschließen? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Wie geht es ihnen in Gemeinschaften mit überwiegend älteren Brüdern und Schwestern? Zum Abschluss: Pater Ralph Greis von der Benediktiner-Abtei Gerleve.

Trutzig, erbaut wie für alle Zeit, ragen die beiden hohen Westtürme der Abteikirche des Klosters Gerleve über die abgeernteten Getreidefelder. Unweigerlich zieht das Kloster die Blicke auf sich, und die Besucher an, wie kürzlich erst, zum beliebten Bücherbasar, zu einem Ausflug in die Klostergaststätte, zur Mitfeier der Gottesdienste oder einer Einkehr in das Exerzitienhaus „Ludgerirast“. Und trotzdem, die Vielen kommen nicht, um zu bleiben, wie Pater Ralph Greis weiß: „Leider treten nur noch wenige ein. Seien wir ehrlich: gar keiner.“ Er sagt, wie es ist, auch wenn er betont: „Friedhofsruhe sieht anders aus, es ist genügend Leben da.“

Als eine der ältesten Ordensgemeinschaften – Ordensgründer Benedikt von Nursia lebte im 5. und 6. Jahrhundert – weiß Pater Ralph um den benediktinischen Erfahrungsschatz vergangener Jahrhunderte: „Ich freue mich jeden Tag über den weitherzigen Rahmen, den ich bei den Benediktinern vorfinde.“ Verschiedene Formen der Frömmigkeit, wissenschaftlicher Theologie, Exerzitien, aber auch verschiedene Prägungen von Arbeit, den persönlichen Begabungen entsprechend – das alles habe auch hier in Gerleve seinen Platz, in dem Konvent, dem derzeit 37 Ordensmänner angehören. Er selbst schätze das Bibelstudium oder seine Tätigkeit als Organist für die Gottesdienste. Auch der Austausch mit den Gästen, die er in Führungen betreut, ist ihm ein Anliegen.

„Wir sind da“

Klosterspiritualität ja – Klosterleben nein? Auch wenn die Gemeinschaft kleiner wird, Pater Ralph ist davon überzeugt, dass die benediktinische Spiritualität auch heute Menschen lebenslang erfüllen kann. Das Klosterleben, mit seiner Beständigkeit und wiederkehrenden Ritualen, wie beispielsweise die fünf Gebetszeiten täglich, einschließlich Messe, diese Zeiten sind für Pater Ralph ein Luxus: „Manche fragen: ‚Wird dir das nicht langweilig, hältst du das aus?‘ Da muss ich sagen: Es gibt mir Kraft, ich lebe daraus. Manchmal bin ich vielleicht morgens ein bisschen müde, aber wenn ich dann auf bin, dann bin ich auch da“, sagt der 50-Jährige mit einem Schmunzeln.

Wach sein, Erfüllung für sein Leben finden, das hatte Benedikt von Nursia im Sinn, als er in Mittelitalien seine Klosterregel verfasste. Eine Besonderheit des Ordens ist eine gewisse Standorttreue: „Wo wir eintreten, bleiben wir ein Leben lang.“

Es rufen weiterhin Interessenten an

Insofern nennt er mutig, wenn sich Menschen tatsächlich für einen Weg in das Ordensleben entscheiden. „Früher war der Lebenslauf relativ klar vorgezeichnet, oft erfolgte ein Eintritt direkt nach dem Schulabschluss.“ Wenn heute jemand als Novize ins Kloster kommt, sind es häufig Menschen mit Berufserfahrung, die es sich gut überlegen, ob sie die Sicherheit ihres Berufs gegen die Berufung eintauschen, sagt Pater Ralph: „Über die letzten Jahre habe ich immer wieder Interessenten gehabt, die anrufen, die schreiben und die vorbeikommen für ein paar Tage.“ Mit 40 Interessierten hat er in den vergangenen drei Jahren, seit er Novizenmeister in Gerleve ist, Kontakt gehabt: „Das heißt eigentlich schon, dass diese Menschen etwas gehört haben, dass Gott zu ihnen gesprochen hat.

Wenn wir an das Konzept von Berufung noch glauben, dann traue ich ihnen und dann traue ich Gott zu, dass er Menschen beruft und dass sie kommen. Am Ende traut sich bloß keiner, auch wirklich einzutreten und zu riskieren, ob es das wirklich sein kann. Das ist natürlich schade.“

Ursachen dafür gibt es viele. Aber solange es noch Menschen gibt, die etwas suchen, auf das sie vielleicht bei einem der vielen Angebote im Kloster Gerleve eine Antwort finden, gibt Pater Ralph die Hoffnung auf ein Fortbestehen seiner Gemeinschaft nicht auf: „Ich würde mir sehr wünschen, dass sich jemand uns anschließt und unser Leben teilt, und auch für die anderen Menschen da sein möchte.“

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