Geistlicher Begleiter und Buchautor

Peter Dyckhoff – Lehrer des Ruhegebets wird 80

Es ist ein ruhiges Fleckchen Erde, auf dem Peter Dyckhoff lebt. In der Bauerschaft Schölling zwischen Senden und Buldern hat er sich seinen Kotten eingerichtet, der für ihn genau der richtige Ort ist, um seiner Leidenschaft nachzugehen: dem Ruhegebet.

Den Fachbegriff mögen nur wenige kennen, aber wer ihn sich durch Dyckhoff erklären lässt, weiß schnell, was er bedeutet: „Das Ruhegebet hat mich gelehrt, vor Gott nichts leisten zu müssen“, sagt der Seelsorger. „Da zu sein in der Anrufung Gottes, empfangsbereit, hörend. Und aus dieser Ruhe entsteht eine tiefere Ahnung von der Wirklichkeit Gottes.“

Fasziniert von Klöstern

Vor gut 50 Jahren erlernte Peter Dyckhoff das Ruhegebet. Der aus Rheine stammende Geschäftsführer eines Textilunternehmens mit 300 Beschäftigten besuchte viele Klöster und war von ihren Gebetsformen fasziniert. „Durch die Erfahrung tiefer Ruhe, vornehmlich im Gebet, können wir sagen, dass sich nach und nach der Seele anhaftende Schwere abbaut und sie ihre natürliche Leichtigkeit zurückgewinnt.“

Die Leichtigkeit der Seele ist vielleicht das passende Wort dafür, was ein Ruhegebet erreichen möchte. „Durch die Gebetsweise werden wir schrittweise von allem befreit, was uns bindet, besonders von dem, was unsere Sehnsucht hemmt, sich zu entfalten.“ Durch das Ruhegebet lernten die Menschen, von sich selbst abzusehen und den anderen, „den der Herr uns begegnen lässt, in seiner Freude, in seinem Leid und mit seinen Bedürfnissen wahrzunehmen, ihn zu berühren und ihn zu segnen“.

Abschied als Textilunternehmer

Dyckhoff hat seinen persönlichen Weg zum Ruhegebet gefunden. Mit 40 gab er seine Aufgabe im elterlichen Textilunternehmen ab, um Theologie zu studieren. 1981 wurde er – 44 Jahre alt – in Brixen zum Priester geweiht. 1982 wirkte er als Wallfahrts- und Krankenhausseelsorger im niederrheinischen Marienwallfahrtsort Kevelaer. Danach kam er als Gemeindepfarrer in die Diözese Hildesheim, wo er 1989 den Aufbau und die Leitung der Bischöflichen Bildungsstätte „Haus Cassian“ im Weserbergland übernahm. 1999 kehrte er in seine Heimatdiözese Münster zurück und widmet sich seither verschiedenen pastoralen Aufgaben.

Dyckhoff promovierte über das Thema „Das Gebet als Quelle des Lebens. Systematisch-theologische Untersuchung des Ruhegebetes, ausgehend von Johannes Cassian“. Der christliche Mönchsvater Johannes Cassian (360-435) wurde für Dyckhoff zum Vorbild, weil dieser Abt einen intensiven Bezug zur Bibel hatte, indem er das Ruhegebet fundamental im Gebetsleben und im Verhalten Jesu Christi verwurzelt.

Mönchsvater Cassian als Vorbild

„Die Evangelien berichten vielfach, dass Jesus in die Stille ging, um zu beten“, sagt Dyckhoff. Das geschehe in kleinen täglichen Dosierungen auch in der Praxis des Ruhegebets. „Die Stille kann als der Weg zu dem Ort angesprochen werden, wo der lebendige Gott in uns wohnt und an uns wirkt.“

Als langjähriger Leiter von Exerzitien-Kursen verfügt Dyckhoff über viele Erfahrungen, und als Autor zahlreicher Publikationen zur christlichen Gebets-, Meditations- und Exerzitienpraxis hat er viel von diesen Erfahrungen weitergegeben. „Das Ruhegebet ist eine Antwort auf die tiefe Sehnsucht vieler Menschen nach Frieden und der Erfahrung göttlicher Nähe“, sagt er. Vor allem aber komme das Ruhegebet gerade in der „Verkopfung der heutigen Zeit“ dem menschlichen Bedürfnis nach Ruhe und Selbstfindung im Dialog mit Gott entgegen.

Lehrer für Gebetspraxis

Seit 2010 hat der Priester etwa 40 Frauen und Männer zu Lehrern des Ruhegebets ausgebildet. Wie er sagt, stellt er an die Bewerber hohe Ansprüche in theologischer und menschlicher Hinsicht. Sie sollen das Ruhegebet strikt nach der vom Kirchenvater Johannes Cassian überlieferten Weise weitergeben. Die Lehrer erhalten ein Zertifikat und halten zumeist in Klöstern und Bildungseinrichtungen weit über Deutschland hinaus entsprechende zwei- bis viertägige Kurse.

Um diese Fortbildung auf sichere Beine zu stellen, hat Dyckhoff die Stiftung Ruhegebet ins Leben gerufen. Sie hat das Ziel, Aus- und Weiterbildungskurse zu unterstützen und das Ruhegebet in seiner Verbreitung zu fördern.

Erzählerische Begabung

Dyckhoff ist ein Meister kurzer Erzählungen. Durch wenige verdichtete Worte erreicht er Aufmerksamkeit und bringt Wichtiges auf den Punkt. Darauf angesprochen, hat er gleich ein Beispiel parat, was die Suche nach Gott angeht, und er erzählt: Ein Gelehrter kam zu einem Rabbi. Weil er viel Gutes von ihm gehört hatte, brachte er ein ganz persönliches Anliegen vor und sagte: „Jetzt habe ich viele Jahre Theologie studiert und Bücher über Bücher gelesen, aber Gott ist mir bisher noch nie begegnet!“ Der Rabbi antwortete: „Dann hast du dich noch nicht genug gebückt (verneigt)!“