Anzeige
Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist im Unterschied zur Priesterbruderschaft St. Pius X. Teil der Kirche. Wie sie auf das Schisma blickt.
Nach dem Bruch der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) mit dem Papst rechnet die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) nicht mit einem nennenswerten Zustrom neuer Mitglieder. „Es ist natürlich zu hoffen, dass manche den Weg ins Schisma nicht mitgehen“, sagte der Präsident des akademischen Rates der FSSP, Pater Sven Leo Conrad, gegenüber katholisch.de. „Aber ich fürchte, die soziale ‚Bubble‘ ist schon zu gefestigt.“
Piusbrüder und Petrusbrüder
Die Piusbrüder lehnen zentrale Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ab. Sie sind gegen die Anerkennung der Religionsfreiheit und des ökumenischen Dialogs mit anderen Kirchen. Zudem beharren sie auf der Liturgie von 1962.
In der vergangenen Woche hatte die FSSPX Bischofsweihen durchgeführt – die der Vatikan ausdrücklich untersagte. Darauf folgte für die Beteiligten der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Eine Mitteilung der vatikanischen Glaubensbehörde vom 2. Juli und mehrere Erklärungen aus dem Vatikan dehnten die Exkommunikation auch auf die knapp 800 Priester der Piusbruderschaft aus.
Die FSSP wurde 1988 von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) kanonisch errichtet. Sie soll traditionalistischen Katholiken eine Heimat bieten und sie in die Kirche integrieren.
Gesprächskanäle offen halten
„Leider werden wir auch nach 40 Jahren von manchen innerhalb der Kirche immer noch als theologisch und kirchenpolitisch identisch mit der Piusbruderschaft betrachtet“, beklagte Conrad. Dabei habe die Petrusbruderschaft immer wieder betont, das Zweite Vatikanische Konzil „im Lichte der gesamten Tradition der Kirche“ anzunehmen.
Dazu gehöre eben auch die Kirche von heute und das Lehramt von heute, sagte der der Präsident des akademischen Rates der Petrusbruderschaft. Traditionalismus hingegen sei eine Ideologie geworden. „Am Anfang stand eine wichtige Überzeugung: Das Lehramt von heute richtet sich nicht kontradiktorisch zur gesamten Tradition. Die Ideologie nun trennt die Tradition vom aktuellen Lehramt und verurteilt es“, erläuterte der Geistliche. Insofern sei er mit der Einordnung der Petrusbruderschaft als traditionalistisch „alles andere als glücklich“.
Auf die Frage, ob er Möglichkeiten der Versöhnung zwischen den Piusbrüdern und dem Vatikan sehe, antwortete Conrad: „Man sollte unbedingt immer versuchen, Gesprächskanäle wieder zu eröffnen und offen zu halten. Die ganze Sache hat ja auch eine große Tragik.“