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St. Willibrord bleibt ohne leitenden Pfarrer

Pfarrei in Kleve probt ein neues Leitungsmodell

In der Pfarrei St. Willibrord in Kleve, in der es seit März 2020 keinen leitenden Pfarrer mehr gibt, wird es künftig ein neues Leitungsmodell geben. Die Pfarrverwaltung wird „Nachbarpfarrer“ Philip Peters übernehmen, der das Zusammenspiel von Hauptamtlichen und engagierten Gemeindemitgliedern begleiten wird. Wie das aussehen kann, darüber äußert sich Peters im Gespräch.

Herr Peters, Sie sind leitender Pfarrer der Pfarrei „Zur Heiligen Familie“ in Kleve und übernehmen nun zusätzlich die Pfarrverwaltung der Nachbarpfarrei St. Willibrord, die bislang von Propst Johannes Mecking ausübte. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Propst Mecking hatte nach dem Weggang von Pfarrer Stefan Notz im Frühjahr die Pfarrverwaltung übernommen, aber betont, dass er das nur auf Zeit mache, da er nicht nur leitender Pfarrer der Klever Stiftspfarrei ist, sondern auch Kreisdechant und Vorsitzender vieler weiterer Gremien und Ausschüsse. Somit stand eine andere Lösung immer als Frage im Hintergrund, und die ist nun gefunden worden.

Im Zug dieses Personalwechsels wurde bekannt, dass St. Willibrord weiterhin eine selbstständige Pfarrei bleiben wird, aber halt ohne leitenden Pfarrer. Was ist darunter zu verstehen?

Das weiß – glaube ich – noch keiner so ganz genau. Es gibt einfach nicht mehr genug Priester beziehungsweise Pfarrer, und wenn das so ist, gibt es drei Möglichkeiten: Entweder ändert man die Zulassungsbedingungen zum Weiheamt, man fusioniert die Pfarreien zu immer größeren Einheiten oder man setzt – so weit möglich – auf das Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen in den bestehenden Einheiten vor Ort. Da eine Änderung der Zulassungsbedingungen von Rom nicht angedacht ist und sich zu große Fusionen in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen als problematisch erwiesen haben, bleibt die dritte Möglichkeit als vernünftigste über. Auszuloten und auszuprobieren, wie das konkret aussehen und funktionieren kann, ist nun genau unser Auftrag.

In dem neuen Leitungsmodell möchten Sie die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer stärker einbinden. Welche Aufgaben sollen Sie übernehmen?

Dazu müsste man konkret die Projektgruppe Strategie in St. Willibrord befragen, die sich inzwischen schon einige Zeit mit genau diesen Fragen beschäftigt, mit der ich selbst aber erst in Kürze erstmalig zusammentreffen werde. Die Frage im Hintergrund ist dabei aber immer folgende: Theologisch wie kirchenrechtlich muss Leitung in der Kirche sakramental rückgebunden sein. Diese Rückbindung wurde bisher vor allem an der Priesterweihe festgemacht. Inwiefern diese Rückbindung auch auf andere Weise gegeben sein kann – zum Beispiel durch eine bischöfliche Beauftragung, die ja im weiteren Sinne des Wortes auch eine sakramentale Dimension hat -, wird eine der entscheidenden theologischen und kirchenrechtlichen Fragen werden.

Der Priestermangel ist allgegenwärtig in der deutschen Kirche und hat nun auch Kleve erreicht, eine Stadt mit großer katholischer Tradition. Wie sehen Sie die kirchlichen Umbrüche?

Jede Medaille hat zwei Seiten. Auf der einen Seite ist jeder Umbruch anstrengend, weil er zwingt, sich von Gewohntem zu verabschieden. Auf der anderen Seite bringt er die Chance mit sich, Erstarrtes aufzugeben und neu aufzubrechen. Konkreter gesagt: Die Volkskirche hatte ihre guten Seiten, war aber häufig auch mit gesellschaftlichem Druck verbunden. Dass es den nicht mehr gibt, führt dazu, dass deutlich weniger Menschen die Messe besuchen. Dafür kommen diejenigen, die kommen, aus innerer Überzeugung. Ist das schlechter?

Wie ist das Engagement heute?

Man darf bei dieser Frage aber auch nicht nur auf den Messbesuch schauen – so zentral der Stellenwert der heiligen Messe ist und bleiben wird. Denn: Sind die vielen Treffen von Gruppen aller Altersklassen in unseren Pfarrheimen, die Gespräche mit Zeitgenossen über ihr Fragen und Suchen, die Hausbesuche von Gemeindemitgliedern in schwierigen Lebenslagen und vieles mehr nicht ebenfalls Gemeindeleben? Diese Art von Gemeindeleben ist oft viel lebendiger als das gesamtgesellschaftlich wahrgenommen wird.

In der Weiterführung der alltäglichen Gemeindearbeit heißt es in Erklärungen oft „Das Bistum Münster bietet seine Unterstützung an“. An welche Hilfen denken Sie? Was wünsche Sie sich an Unterstützung?

Unser Weihbischof Rolf Lohmann hat den Prozess in St. Willibrord bisher persönlich begleitet und – so habe ich gehört – bei der Klausurtagung in den vergangenen Tagen bekräftigt, dass er dies auch weiterhin tun wird. Wenn wir also mit den theologischen und kirchenrechtlichen Fragestellungen, die mit dem neuen Leitungsmodell unweigerlich verbunden sind, an ihn herantreten können und er diese jeweils mit der Bistumsleitung in Münster kommuniziert und klärt, ist das die wichtigste Unterstützung. Zudem wäre mir wichtig, über diesen Prozess auch theologisch im Austausch zu bleiben, da es bei all dem ja letztlich nicht in erster Linie um eine neue Organisationsgestalt gehen soll, sondern um eine lebendige Art und Weise, heutzutage Kirche Jesu Christi zu sein.

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