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Zwei Wochen hat Bernd Strickmann für die Aktion „Landpfarrer on Tour“ geblockt. Worum geht es ihm? Und wäre das per Internet nicht einfacher?
Pfarrer Strickmann, sie sind seit März leitender Pfarrer von St. Johannes Steinfeld im Landkreis Vechta. Kommen die Menschen nicht mehr von selbst zu Ihnen oder warum setzen sie darauf, selbst zu ihnen zu gehen?
Es kommen natürlich weiterhin Menschen zu mir. Aber ich möchte sie auch noch mal in anderen Lebenszusammenhängen kennenlernen. Sonst geht es ja meistens um Hochzeiten, Beerdigungen oder Taufen. Ich möchte ihnen aber einfach auch mal im Alltag begegnen.
Warum ist Ihnen das wichtig?
Zum einen, weil Kirche ein Gesicht braucht. Zum anderen sage ich: Wenn wir heutzutage noch Kirche sein wollen, dann müssen wir auch den Alltag der Menschen kennen und schauen, wo wir Hilfestellung geben können.
Wen wollen Sie mit Ihrem Angebot eigentlich erreichen?
Nachbarschaften, Vereine, aber zum Beispiel auch Altenheime. Es müssen nicht unbedingt kirchliche Gruppen sein.
Sollen die Treffen einen besonderen Ablauf, ein Programm oder Thema haben?
Nein. Ich bin einfach da und wir kommen ins Gespräch. Das ist „Learning by Doing“.
Wie lange nehmen sie sich Zeit für die Begegnungen?
Ich habe zwei Wochen für die Aktion eingeplant. Vom 18. bis zum 23. August und vom 1. bis zum 6. September. Dann werde ich – wenn nicht gerade eine Beerdigung dazwischenkommt – nachmittags und vormittags Zeit dafür haben.
Sie nennen das Projekt „Landpfarrer on Tour“. Ist ein Landpfarrer etwas anderes als ein Stadtpfarrer?
Ich bin seit ein paar Monaten Seelsorger hier in Steinfeld, und ich merke, dass man von vielen erkannt und gegrüßt wird. Man ist hier schneller drin als in einer Kreisstadt wie Cloppenburg, wo ich vorher war. Aber der Name ist eher mit einem Augenzwinkern gemeint.
Was haben die leerer gewordenen Kirchen mit der Aktion zu tun?
Natürlich merke ich auch hier an unseren vier Kirchorten Steinfeld, Mühlen, Holdorf oder Handorf-Langenberg im Landkreis Vechta, dass die Kirchen nicht mehr voll sind. Ich merke allerdings auch, dass Kirche im Sozialgefüge immer noch eine Rolle spielt, auch wenn die Selbstverständlichkeit, mit ihr ins Gespräch zu kommen, nicht mehr so gegeben ist wie früher.
Manche Kollegen von Ihnen setzen eher auf Instagram, Facebook und Co. Wäre das nicht eine Alternative zu persönlichen Begegnungen?
Für mich eher nicht. Auch wenn ich sehe, dass andere da sehr gute Angebote entwickelt haben, etwa Pfarrer André Ciszewski in der Nachbarpfarrei Dinklage auf Instagram. Ich finde das super. Aber ich selbst bin eher der analoge Typ. Deshalb mache ich das so, wie ich es am besten kann.