Leser-Aktion: Was sind Ihre Lieblingslieder?

Pfarrei wählt „Gotteslob“-Hits – und will sie öfter singen

„Nö! Dat kenn mir nit, dat sing mir nit.“ Pastor Andreas Ullrich muss schon ein wenig schmunzeln, wenn er daran denkt, was er nach den Gottesdiensten oft zu hören bekommt. Dann weiß er, warum es in den Kirchenbänken bei einigen Liedern ungewohnt still bleibt. „Es gibt hier in Laer eine eindeutige Vorliebe für wenige, klassische Kirchenlieder.“ Was nicht in der Hitliste der Kirchgänger in der Pfarrgemeinde Heilige Brüder Ewaldi steht, hat es deshalb schwer, einen vollen Klang zu entwickeln.

Leser-Aktion
Haben auch Sie einen Favoriten im „Gotteslob“? Schreiben Sie uns bis Ende August. Wir machen eine bistumsweite Hitliste daraus: lied@kirche-und-leben.de.

Er hatte es von Anfang an geahnt, dass die Gläubigen rund um Laer, Holthausen und Beerlage, da eine festen Standpunkt besitzen. „Als ich für meinen Einführungsgottesdienst vor gut zwei Jahren einige meiner favorisierten Lieder ausgesucht hatte, war ich froh, dass meine Angehörigen und Freunde mitsangen – sonst wäre es wohl sehr ruhig geblieben.“ Spätesten als ihm der Organist ein „Gotteslob“ in die Hand drückte, in dem dieser alle Lieder angekreuzt hatte, die in den Gottesdiensten gängig waren, war Ullrich klar: „In Laer sind die Kirchengänger von den Liedern eindeutig festgelegt.“

Kreative Idee

Vor einigen Wochen dann die Idee: „Ich wollte den ständigen Diskussionen kreativ begegnen.“ Seine damalige Sonntagspredigt passte gut zum Thema. Es ging um Weizen und Unkraut, um Dinge, die Menschen pflegen oder aber entfernen wollen. Und es ging um die Frage des Geschmacks: „Die einen roden die Brennnesseln in ihrem Garten, die anderen kochen sich daraus Tee.“ Genauso interpretierte er das für die
Liedauswahl und forderte die Gemeinde auf, bis zum nächsten Sonntag ihre Lieblingslieder einzureichen.

Er hat daraus eine Hitliste gemacht und angekündigt, sie in den kommenden Gottesdiensten zu berücksichtigen. Platz eins belegt das Lied „Segne du Maria“ vor Schuberts „Heilig, heilig, heilig“. Platz drei teilen sich „Großer Gott, wir loben dich“ mit „Wo Menschen sich vergessen“. Wenn er die Favoriten durchsieht, entlockt es Ullrich an vielen Stellen wieder ein Schmunzeln: „Das war ja zu erwarten.“

Pastor Andreas Ullrich
Pastor Andreas Ullrich wünscht sich Vielfalt beim Gesang. | Foto: Michael Bönte

„Wer abgestimmt hat, muss jetzt aber auch in die Sonntagsgottesdienste kommen“, hat der Pfarrer seine Gläubigen eine Woche später aufgefordert. 86 haben an der Umfrage teilgenommen, einige haben mehrere Wünsche abgegeben. „Alle Lieder können wir aber nicht singen, das würde mehrere Stunden dauern.“

Verschiedene Geschmäcker

Darin zeigt sich für Ullrich aber auch ein Grundproblem der musikalischen Gestaltung. „Die Geschmäcker sind bei aller Tradition sehr unterschiedlich.“ Während die einen jeden Sonntag eine gleiche, kleine Auswahl favorisieren, finden andere das schnell langweilig, sagt er. „Zudem ist der Gottesdienstbesuch unregelmäßiger geworden.“

So wird manchmal genau die Lieblingsmusik angestimmt, wenn der Gläubige nicht anwesend ist. Es jedem recht zu machen, scheint ohnehin unmöglich. Ullrich kennt viele Gründe, warum dem so ist. Allein die lokalen Unterschiede seien auffällig.

Kein Streit

„Was in Laer beliebt ist, wird in Holthausen oder in der Beerlage nicht so gern gesungen.“ Und schon ein anderer Text über eine alte, bekannte Melodie sei für die Gottesdienstbesucher oft Grund genug, das „Gotteslob“ wieder an die Seite zu legen, wenn die Orgel zu spielen beginnt.

Zudem sind einige Lieblingslieder liturgisch oder saisonal „besetzt“, wie er es nennt. Ein „Wir sind nur Gast auf Erden“ passe dem Gefühl nach eigentlich nur in den November oder zu Beerdigungen. „Wir singen ja auch nicht Stille Nacht zu Ostern.“

Vielfalt ist wichtig

Ullrich ist eine große, unterschiedliche Liedauswahl in den Gottesdienst trotzdem wichtig. „Sonst bräuchten wir kein Gotteslob, sondern nur ein dünnes Heftchen.“ Er weiß aber auch, dass die Gemeinde da nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden darf, sondern „mitgenommen werden“ muss. „Ein fester, dauerhaft einsetzbarer Organist wäre dafür hilfreich.“ Er könnte etwa vor Gottesdienstbeginn neue Lieder einstudieren. In Laer aber sind aushilfsweise unterschiedliche Orgelspieler im Einsatz.

Es ist kein Thema, über das sie sich in seiner Gemeinde streiten wollen, sagt Ullrich. „Aber es bleibt eine ständige Diskussion.“ Übrigens nicht nur dort. Er hat es auch erlebt, als er in der Vergangenheit in anderen Kirchen aushalf. „So was singen wir hier nicht“, hat er öfter zu hören bekommen.

Er will bestimmte Vorliebe für wenige, ausgewählte Lieder keinesfalls unterdrücken. „Ich will sie aber auch ergänzen und erweitern“, sagt er. „Weil im Gotteslobs noch viele andere Schätze  für die Liturgie zu finden sind.“

Die Top-5-Hits aus Laer
In der Pfarrei Heilige Brüder Ewaldi in Laer, Holthausen und Beerlage haben die Gottesdienstbesucher abgestimmt, welche Lieder sie in der Kirche künftig häufiger hören möchten:
Platz 1: „Segne du, Maria, segne mich, dein Kind“ (Gotteslob Nr. 535)
Platz 2: „Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr“ (Nr. 388)
Platz 3: „Großer Gott, wir loben dich“ (Nr. 380)
Platz 4: „Wo Menschen sich vergessen“ (Nr. 839)
Platz 5: „Ich glaube an den Vater“ (Nr. 826)