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Warum sich der Geistliche aus Neukirchen-Vluyn neu orientieren möchte

Pfarrer Andreas Fink wird Erzieher – und will Priester bleiben

  • Andreas Fink, Pfarrer von St. Quirinus Neukirchen-Vluyn, hat Bischof Felix Genn um seine Entpflichtung gebeten.
  • Der 50-Jährige beginnt eine Ausbildung zum Erzieher.
  • Dies sei seine persönliche Entscheidung gewesen, sagt er, er wolle auch weiter als Priester tätig sein.
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Eines ist ihm wichtig: Er macht den Beruf des Priesters gern. Auch wenn er Bischof Felix Genn um seine Entpflichtung als Pfarrer gebeten hat. Für den 50-jährigen Seelsorger ist das kein Widerspruch. Andreas Fink, bis zum 14. August noch Pfarrer von St. Quirinus in Neukirchen-Vluyn, will weiter als Seelsorger und Priester tätig bleiben, auch wenn er eine Ausbildung als Erzieher beginnt.

Seit dreieinhalb Jahren macht Fink eine zusätzliche psychologische Ausbildung. Es gehe um Transaktionsanalyse, wie er sagt. „Wer bin ich, wie funktionieren menschliche Beziehungen, wie kann ich das eigene Leben mit dem Leben in der Welt in Beziehung setzen, sind Fragen, um die es in der Zusatzausbildung geht“, erklärt er. Diese Ausbildung habe er auch gewinnbringend für die pastorale Arbeit einbringen können, sagt er. „Ich habe mich persönlich weiterentwickeln können. Dafür bin ich dankbar.“

"Keine Entscheidung gegen die Kirche"

Die Entscheidung, eine Ausbildung als Erzieher zu beginnen, ist eine persönliche Entscheidung, die die psychologische Ausbildung sicher beflügelt hat. „Sie gehört zu meinem inneren Weg“, meint er. „Es ist keine Entscheidung gegen die Kirche.“ Er hat den Beruf des Erziehers gewählt, weil er dann auf jeden Fall die Chance habe, auch darin arbeiten zu können. Das sei ihm wichtig gewesen, sagt Finke.

Er wird seine Ausbildung voraussichtlich im Rahmen eines dualen Systems in Düsseldorf beginnen. Fink geht zweieinhalb Tage in die Schule und drei Tage als Praxisteil in eine Einrichtung. Beworben hat er sich bei einer Kindertagesstätte der Diakonie in Düsseldorf. Die Leiterin war sehr interessiert, „weil er dann der zweite Mann in der Einrichtung ist“, sagt er.

Weiter als Seelsorger tätig

Für Fink bietet diese Stelle selbst auch eine interessante Perspektive. Er wird in der Schule Seelsorger sein können und eventuell auch Gottesdienste halten können. „Ich will sehen, wie sich das entwickelt, aber es ist eine interessante Kombination, einerseits Schüler und andrerseits Seelsorger zu sein“, sagt er. Innerhalb des Blocks wird er zuerst im Kindergarten arbeiten, dann eventuell zwei Monate in einer Jugendhilfeeinrichtung. Darüber hinaus wird er seelsorglich tätig sein, voraussichtlich in Moers.

Sechs Jahre ist Fink Pfarrer in Neukirchen-Vluyn. Seit 2007 ist er Priester, zuerst in Duisburg-Walsum, dann in Coesfeld, Kleve, Münster-Mauritz und schließlich in Neukirchen-Vluyn. Die Reaktion auf seine Entscheidung war in der Pfarre zweigeteilt. „Einerseits hat man den Weggang bedauert, andererseits Verständnis gezeigt“, beschreibt er das Verhalten der Gemeindemitglieder. Das kennzeichne die Gemeinde. Sie könnte Dinge, die gut waren, wertschätzen, hätte Verständnis jedoch für Veränderungen.

Neue pastorale Formate entwickelt

Denkt er zurück, sind es vor allem die Trauungen, Taufen, Beerdigungen und die Feiern der Erstkommunion, die ihm sehr viel Freude gemacht haben. „Bei diesen Feiern habe ich persönliche Formate entwickeln können, die sich sehr von meiner Anfangszeit als Priester unterscheiden“, meint er.

Er habe zum Beispiel Lieder, Schlager, Hits wie Lieder von Peter Maffay eingebaut, um die Gläubigen zu erreichen. Das sei gut angekommen, weiß er. Vor allem bei der Arbeit mit heranwachsenden Jugendlichen sei das erfolgreich gewesen. Mit großer Freude hat er erlebt, wie man junge Menschen mit außergewöhnlichen Projekten wie Seelsorge in einer Großstadt erwärmen kann.

In der Ökumene engagiert

Die Ökumene ist in seiner Zeit als Pfarrer großgeschrieben worden. „Da habe ich viel gemacht. Wir haben uns in dieser Arbeit gut ergänzt“, erinnert er sich. „Vier Mal im Jahr haben wir in der Stadt sonntags stadtweit einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert, der gut angenommen wurde.“ Fink ist Vorsitzender des ACK gewesen – der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Diese Arbeit hat ihm gelegen. „An der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft habe ich gern gearbeitet. Da liegen meine Fähigkeiten“, sagt er.

Die Stelle eines Pfarrers für Neukirchen-Vluyn wird neu ausgeschrieben. Der indische Priester Suneel Kumar Paspula wird die pastorale Arbeit bis 2025 fortführen. „Er ist ein guter Mann, wir haben gut zusammengearbeitet“, sagt Fink. Am 14. August wird er im Rahmen eines Pfarrfestes von der Gemeinde verabschiedet.

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