EHE UND PARTNERSCHAFT

Pfarrer Schießler: Auch Priester haben Recht auf ein Privatleben

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Mit Blick auf den Zölibat sorgt der Fall des Wiener Dompfarrers Faber gerade für Diskussionen. Wie ein bekannter Seelsorger aus München dazu steht.

Von KNA

Der selbst als unkonventionell geltende Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler ist dem in die Kritik geratenen Wiener Dompfarrer Toni Faber zur Seite gesprungen. Letzter soll Berichten zufolge im kommenden Jahr, mit 65 Jahren, in den Ruhestand geschickt werden. Grund dafür sollen seine medienwirksamen Auftritte bei Promi-Events sein, bei denen er, wie zum Wiener Opernball, gerne seine „sehr gute Freundin“ mit dabei hat.

Gegenüber katholisch.de sagte Schießler, er kenne Faber gut und habe auch bereits eine sehr kompetente Domführung von ihm bekommen. Der Pfarrer sei selbst wie ein Baustein dieses Doms. „Der Kirche kann nichts Besseres passieren als so ein Dompfarrer. Er mag die Leute, und die Leute mögen ihn.“ Faber habe Promi-Hochzeiten genauso gemeistert wie Staatsbegräbnisse; zudem habe er die Kirche an Orte gebracht, wo man sie normalerweise nicht erwarte.

Zu öffentlich geworden

Schießler erinnerte daran, dass Faber wie auch er selbst ihre Ämter mittlerweile 30 Jahre lang versähen – immer mit großer Hingabe, Kreativität und Mut. „Jetzt brodelt plötzlich die Gerüchteküche, redet man über diese Dinge, als wären sie nie früher sichtbar gewesen.“

Der Zölibat sei das Intimste, was es gebe, sagte Schießler. Er habe den Zölibat bewusst und entschieden versprochen. „Ich möchte mir das nicht nehmen lassen, und da soll und muss nicht jeder reinreden.“ Ein Priester habe genauso ein Recht auf sein Privatleben wie jeder andere auch. „Ich würde ein Ehepaar nicht fragen, nicht einmal im Beichtstuhl, wie es sein Eheleben gestaltet“, gab der Priester zu bedenken.

Der große Unterschied zwischen ihm und dem Dompfarrer ist laut Schießler: „Ich kann nicht so galant auftreten wie er. Er war auf dem Opernball, ich bin nur auf der Wiesn.“ Wegen Faber seien viele Leute in die Kirche eingetreten, erinnerte Schießler: „So einen Pfarrer kriegst du nicht einfach so. Das musst du schon können.“ In der Wiener Erzdiözese sollten sie froh sein, einen solchen Seelsorger zu haben; das sei ein Geschenk.

Opernball in Wien wie Pfarrfasching

Die ganze Aufregung, dass der Dompfarrer mit Begleitung zum Opernball gegangen sei, kann der Münchner Pfarrer nicht verstehen. „Warum soll er da allein hingehen, da braucht man doch eine Tanzpartnerin, wenn man tanzen will.“ Faber habe den Opernball gerne mal als seinen Pfarrfasching bezeichnet, und wie jeder andere Pfarrer schwinge er halt hier auf seinem Pfarrball das Tanzbein.

Faber sei zudem ein Wiener, erinnerte Schießler. Er als Münchner Priester führe dagegen ein viel einfacheres Leben. Tanzen könne er auch nicht. Einen Tipp für Faber hat er von Priester zu Priester dennoch: „Zieh dir einen richtigen Opernball-Frack an, und kein Kollar-Hemd, wenn du da hingehst. Du musst dich nicht als Pfarrer verkleiden!“

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