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Donald Baker, katholischer Priester in New York City, rechnet mit Ausschreitungen

Pfarrer vor US-Präsidentenwahl: Es herrscht hier vor allem Angst

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Wie werden die Amerikaner auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl reagieren? Ist die Spaltung des Landes auch in den katholischen Kirchengemeinden zu spüren? Wäre der katholische Demokraten-Kandidat Joe Biden für sie der bessere Präsident? "Kirche-und-Leben.de" hat am Vorabend der Wahl mit Donald Baker in New York City gesprochen. Er ist katholischer Pfarrer der Gemeinde St. Monika und St. Elisabeth von Ungarn in der Upper East Side und seit Jahren mit dem Bistum Münster verbunden. Seine Prognose ist alles andere als zuversichtlich.

Pfarrer Baker, welche Stimmung herrscht in den USA am Tag vor der Präsidentschaftswahl?

Donald BakerDonald Baker ist Priester des Erzbistums New York. Seit 2003 war er Pfarrer einer Gemeinde in der Lower East Side, zu der viele Hispanics und Chinesen gehören. Seit 2015 leitet er die Pfarrei St. Monika und St. Elisabeth von Ungarn in der Upper East Side. Baker hat unter anderem in München studiert, spricht perfekt Deutsch und unterhält eine enge Beziehung zur Pfarrei St. Joseph in Münster.  | Foto: privat

Es herrscht hier vor allem die Angst. Unsere Gemeinde ist tendenziell eher liberal, aber nicht wenn es auf die Börse oder ihr Vermögen kommt. Darum sagt man, es gebe viele „schüchterne Trumpwähler” – auch hier im liberalen New York City. Und wenn das in New York der Fall ist, wie wird es dann erst im Rest des Landes sein? Aber merkwürdigerweise gibt es auch die Hoffnung, dass die Trumpwähler von 2016 heute zufrieden sind mit all dem was, sie von ihm bekommen haben, und jetzt wieder ihre Ruhe haben wollen. Joe Biden ist nicht Hillary Clinton. Viele haben zuletzt Trump gewählt, weil sie Hillary für nicht vertrauenswert hielten. Niemand – außer Trump natürlich – kann das von Biden sagen.

Das Land scheint so gespalten wie nie zuvor. Wie nehmen Sie das in Ihrer Gemeinde wahr?

Wir gehen höflich miteinander um. Ich predige über die Wahl, aber ich versuche, die Werte des Reiches Gotten fest im Blick zu halten, statt für irgendeinen Kandidaten zu plädieren.

Donald Trump hat bereits mehrfach Skepsis geäußert, dass es bei der Auszählung der Stimmen nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Rechnen sie mit Ausschreitungen in New York City, im gesamten Land?

Aber selbstverständlich. Die haben schon begonnen – wenn auch bislang nur unter Randalierern, die sich ärgern, weil ihre Seite verlieren könnte. Aber wir drücken die Daumen, dass die Polizei, wenn es darauf ankommt, auf der Seite des Friedens stehen wird, statt heimlich die Proteste zu unterstützen.

Joe Biden ist katholisch. Ist er deshalb der bessere Kandidat?

(lacht) Nein. Er ist von seiner katholischen Erziehung geprägt, und darum hat er ein moralisches Fundament, was Trump völlig fehlt. Aber es geht nicht darum, an welchen Gott man glaubt, sondern um die Werte, die man hat. Diese Werte könnten auch aus einer evangelischen, jüdischen oder islamischen Erziehung stammen. Ich glaube, es ist vielen Amerikanern klar geworden, dass es nicht genügt, dass ein Präsident stark ist; er muss auch unsere Werte vertreten können.  Zumindest hoffe ich das.

Eine ganz andere Frage zum Schluss: Bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr dieses Jahres hat allein New York City 24.000 Todesfälle zu beklagen gehabt. Wie ist die Corona-Situation in New York City zurzeit?

Eigentlich ist die Lage hier nicht so schlimm. Aber dass daher, dass wir die Pandemie seit März ernst genommen haben. Viele kannten Leute, die an Corona erkrankt und gestorben sind – auch ich habe einen Freund verloren. Deswegen tragen alle Masken, wir halten „social distancing” für wichtig und versuchen, irgendwie ein halbnormales Leben zu führen. Aber ohne Kultur, ohne Times Square, ohne den Tourismus, zutiefst gestört, beinahe würde ich sagen: zerstört.

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