Sie waren die guten Seelen der Pfarrhäuser

Pfarrhaushälterinnen – ein aussterbender Beruf

Die sieben Frauen aus dem Diözesanvorstand und der Geistliche Beirat Bernward Dyckhoff haben noch einmal mit Bischof Felix Genn einen „Dankeschön-Kaffee“ getrunken, wie er es nannte – und jetzt ist Schluss: Die Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen im Bistum Münster gibt es nicht mehr. Der Bischof dankte dem Vorstand und überreichte ein Geschenk für die langjährig geleis­tete Arbeit.

Der Berufsgemeinschaft gehörten am Ende zu wenig Mitglieder an, wie Karin Fangmann aus Cloppenburg mitteilt. 25 Jahre war sie Diözesanvorsitzende, jahrelang engagierte sie sich auch als stellvertretende Bundesvorsitzende. Und die Frauen aus dem Vorstand waren in den Regionen, Dekanaten und auf Diözesanebene aktiv. Sie veranstalteten Bildungstage und Wallfahrten.

Weniger als zehn Vollzeit-Haushälterinnen im Bistum Münster

Bereits im November hatte die Bistumsleitung die Auflösung genehmigt. Dazu führte der Vorstand der Berufsgemeinschaft Gespräche mit Personalchef Karl Render und Verwaltungschef Ulrich Hörsting aus dem Generalvikariat.

Pfarrhaushälterinnen.
Bischof Felix Genn dankte dem Diözesanvorstand mit dem Geistlichen Beirat Bernward Dyckhoff (rechts) für die Arbeit. | Foto: privat

„Der Priesterberuf hat sich verändert“, sagt Fangmann. Diese Veränderung wirkte sich auch auf die Pfarrhaushälterinnen aus. „Es gibt keine Berufungen mehr“, sagt Fangmann über die Haushälterinnen. Ein Trend, der bundesweit festzustellen ist, denn auch in anderen Bistümern lösen sich die Berufsgemeinschaften auf.

Inzwischen gibt es im Bistum Münster keine zehn Vollzeitkräfte mehr, davon drei im Offizialatsbezirk Oldenburg. Die meisten früheren Haushälterinnen leben im Altersheim. Der Beruf ist fast ausgestorben.

Sie sollte dem Pfarrer den Rücken frei halten

1973 war die Lage noch anders. Damals gründete Bischof Heinrich Tenhumberg die Berufsgemeinschaft für das Bistum Münster. Mehr als 500 Frauen gehörten ihr an, oft stellte der Priester seine Schwes­ter oder eine andere Verwandte als Pfarrhaushälterin an. 1974, ein Jahr nach Gründung der Berufsgemeinschaft, hieß es in einem Beschluss der Würzburger Synode: „Haus und Haushalt des Priesters müssen seinem Dienst entsprechen.“ Das Pfarrhaus sollte damit zugleich ein Haus für die Gemeinde sein.

„Frauen, die einen Pfarrhaushalt führen, leisten einen kirchlichen Dienst, denn mit ihrer Sorge machen sie den Priester freier für seine pastoralen Aufgaben“, hieß es weiter im Synoden-Beschluss. Anders formuliert: Der Pfarrhaushälterin kam eine entscheidende Rolle zu, weil sie dem Priester den Rücken für seelsorgliche Tätigkeiten freihalten sollte. Sie war die erste Ansprechpartnerin im Pfarrhaus und dort die gute Seele.

Freude an der Bewirtung von Gästen

„Wir hatten Telefondienst, wir hatten Gäste“, erinnert sich Fangmann. „Es war eine wichtige Aufgabe.“ Die Tätigkeiten waren demnach vielfältiger als heute, und seinerzeit übernahmen die Pfarrhaushälterinnen so manche Aufgaben der jetzigen Pfarrsekretärinnen.

Wie es früher aussah, darüber finden sich im Internet detaillierte Informationen auf dem Portal pfarrhaushaelterin-bistum-muenster.de. Als Qualifikationen gefragt waren demnach neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung und guten Allgemeinbildung fundierte hauswirtschaftliche Kenntnisse, ebenso die Freude an der Bewirtung von Gästen.

Diskret und kreativ

Selbstbewusst, diskret und kreativ musste eine Pfarrhaushälterin sein. Mitbringen sollte sie die Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten und zum selbstständigen Arbeiten. „Die unterschiedlichen Aufgaben, die vom Beschäftigungsort abhängig sind, machen den Dienst vielseitig und verantwortungsvoll“, heißt es auf der Internet­seite. Soweit das Idealbild.

Vorurteile gab und gibt es allerdings auch: etwa von der strengen Haushälterin, die ihren Pfarrer wie ein Wachhund abschirmte. Oder das Vorurteil von der heimlichen Geliebten des Pfarrers. Mit diesem Getuschel mussten die Priester ebenso wie die Pfarrhaushälterinnen leben.

Kochen, putzen, waschen

Heute reduzieren sich ihre Aufgaben nach den Worten der früheren Diözesanvorsitzenden auf Kochen, Putzen und Waschen für den Priester. Das erledigen viele Haushälterinnen in Teilzeit. Oft sind es Witwen oder Frauen mit schulpflichtigen Kindern, die sich um Wäsche, Küche und Sauberkeit in der Wohnung kümmern. Vielen Priestern genügt das, eine ganztägig beschäftigte Haushälterin wollen sie nicht mehr.

Trotz der Auflösung der Berufsgemeinschaft ist noch nicht alles vorbei: „Soweit es möglich ist, finden Treffen in den Regionen mit den Pfarrhaushälterinnen statt“, erklärt Fangmann. Die Älteren seien nicht einfach abgeschrieben. „Die Verbundenheit untereinander wird auch in Zukunft gepflegt.“