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Pater Elmar Salmann OSB zu Anregungen aus der Urkirche für den Synodalen Weg

Pfingsten 2021: Mut zu Ambivalenz und Unerhörtem!

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Inmitten heftigster Diskussionen über den künftigen Weg der Kirche setzt das Kirchenjahr das Pfingstfest als wiederkehrend-aktuelle Wegmarke. Das führt in die keineswegs weniger turbulenten Erfahrungen der Urkirche. Von dort ließe sich manches an An- und Erregung für heute erkennen und als Ermutigung ablesen, meint Pater Elmar Salmann, Benediktiner und langjähriger römischer Theologieprofessor, in seinem Gast-Kommentar.

Empörung und Erregung allenthalben. Der Mensch ist ein seltsam aufgebrachtes Wesen, gern erregt, wütend, meinungsverhaftet, vielleicht deshalb, weil er „aufgebracht“ ist, wie ein Schiff, das scheitert oder geentert wird von Feinden. Und in der Tat, das Leben ist auch eine Geschichte der Niederlagen und Kränkungen, der Zumutungen und unerwünschter Aufbrüche und Wandlungen, ohne die es dennoch nicht geht.

Schon die Urgemeinde verfolgt einen solchen schwierigen „synodalen Weg“, wie er in Apos­telgeschichte 9-15 geschildert wird. Es geht darum, wer zur Gemeinde gehört, ob man den Heiden altjüdische Bräuche und Gesetze auferlegen solle, um das Verhältnis von Geist- und sakramentaler Kirche, also um Weichenstellungen, die über das Geschick des künftigen Christentums entscheiden.

 

Aufstand beim ‚Lehramt‘ der Urapostel

 

Erregung deshalb in Antiochien, wo der Name der „Christen“ gleichsam aus der Taufe gehoben wurde, und Jerusalem, bei Juden und Heiden, Paulus und Petrus, ja in vielen Aposteln selbst. Die längste Geschichte ist deshalb die des Hauptmanns Kornelius, den Petrus nach einer visionären Belehrung durch den Himmel selbst taufen lässt und damit einen Aufstand beim ‚Lehramt‘ der Urapostel auslöst.

Am Ende steht ein Konzilsbeschluss, mutig in der Substanz, mit einigen Zugeständnissen an die Ängstlichen. Dieser hat die Form eines Briefes der Ermutigung, knapp, wesentlich, freisetzend. Wenn doch alle kirchlichen Dokumente davon etwas hätten!

 

Ein Vermittler aus der zweiten Reihe

 

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass 21 von 27 neutestamentlichen Schriften eben Briefe an konkrete Gemeinden sind … Der Vermittler in alldem ist ein Mann aus der zweiten Reihe, Barnabas, Sohn des Trostes, der Paulus gegen alle Widerstände in Jerusalem einführt und aus Tarsus wieder zurück nach Antiochien in die apostolische Arbeit holt. Er, eine Art künftiger Pfarrer, hat den Mut, das Genie ins Spiel zu bringen, einige Zeit mit ihm die Arbeit zu teilen, bis sich dann die Wege trennen.

Es ist erstaunlich, wie vielschichtig und ohne voreilige Wertung diese Prozesse erzählt und ambivalente Empfindungen und Unsicherheiten zugelassen werden. Man lässt sich vom anderen und vom Geist etwas, auch Unerhörtes, gesagt sein, betet innig, allein und gemeinsam, optiert umsichtig, mutig und demütig zugleich, um dann entschlossen zu handeln.

Ob das nicht eine kleine ‚Magna Charta‘ für den Synodalen Weg unserer Tage wäre?

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