AUFBRUCH

Pfingsten: Das Fest der Nicht-Blockierer

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Die Stimmung in unserer Gesellschaft ist derzeit eher negativ geprägt. Warum Pfingsten zur rechten Zeit kommt, erklärt Matthias Sellmann.

Ist eigentlich irgendetwas einfacher als zu blockieren? Gibt es eine Macht gegen die Kraft des blanken „Nein“? Ich bin fast sicher, dass jede und jeder das kennt: Man erkennt einen Veränderungsbedarf. Man geht sogar in die Verantwortung, diese Veränderung führend mitzugestalten. Und dann begegnet einem diese simple, schroffe, stumpfe Macht der Verweigerung und der Blockade.

Von Empörungsspiralen und Katastrophen

Die destruktiven Formen des „Nicht mit mir“ sind zahlreich. Es gibt die, die sofort die Empörungsspirale starten: „Unzumutbar!“. Es gibt die Nebelkerzen-Spezialisten, die permanent Nebenbaustellen eröffnen: „Bevor wir darüber sprechen, muss erst Folgendes geschehen…“. Es gibt die passiv Aggressiven, die dumpf und böse vor sich hinstarren und deprimierte Stimmung verbreiten.

Es gibt die Katastrophisierer, die sofort alles Negative auf einmal heraufbeschwören: „Das ist das Ende!“ Es gibt die Prinzipienreiter, die alles formalisieren. Es gibt die Ego-Optimierer, die alles Große auf den kleinen Nenner des Eigenen herunterrechnen: „Für mich muss aber herauskommen, dass…“. Und es gibt die Gruppe der Schweiger, die zulassen, dass scheinbar die Lauten immer recht haben – wofür sie wirklich eintreten, erfährt man ja nicht.

Sellmann: Warum ich so gerne Pfingsten feiere

Der Autor
Matthias Sellmann, Jahrgang 1966, ist Theologe und Sozialwissenschaftler, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Bochum, Mitglied des Synodalen Weges. Er ist zudem Berater der Deutschen Bischofskonferenz und Direktor des Zentrums für angewandte Pastoralforschung in Bochum. Sellmann ist Mitglied der Synodalversammlung und des Synodalen Ausschusses. Außerdem war Sellmann Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Ob in einer Partnerschaft, einer Belegschaft, einem Kollegium, einem Projektteam – gegen diese destruktive Macht der Blockade hat das „Ja“, das Gestalten, das „Lass mal losgehen“ kaum eine Chance. Nichts hat so viel Schwerkraft wie Komfortzonen.

Darum feiere ich so gerne Pfingsten. Denn Pfingsten ist erstens das Gottesfest des Aufbruchs. Und wir brauchen so dringend Leute, die positiv in die Innovation gehen – auf nahezu allen Feldern des Zusammenlebens. Und zweitens: Der Geist, der da weht, hat keine Verträge mit Komfortzonen und Privilegienhuberei. Der aktiviert die Aufbau-Macht der Ohnmacht gegen die Verweigerungs-Macht der Blockierer. Der prämiert die leise Stimme derer, die sich für Lösungen bereithalten.

Der macht keine Geschichten, sondern Geschichte.

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