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Warum sich drei junge Leute aus Cloppenburg für den Arbeitsplatz Altenheim entschieden haben

Pflege ist ihnen lieber als ein Bürojob

Es ist harte Arbeit mit Schichtarbeit und Wochenend-Diensten. Drei junge Leute aus Cloppenburg haben sich trotzdem für den Beruf Altenpfleger entschieden. Warum eigentlich?

Für Leon Holtz stand schon früh fest: Es sollte kein Bürojob werden. So engagierte sich der heute 20-Jährige bereits in jungen Jahren ehrenamtlich in der Altenbetreuung im Haus Elisabeth in Garrel. Auch Celine Kustara aus Cloppenburg fand den Bürojob langweilig und hat durch ein Praktikum zur Altenpflege gefunden. „Es hat mir vom ersten Tag an gut gefallen“, sagt die 21-Jährige.

Nico Burlager aus Barßel ist 19. In seiner Nachbarschaft traf man sich zur häuslichen „Omi-Runde“. Die fand er schon immer spannend und lernte dadurch plattdeutsch. Später leistete er im Altenheim Haus Elisabeth in Barßel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Sie stehen kurz vor dem Pflege-Examen

Die drei Jugendlichen sind Absolventen des Oberkurses der Berufsfachschule Altenpflege St. Pius in Cloppenburg und stecken nun in den Vorbereitungen für das Examen im Sommer. Eine Stelle ist ihnen sicher, denn gut ausgebildete Pflegekräfte sind in diesen Zeiten rar gesät.

Es wird ein anspruchsvoller Beruf, darüber sind sie sich klar. Auch ein Beruf mit ergreifenden Momenten. Etwa, wenn es um das Sterben von Bewohnern geht. Ihre Erfahrung: Vielen alten Menschen in der Sterbesituation helfe das Gebet; „sie werden dann ruhiger“. Sterben gehöre zum Alltag in der Altenpflege, abstumpfen könnten und wollten sie darüber nicht, sagen sie.

Der Umgang mit dem Tod gehört zur Pflege

Erfolgreich absolviert haben die drei gerade einen 40-stündigen Kurs „Palliative Praxis“. In dieser einwöchigen Weiterbildung in der Katholischen Akademie Stapelfeld haben sie und 32 weitere Schülerinnen des Oberkurses der Berufsfachschule Altenpflege St. Pius Methoden im Umgang mit Sterbenden und den Umgang mit den Angehörigen erarbeitet.

„Sterbestunden sind immer prägende und intime Momente“, sagt Celine Kustara. „Sie sind traurig und positiv zugleich.“ Dabei stehe an erster Stelle: „Auf Signale des Sterbenden achten und die letzten Tage und Stunden schön gestalten.“ Leon Holtz glaubt, besonders Einfühlungsvermögen sei wichtig. Vor allem, wenn es darum gehe, eine Stütze für die Angehörigen zu sein.

Der Beruf hat sie selbstsicherer gemacht

In diesem 40-stündigen Kurs seien sie selbstsicherer und selbstbewusster geworden, berichten die angehenden Altenpfleger.  Dabei hätten ihnen Rollenspiele geholfen – aber auch, die eigene Haltung immer wieder selbstkritisch zu überprüfen.

Die angehenden Altenpfleger sind sich klar darüber, dass man diesen Beruf nicht bis zum Rentenalter ausüben kann. Denn körperlich und seelisch erleben sie nach eigenen Worten immer wieder „Grenzerfahrungen“.

Sie wollen nicht immer in der Pflege bleiben

Deshalb haben sie schon weitere berufliche Ziele im Auge. Leon Holtz möchte später Geriatrie studieren, Nico Burlager  einmal die Pflegedienstleitung eines Heimes übernehmen und Celine Kustara sich auf Palliativpflege konzentrieren. Wünsche für die Zukunft. Denn erst einmal wollen sie Einsatz zeigen und Erfahrungen in der Praxis sammeln.

Die drei jungen Pflegekräfte haben auch ihre eigenen Methoden zum Abschalten nach der Arbeit. „Wenn wir unsere Arbeitsklamotten ablegen, ist die Arbeit auch vorbei.“ Dann machen sie, was viele junge Menschen in dem Alter tun: Freunde treffen oder ihren Hobbies nachgehen. Da stört dann jedoch manchmal der Schichtdienst. „Eine Zwölf-Tage-Woche schlaucht ganz schön“, gibt Nico zu.

Ihr Rat: Interessierte sollten sich ein Bild machen

Alle drei sind von ihrem Beruf überzeugt. Sie berichten aber auch, dass einige ihrer Freunde über die Berufswahl zunächst irritiert waren. Denn Leon Holtz und Nico Burlager haben nicht gerade einen klassischen Männerberuf ergriffen. Doch der Respekt vor dem Beruf wächst nach ihrem Eindruck. Aber trotzdem müsse schon „eine gewisse Leidenschaft“ da sein – das betonen alle drei.

Anderen jungen Menschen könnten sie nur Mut machen für diesen Beruf. Ihr Rat: „Einfach reinschauen, beim Praktikum sich ein eigenes Bild machen.“

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