Patientenschützer Eugen Brysch dringt auf Reform

„Pflegeversicherung soll alle Pflegekosten übernehmen“

Patientenschützer haben die Forderung nach einer Reform der Pflegefinanzierung bekräftigt. Die Pflegeversicherung solle künftig die gesamten Pflegekosten übernehmen, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

Ähnlich wie die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Behandlung von Krankheiten trage, müsse die Pflegeversicherung künftig die gesamten Pflegekosten übernehmen, sagte Brysch dem Evangelischen Pressedienst. „Den zusätzlichen Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen zahlt weiter jeder selbst. Je nachdem, welcher besonderer Komfort gewünscht wird“, erklärte er.

Leistungen geblieben, Eigenanteil gestiegen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse jetzt handeln, da die Leistungen aus der Pflegeversicherung seit zweieinhalb Jahren gleich geblieben seien, forderte Brysch weiter. Dagegen habe sich der Eigenanteil für die Pflege in den Einrichtungen um knapp ein Drittel erhöht. „So reicht der bisher gezahlte Zuschuss aus der Pflegeversicherung nicht einmal aus, um die reinen Pflegekosten im Heim zu bezahlen“, sage er. „Den hilfsbedürftigen Menschen steht das Wasser finanziell bis zum Hals.“

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte zuvor berichtet, dass der monatliche Eigenanteil von Senioren für ihre Unterbringung im Pflegeheim im ersten Halbjahr 2019 im Bundesdurchschnitt auf 1.891 Euro gestiegen sei. Das seien rund 60 Euro mehr als noch zu Jahresbeginn und 120 Euro mehr als im Januar 2018, hieß es unter Berufung auf Daten des Verbandes der Ersatzkassen zum Stichtag 1. Juli 2019.

Pflegebedürftige müssen steigende Ausgaben selbst tragen

Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt über eine feste Pauschale nur einen Teil der real anfallenden Heimkosten. Steigende Ausgaben, etwa für höhere Löhne, müssen die Pflegebedürftigen selbst tragen.

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett beschlossen, Eltern und Kinder von Pflegebedürftigen zu entlasten: Sie sollen demnach erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro brutto für die Heimkosten aufkommen müssen.