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Kommentar von Bernd Bornhorst zu: Weltweite Verantwortung und Bundestagswahl

Politik fürs Hier und Heute reicht nicht

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Nach CDU und Grünen hat nun auch die SPD ihren Kanzler-Kandidaten benannt, und allmählich startet der Bundestagswahlkampf. In den Programmen taucht natürlich auch Entwicklungszusammenarbeit auf - aber doch sehr stiefmütterlich. Das muss sich ändern, denn unsere Wahl hat auch Auswirkungen auf die armen Länder, mahnt Bernd Bornhorst in seinem Gast-Kommentar.

Die Bundestagswahlen nähern sich. In ihren Programmen bekennen sich die meisten Parteien dazu, einen Beitrag gegen Hunger und Armut zu leis­ten. Oft findet sich Entsprechendes am Ende der Programme. Es entsteht der Eindruck, man müsse zunächst Wichtiges hierzulande ändern, und wenn noch Zeit und Geld übrigbleibt, investiert man in Entwicklungszusammenarbeit.

Man muss es umgekehrt betrachten: Wie es in Entwicklungsländern aussieht, wird auch für unsere Zukunft immer wichtiger. Unsere hiesigen Entscheidungen wiederum haben großen Einfluss auf das Leben vieler Menschen in diesen Ländern. Unsere Schicksale sind eng verknüpft.

Alle in einem Haus

Der Autor
Bernd Bornhorst wurde im Saterland geboren und studierte in Münster Politikwissenschaft, Soziologie und Kommunikationswissenschaft. Er leitet die Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen bei „Misereor“ und ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO).

Papst Franziskus hat es in der Enzyklika „Laudato si’“ auf den Punkt gebracht, wenn er von der Sorge für das gemeinsame Haus spricht. Es geht nicht zunächst um mein Haus und meinen Vorgarten – und dann um die Nachbarn. Nein, wir leben alle im selben Haus und werden nur gut leben können, wenn wir uns um die Interessen aller Mitbewohner kümmern.

Dass hierbei viele Politikbereiche gefordert sind, wird in der Corona-Pandemie deutlich: Nur gemeinsam ist eine Lösung möglich. Deswegen ist es tragisch, dass sich 13 Prozent der Weltbevölkerung bereits fünf Milliarden Dosen Impfstoff reserviert haben, während in den ärmsten Ländern das Impfen kaum voran geht.

Unsere Entscheidung  - ihr Schicksal

Corona verdeutlicht, wie alles zusammenhängt. Zum Beispiel in der Fleischindustrie: Für die Massentierhaltung wird Soja aus Brasilien importiert, wofür Regenwald gerodet und Menschenrechte verletzt werden. Hier wird das Fleisch von Leiharbeitern verarbeitet, die oft unter unwürdigen Bedingungen leben und an Corona erkranken. Nur um fast die Hälfte der Produkte wieder zu exportieren.

Auch das Los der schlecht bezahlten Textilverkäuferin in Deutschland und das Schicksal der unter erbärmlichen Bedingungen arbeitenden Näherin in Bangladesch sind miteinander verknüpft, denn sie stehen an zwei Enden einer gemeinsamen Produktions- und Lieferkette. Deswegen hat der Einsatz für gerechte Löhne hier und für menschenwürdige Produktion in Entwicklungsländern miteinander zu tun.

Wir treffen eine Wahl, nicht nur für uns, sondern auch für das Schicksal anderer Menschen und Generationen. Die Bewahrung der Schöpfung, der Kampf gegen Armut und unsere eigenen Lebensperspektiven sind eng verflochten. Die Probleme unsere Zeit können wir nur gemeinsam bewältigen.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche-und-Leben.de“ wider.

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