POLITIK

Welche Verantwortung die Kirche für die Demokratie trägt

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Wie kann gutes Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft gelingen? Seelsorger Stephan Orth aus Münster hat eine Idee.

Würde die Kirche bessere Worte finden und jeder ihrer Beschäftigten einen AfD-Wähler für die demokratische Mitte gewinnen, wären Kirchenbänke voller und der rechte „Spuk“ bald vorbei. Nur lerne die Kirche nichts aus seinen Ratschlägen, beklagte unlängst ein bekannter Kommunikationsberater.

So viel Selbstgerechtigkeit nervt. Nicht, weil in unserem Laden alles gut liefe oder wir uns angesichts des Extremismus zurücklehnen könnten. Sondern, weil sie der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Millionen Haupt- und Ehrenamtlichen zu attestieren, sie könnten nicht kommunizieren? Wer dreht sich hier eigentlich um sich selbst? In der Kirche jedenfalls erlebt man alles: verkorkste Sprache, mitreißende Predigten, verkrustete Strukturen, Mitbestimmung, Langweiler und Performer.

Wer Verantwortung trägt

Der Autor
Stephan Orth ist als Seelsorger am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Münster-Hiltrup sowie am St.-Paulus-Dom für die Begleitung und Leitung der Dommessdiener eingesetzt. Der Theologe veröffentlicht regelmäßig Impulse bei „Kirche im WDR“ und engagiert sich im Vorstand des Stadtjugendrings Münster e. V. und als Kuratoriumsmitglied in der BDKJ-Jugendstiftung Weitblick.

Und die AfD? Wer soll hier wen überzeugen? Ich habe im Ruhrgebiet gelebt und mir fällt auf: Mit Vorliebe reden ausgerechnet diejenigen über „Abgehängte“ und „soziale Brennpunkte“, die diesen Menschen und Orten selbst kaum begegnen. Man spricht über sie – nicht mit ihnen. Und was, wenn manche aus Überzeugung AfD wählen? Andreas Püttmann widerspricht der These, die AfD lasse sich durch bessere Politik „wegregieren“. Er macht eine kulturelle Krise aus: Anspruchsegozentrik und Kränkungen träfen auf schwindende Empathie, Demut und Gelassenheit.

Das entbindet Politik und Kirche nicht. Aber es verschiebt den Fokus: Erwachsene sind nicht bloß Opfer misslungener Kommunikation. Sie tragen Verantwortung für eigene Entscheidungen – bei Wahlen und im Zusammenleben. So gesehen ist Kirche vielerorts eine den politischen Umfragewerten trotzende Verantwortungsgemeinschaft. Ein „Role-Model“.

Mit Zuversicht und Gelassenheit

Was heißt diese Eigenverantwortung für uns? Vielleicht wäre es ein Anfang, weniger Untergangsszenarien rauszuposaunen, sondern sichtbarer zu machen, was gelingt. Sich nicht treiben zu lassen, sondern selbst zu treiben. Mit Zuversicht und Gelassenheit. Bischof Heiner Wilmer beschönigt die Kirchenkrise nicht, erinnert aber daran, was Austrittszahlen verdecken: Menschen werden begleitet und getröstet, Verantwortung wird übernommen, Hoffnung gestärkt.

Missstände benennen ist leicht. Schwieriger ist, Erfolge zu benennen, ohne schönzufärben: Wo trägt Demokratie? Wo funktioniert Solidarität? Wo ist Kirche lebendig? Was macht Hoffnung? Als Christen sind wir nicht blind. Aber die Wirklichkeit besteht nicht nur aus Katastrophen. Ein erwachsener Glaube sieht das Dunkel, verliert darüber aber das Licht nicht aus den Augen.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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