„Mann klarer Worte, Brückenbauer und moralischer Kompass“

Politik und Kirche trauern um Kardinal Karl Lehmann

Vertreter aus Politik und Kirche würdigen den am Sonntag verstorbenen Kardinal Karl Lehmann. Neben der deutschen Staatsspitze trauert auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

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Vertreter aus Politik und Kirche würdigen den am Sonntag verstorbenen Kardinal Karl Lehmann. Neben der deutschen Staatsspitze trauert auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte den Kardinal einen „Mann klarer Worte“, der „bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute“. Der ökumenische Dialog habe dem Kardinal am Herzen gelegen. „Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen. Dass er dabei nicht nur den eigenen Kräften vertraut hat, sondern auch mit der Gnade Gottes rechnete, merkten die Menschen, die ihm begegneten.“

EU-Kommissionschef Juncker würdigte Lehmann als „treuen Freund“ Europas. „Als moralischer Kompass hat er uns den Weg gewiesen und an die Werte erinnert, die Europa zu etwas Besonderem machen.“ Zeit seines Lebens habe Lehmann Brücken der Menschlichkeit und der Solidarität in und für Europa gebaut.

Merkel: „Begnadeter Vermittler“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) charakterisierte Lehmann als Menschen mit bodenständiger Lebensfreude und großer intellektueller Kraft. Er sei „ein begnadeter Vermittler“ gewesen – zwischen den deutschen Katholiken und Rom, in der Ökumene sowie zwischen Christen und anderen Religionen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nannte Lehmann ein Beispiel für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb im Netzwerk Twitter: „Mit Kardinal Lehmann verliert Deutschland einen großen Denker und Theologen, einen Versöhner und Friedensstifter, einen Bischof mit Humor und Herzenswärme und Liebe zu Gott und den Menschen.“ Laschet war auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Sternberg: „Beliebter Bischof, großer Menschenfreund“

ZdK-Präsident Thomas Sternberg aus Münster erklärte, die Katholiken verlören „einen herausragenden Kirchenführer der letzten Jahrzehnte, einen beliebten und umsichtigen Bischof, einen hoch anerkannten Wissenschaftler und nicht zuletzt einen großen Menschenfreund“. Lehmann habe die Kirche immer als Gemeinschaft verstanden und sei ein großer Förderer des ZdK gewesen.

„Wir sind Kirche“ lobte Lehmann als „Ausnahmetheologen“, der sich „zeitlebens mit großem Engagement für die Erneuerung der Kirche auf dem Kurs des Zweiten Vatikanischen Konzils“ eingesetzt habe. Die Bewegung erinnerte an Lehmanns pastorales Gespür und seine innerkirchliche Integrationskraft.

Overbeck: „Wandelndes Konzils-Lexikon“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, Lehmann habe sich seit dem Konzil auf vielfältige Weise für die Annäherung der beiden Kirchen engagiert. Damit habe er ein „weltweit beachtetes Zeichen für die Verständigung der beiden großen Konfessionen“ gesetzt.

Der aus dem Bistum Münster stammende Essener Bischof Franz-Josef Overbeck bezeichnete Lehmann als einen der „intellektuellen Köpfe der Bischofskonferenz“. Mit seiner ausgleichenden Art sei es dem langjährigen Konferenz-Vorsitzenden immer wieder gelungen, gemeinsame Positionen der Bischöfe zu erarbeiten. Overbeck nannte den Kardinal „ein wandelndes und kommentierendes Lexikon“ des Zweiten Vatikanischen Konzils.

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