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Wissenschaftler Patzelt fordert Maßstäbe für Beurteilung von Parteien

Politologe: Kirchen sollten nicht pauschal AfD verurteilen

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt Kirchenvertreter davor, die AfD pauschal als nicht wählbar für Christen zu bezeichnen: „Viel besser wäre es, wenn sie Maßstäbe und Kriterien herausarbeiten, nach denen Christen Parteien beurteilen können.“

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt Kirchenvertreter davor, die AfD pauschal als nicht wählbar für Christen zu bezeichnen. „Viel besser wäre es, wenn sie Maßstäbe und Kriterien herausarbeiten, nach denen Christen Parteien beurteilen können“, sagte Patzelt am Donnerstagabend bei einer Diskussion in Dresden. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ergänzte: „Der Wähler muss schauen, inwieweit christliche Werte wie etwa Nächstenliebe mit den politischen Forderungen der Parteien vereinbar sind.“

Patzelt machte das Agieren der CDU für den erstarkenden Rechtspopulismus verantwortlich. „Die CDU hat es versäumt, nach rechts zu integrieren.“ Die islamfeindliche Pegida-Bewegung und die AfD seien das sichtbare Ergebnis dieser Entwicklung. Im rechten politischen Spektrum scheine „eine Repräsentationslücke aufgetreten“ zu sein.

Warnung vor Ausgrenzung von AfD-Sympathisanten

Bürger fühlten sich mit ihren Ängsten und Sorgen, etwa mit Kritik an der Einwanderung, nicht mehr in den Parlamenten vertreten. Patzelt warnte davor, AfD-Sympathisanten auszugrenzen: „Das vertieft die Repräsentationslücken nur weiter.“ Man müsse vielmehr „den verlorenen Schafen nachgehen“.

Minister Dulig kritisierte eine Enthemmung der Sprache: „Der Vernichtung von Menschen geht ihre Entmenschlichung voraus, und das beginnt mit Sprache.“ Die Enthemmung der Sprache sein „eine Voraussetzung dafür, dass manche dann Hass mit Gewalt ausdrücken“, so der sächsische SPD-Chef.

Kritik an Begriffen wie „Volksverräter“ und „Lügenpresse“        

Er verurteilte die Verwendung von nationalsozialistisch geprägten Begriffen wie „Volksverräter“ und „Lügenpresse“. Auch Dulig warnte: „Wir sollten nicht mit moralischer Überlegenheit argumentieren – mit Verachtung erreichen wir niemanden.“ Das Wichtigste sei jetzt „politische Vertrauensarbeit“.

Buchhinweis
Stefan Orth und Volker Resing (Hg.): „AfD, Pegida und Co. – Angriff auf die Religion?“, Herder-Verlag Freiburg, 16,99 Euro, ISBN 978-3-451-27466-4.

Bei der Diskussion wurde auch der Aufsatzband „AfD, Pegida und Co. – Angriff auf die Religion?“ vorgestellt. Zu den Autoren zählen neben Patzelt auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sein Amtsvorgänger Hans Joachim Meyer und der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner.

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