Dokumentation mit über sieben Millionen Aufrufen zeigt Opfer und Täter

Polnischer Film über Missbrauch auf Youtube veröffentlicht

Ein auf Youtube veröffentlichter Dokumentarfilm über sexuellen Missbrauch durch Geistliche hat in Polen große Betroffenheit ausgelöst. Der Dokumentarfilm des bekannten Fernsehjournalisten Tomasz Sekielski zeichnet die Geschichte von Menschen nach, die durch kirchliche Amtsträger missbraucht wurden.

Er zeigt unter anderem Begegnungen der Opfer mit ihren ehemaligen Peinigern. Thematisiert wird auch die Vertuschung und Verschleppung vieler Fälle durch das Episkopat. Der Film trägt den Titel „Tylko nie mów nikomu“ (Deutsch: „Sag es bloß keinem“).

Sieben Millionen Aufrufe auf Youtube

Die Kosten des Films von umgerechnet 105.000 Euro kamen mittels Crowdfunding zusammen. Die zweistündige Doku hatte in den ersten 24 Stunden mehr als drei Millionen Zuschauer; mittlerweile sind es mehr als sieben Millionen Aufrufe. Zu sehen ist der Film mit polnischen und englischen Untertiteln. Deutsche Untertitel kann das Video ebenso anzeigen; diese können Zuschauer unter den Einstellungen auswählen.


Die Dokumentation ist seit dem Wochenende auf Youtube zu finden. | Video: Youtube

Infolge der Aufklärungsbemühungen von Papst Franziskus versucht die katholische Kirche in Polen derzeit offensiver mit dem Thema Missbrauch umzugehen. Im März teilte das polnische Episkopat mit, dass der Kirche von 1990 bis Mitte vergangenen Jahres 382 Missbrauchsfälle gemeldet wurden. 198 Opfer waren zur Tatzeit unter 15 Jahre alt. Für seinen Film konnte Sekielski jedoch kein Interview mit einem Vertreter des Episkopats führen.

Bischöfe und Politiker reagieren auf Dokumentation

„Ich entschuldige mich für jede Wunde, die die Kirche den Menschen geschlagen hat“, erklärte der Primas von Polen, Erzbischof Wojciech Polak, am Samstagabend. Er sei durch den Film „tief berührt“.

Auch die katholische Polnische Bischofskonferenz begrüßte den Film und entschuldigte sich erneut für den Kindesmissbrauch. „Im Namen der ganzen Bischofskonferenz möchte ich mich bei allen geschädigten Personen sehr entschuldigen“, sagte deren Vorsitzender, Erzbischof Stanislaw Gadecki. Er dankte dem Filmemacher für seine Arbeit. „Bewegt und traurig“ habe er sich Sekielskis Dokumentation angeschaut. Der Vorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, kündigte am Sonntag mit Blick auf den Film einen härteren Kampf gegen Pädophilie an.