Bei Gesetz über Ladenöffnungszeiten hat Leiter des Katholischen Büros viel erreicht

Prälat Felix Bernard beeinflusst Politik in Niedersachsen

Landespolitik in Hannover: Nicht überall ist Felix Bernard selbst dabei. Aber der Prälat knüpft die Fäden im Hintergrund. Er leitet das Katholische Büro der niedersächsischen Bischöfe bei der Landesregierung. Dafür muss Bernard viel wissen, viel reden – und manchmal auf Fragen antworten, die keiner gestellt hat. Dinge erklären, die eigentlich bekannt sein müssten. Etwa zum Missbrauchsskandal in der Kirche und zur Präventionsarbeit, die dort verpflichtend ist.

„Politiker interessieren sich für viele Themen, vor allem dann, wenn es einen Skandal gibt“, sagt er und lächelt. „Dass die Vorlage von Führungszeugnissen inzwischen bei uns in der Kirche zum Standard gehört, wissen wenige. Ich habe innerhalb von zehn Jahren dieses Dokument selbst schon zum zweiten Mal vorgelegt.“

Prälat Bernard gibt Antworten im Landtag

Manchmal wird er nach solchen Hintergründen gefragt, dann gibt er gerne Antwort. Manchmal wird er nicht gefragt. „Dann muss ich auch mal selbst eine Gelegenheit suchen und Antworten auf Fragen liefern, die nicht gestellt wurden.“

Das Katholische Büro darf Vertreter in ganz unterschiedliche Gremien schicken. Die Kirche ist vertreten in der Härtefallkommission, wo es zum Beispiel um das Schicksal abgelehnter Asylbewerber geht. Oder in der Kommission zum demografischen Wandel. Oder im Tierschutzbeirat. Oder im Beirat der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten.

Katholisches Büro sucht Kontakt zu Politikern

Als Kirchendiplomat gehört Felix Bernard in der Landespolitik nirgends richtig dazu, er ist immer nur Gast. Während der Sitzungsperioden sitzt er regelmäßig in der Lobby des Landtags, sucht das Gespräch mit den Parlamentariern. Er ist außen vor und doch mittendrin.

Zum Beispiel beim Gesetz über Ladenöffnungszeiten, das der Landtag in Hannover bald beschließen wird. Nach langer Diskussion, an der auch die Kirche beteiligt war – katholische Verbände wie KAB und Kolping, aber auch Prälat Bernard.

Denn gesellschaftliche Gruppierungen werden angehört, bevor ein neues Gesetz geschaffen wird. Ihre Stellungnahmen fließen in die Arbeit der Ausschüsse ein, bevor ein Gesetzentwurf entsteht

Ladenöffnungszeiten waren Streitpunkt in Niedersachsen

Im Gesetz soll gelten, dass an vier Sonntagen im Jahr geöffnet werden darf, wenn es einen Anlass gibt, zum Beispiel einen Jahrmarkt. Manchem Unternehmer ist das zu wenig. Auch den Parteien. Bald hörte Bernard, dass Politiker in CDU und SPD auch einen Adventssonntag ins Spiel brachten. „Das fanden wir natürlich nicht gut“, sagt Bernard. „Uns geht es um den Schutz des Sonntags“. Wie ging er vor?

Der Diplomat schrieb einen Brief mit der Position der Kirche, später informierte er die Öffentlichkeit. Jeder Schritt war gut überlegt, damit niemand sein Gesicht verliert: Pressemeldungen ohne persönliche Information vorher könnten Abgeordnete als Affront empfinden. Im März zogen die Regierungsparteien SPD und CDU den Entwurf zurück; er war auch am Widerstand der Kirche gescheitert.

Bernard will Kompromisse finden

Felix Bernard ist solche Diplomatie wichtig. Er kennt es von Kind an, sich mit anderen Menschen abzustimmen, Kompromisse zu schließen, zu argumentieren, gemeinsam Lösungen zu finden. In seiner Heimatstadt Quakenbrück etwa waren die Protestanten in der Mehrheit, und doch gelang es, ein Krankenhaus zu gründen, das von beiden Konfessionen getragen wird. Bernard war daran nicht selbst beteiligt – aber die Erfahrungen haben ihn geprägt.

Bernard studierte später Theologie und Volkswirtschaft und wurde 1985 wurde in Osnabrück zum Priester geweiht. Später arbeitete er auch als Honorarprofessor an der Uni Osnabrück und freute sich deshalb, als er 1998 zum Leiter des Katholischen Büros ernannt wurde. „Wissenschaft alleine kann einsam machen.“

Seelsorger an der Kleinen Kirche in Osnabrück

Felix Bernard fährt nur zur Arbeit nach Hannover, er lebt weiter in Osnabrück. Hier ist er Seelsorger in einer Personalgemeinde in der Kleinen Kirche neben dem Dom.

„Da nehme ich viel für meine politische Arbeit mit“, sagt er. „In der Politik wird über das Wohl von Menschen entschieden. Da ist es gut, sich mit dem Leben dieser Menschen auszukennen.“