Mitarbeiter der Ehe- und Familienpastoral im Bistum Münster treffen sich

Praxistag zeigt Wege in der Seelsorge für Paare

Die Seelsorge für Paare und Eheleute muss „eigentlich erst“ erfunden werden. Mit provokanten Thesen wie diesen sind etwa 100 Seelsorger aus dem Bistum Münster in den Praxistag für Ehe- und Familienpastoral in Haltern gegangen. „Wir können nicht auf erprobte und schon gar nicht auf richtige Rezepte zurückgreifen“, sagte etwa der Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum, Markus Wonka. Es gehe letztlich nicht um Techniken der Begleitung, sondern „um eine angemessenen Haltung“.

Im gemeinsamen Auftakt-Referat vertiefte Wonka gemeinsam mit dem Leiter der Pastoralberatung im Generalvikariat, Andreas Fritsch, den „Perspektivwechsel“, der dafür notwendig sei. Kontakte zu Betroffenen gebe es bereits viele in der Seelsorge, so Wonka. Allerdings würden sie nicht in ihrer Situation als Paar wahrgenommen, sondern in ihren Funktionen etwa als Eltern oder Katecheten. „Ehepastoral muss deshalb zuerst schauen, wer genau vor mir sitzt.“

„Kirche in der Bringschuld“

Kirche sei da in einer Bringschuld, so Wonka. „Wir müssen den Paaren mit einem größtmöglichen Vertrauensvorschuss begegnen.“ Eine demütige Haltung vor den Lebenswirklichkeiten sei wichtig, um dem Misstrauen gegenüber den Angeboten der Seelsorger zu begegnen. Das bedeute, sich „der Realität der Paare radikal auszusetzen“ und zu zeigen, wie Kirche einen Beitrag leisten könne, „dieses Leben gewinnbringend, sinnvoll und christlich orientiert zu gestalten.“ In einer Zeit intensiver Veränderungen in den Vorstellungen von Partnerschaften könnten Seelsorger so wichtige Begleiter vom „Zustandekommen einer Beziehung bis zu deren Ende sein – in welcher Form auch immer.“

Die Basis für diese neue Auseinandersetzung hat das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ aus dem Jahr 2016 geschaffen. Das war in der Veranstaltung an vielen Punkten herauszuhören. „Seelsorge muss sich an der Vielseitigkeit des Lebens orientieren“, sei darin eine zentrale Aussage, sagte Frank Vormweg, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat. „Individuelle Lösungen“ und „Lebensentscheidungen einzelner Persönlichkeiten“ sollten vor eine generelle Moralisierung treten. Vormweg sah es als „tolles Zeichen, dass so viele Seelsorger aus allen Teilen des Bistums zur Veranstaltung gekommen sind.“

Beziehungen auf der Probe

Der Einstieg in die weitere Auseinandersetzung mit einzelnen Fragen der Partnerschafts-Seelsorge gestaltete die Kabarettistin Lioba Albus humorvoll. In ihrem Programm „Von der Göttin zur Gattin“ traf sie augenzwinkernd die entscheidenden Punkte, an denen Beziehungen auf die Probe gestellt werden – etwa gegenseitige Aufmerksamkeit, Aufgabenverteilung oder Alltagstrott. „Irgendwann schaust du dann auf 30 Jahre Ehe zurück und sagst: Ist doch auch irgendwie rumgegangen.“

Der Tag war von Diözesankomitee der Katholiken, vom Referat für Familienseelsorge im Generalvikariat und von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum gemeinsam organisiert worden. Ziel war es, mit den haupt- und ehrenamtlich Kräften neue Möglichkeiten im Zugehen auf Paare zu diskutieren.