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Geistliche im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Priester in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Pfarrer Schulze Raestrup?

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Sie sind in den Gemeinden für viele nach wie vor das offizielle Gesicht der katholischen Kirche: die Priester. Wie gehen sie mit der Kritik um, die sie persönlich abbekommen? Wie erleben sie ihren Dienst zwischen Frust und Hoffnung? Das hat "Kirche-und-Leben.de" Priester im Bistum Münster gefragt und stellt die Ergebnisse an jedem Tag dieser Woche bis Pfingsten vor. Hier sind die Antworten von Norbert Schulze Raestrup, emeritierter Pfarrer in Münster.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Als Pfarrer emeritus erlebe ich den Kirchenfrust und die Kirchenwut der Gemeindemitglieder weniger direkt. Wenn ich aber an die zahlreichen Initiativen, Gespräche, Verlautbarungen  und auch Dokumente der letzten Jahre denke, die versucht haben in der Kirche Reform-Bewegung zu wecken – aber leider alle abgelehnt oder unbeantwortet von Rom blieben, dann kann ich die Kirchenwut vieler Gläubigen verstehen. Ich selbst leide mit an dem Reform-Stau unserer Kirche nach der so hoffnungsvollen Zeit nach dem 2. Vatikanum. So hoffe ich jetzt auf den „Synodalen Prozess“.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Priester zu sein?

Im Gespräch:
Norbert Schulze Raestrup (78) ist emeritierter Pfarrer in St. Liudger Münster. 1971 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: privat
Norbert Schulze Raestrup (78) ist emeritierter Pfarrer in St. Liudger Münster. 1971 wurde er zum Priester geweiht. | Foto: privat

Nach dem Missbrauchs-Skandal kann ich verstehen, dass in der Öffentlichkeit das Priesterbild massiven Schaden genommen hat und die Frage der Berufung von vielen Jugendlichen wenig in den Blick genommen wird. Dennoch freue ich immer wieder, dass viele Menschen sich vertrauensvoll mit Fragen und Bitten an uns Priester wenden.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Als ich 1965 mit dem Studium in Münster anfing, hat der damalige Professor Bernard Kötting - gebürtig aus Stadtlohn – einen prägnanten Satz gesagt, der mir in Erinnerung geblieben ist. Der Satz lautete: Jetzt macht es wieder Spass in der Kirche zu arbeiten! Ja, es war damals die Zeit des Aufbruchs. Denken wir an das Konzil in Rom und an die Liturgie-Reform mit der Erneuerung der Hl. Messe, eine neue Perspektive im Selbstverständnis der Kirche und eine geänderte Haltung im Hinblick auf andere Religionen und die Wechselwirkungen mit anderen Kräften unserer Gesellschaft. In den Gemeinden gab es neue Gremien - das Pfarrkomitee – den späteren Pfarrgemeinderat. Heute alles Selbstverständlichkeiten. Es sollten – so dachten viele, neue Zeiten anbrechen.

Mit vielen und großen Hoffnungen habe ich 1971 als Kaplan den Dienst in Recklinghausen, später als Religionslehrer an der Adolf-Kolping-Berufsschule in Münster, als Sonderschulreferent im Generalvikariat, als Pfarrer in St. Antonius in Gronau und als Gehörlosenseelsorger für das Bistum Münster immer wieder begonnen – dabei Enttäuschungen und Resignation – aber viel mehr positive Begegnungen erlebt und gute Erfahrungen gemacht.

Es ist nicht zu leugnen, dass es heute eine große Resignation in der Kirche und unter den Gläubigen gibt. Immer weniger Gottesdienstbesucher, weniger Taufen, kleiner werdende Gemeinden und in den Gemeinden immer weniger Vereine oder auch Gruppen. Ja, die Kirche ist in der Krise. Es stirbt vieles.

In solchen Zeiten freilich ist die Gefahr besonders groß, dass sich Kirche und auch die Christen wie jene verhalten, die keine Hoffnung haben. Es gibt aber hoffnungsvolle Aufbrüche in verschiedenen Gemeinschaften (u.a. Maria 2.0), den charismatischen und ökumenischen Bewegungen, im geschwisterlichen Miteinander der verschiedenen Gruppen in den Gemeinden.

Ja, in den Gemeinden sehe und erlebe ich viele, die mitdenken und mitarbeiten in den Gremien, den Vereinen und Gruppen, als Katechetinnen und Katecheten in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, im sozialen Einsatz – hoffnungsvolle Aufbrüche.

Ich schließe: Es hat immer Spaß gemacht in und für die Kirche zu arbeiten – an allen Stellen.  Die Hoffnung auf Veränderung und Aufbrüche bleibt. Das lese ich immer wieder in der Heiligen Schrift und kann ich in der Kirchengeschichte sehen. „Ecclesia semper reformanda“ - die Kirche muss sich immer erneuern und wird sich erneuern – mit Gottes Heiligem Geist.

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