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Aufteilung der Gemeinde in zwei Gruppen sei unsolidarisch

Propst Rensing: Keine Bevorteilung Geimpfter bei Gottesdiensten

  • Für den Borkener Propst Christoph Rensing ist der Gedanke, gegen Covid-19 Geimpften andere Gottesdienstbesuche zu ermöglichen, der falsche Gedanke.
  • Es gehe in der jetzigen Situation um Solidarität, um „gemeinsames Durchhalten“.
  • Die Kirche sollte mit dem Privileg, Gottesdienst feiern zu dürfen, verantwortungsvoll umgehen.
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Gegen Covid-19 Geimpfte sollten in den Augen von Propst Christoph Rensing aus Borken keine Vorteile bei Gottesdienstbesuchen haben. „Das ist gegen den Gedanken der Gottesdienstgemeinschaft“, sagte er im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Mit der Idee einer Aufteilung seiner Gemeinde in Geimpfte und Ungeimpfte kann er „überhaupt nichts anfangen“.

„Es ist eine Frage der Solidarität“, sagte Rensing. „Auch weil es noch lange dauern wird, bis jeder die Möglichkeit auf eine Impfung hat.“ Jetzt zu unterscheiden, würde dazu führen, dass die einen, die „ohnehin schon den Vorteil haben geschützt zu sein, ein zusätzliches Bonbon erhalten würden“. Die anderen aber müssten „weiter leiden“. Das könne zu einer „Neid-Debatte“ führen, die er als „absurd“ bezeichnete. Es gehe jetzt um Solidarität, um „ein gemeinsames Durchstehen“ der Situation.

Sehnsucht nach Normalität ist da

Die Sehnsucht nach normalen Gemeindegottesdiensten ohne große Einschränkungen nimmt er in seiner Propsteigemeinde St. Remigius durchaus wahr. Dort können derzeit nur etwa 25 Prozent der sonstigen Teilnehmer in die Kirchenbänke kommen. „Es wäre aber falsch, nur einen Teil von ihnen mit dieser Sehnsucht zurückzulassen.“ Mit Eucharistiefeiern im großen Rahmen mit Gesang und ohne Abstands- und Hygieneregeln allein für die Gruppe der Geimpften kann er deshalb nichts anfangen.

Ausnahmemöglichkeiten sieht er lediglich bei Gottesdiensten in Altenpflege-Einrichtungen. „Wenn dort die Bewohner, die Pflegekräfte und die Seelsorger geimpft sind, könnten Feiern in normaler Form vielleicht wieder möglich werden.“ Rensing formuliert das mit großer Vorsicht, „weil die rechtliche Seite da noch nicht geklärt ist“. Außerdem müssten die Entwicklungen und die gesamtgesellschaftliche Diskussion der kommenden Monate im Blick behalten werden.

Keine Kritik an Entscheidungen anderer

Die Kirche haben in Rensings Augen das Glück, „überhaupt noch Gottesdienste feiern zu können“. Viele andere gesellschaftliche Gruppen würden sich über ähnliche Möglichkeiten freuen, sagte er. „Mit diesem Privileg müssen wir verantwortungsvoll umgehen.“ In seiner Zurückhaltung gegenüber Vergünstigungen für Geimpfte will er deshalb auch keine Kritik gegenüber gesellschaftlichen Akteuren formulieren, die das Thema derzeit anders sehen. „Es gibt viele Bereiche, etwa die Reisebranche, da ist der Druck viel größer, auch finanziell.“

Rensings Propsteigemeinde in Borken hat 16.500 Mitglieder. Derzeit werden an den Wochenenden acht Gottesdienste angeboten. In Zeiten ohne Corona sind es zwölf. Anmeldungen dazu sind im Augenblick nicht notwendig, da die Teilnehmer die Anzahl nicht überschreiten, die für das Abstands- und Hygiene-Konzept als Obergrenze gelten.

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