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Peter Mettler, seit 2020 Diözesanrichter in Münster, schreibt von mächtigen schwulen Subkulturen in der Kirche. Auch sein Orden äußert sich nun.
Queerfeindliche Texte hat ein Diözesanrichter am Offizialat in Münster auf der Internetseite eines ultrakonservativen Priesterkreises veröffentlicht. Peter Mettler wurde 2020 zum Kirchenrichter in Münster berufen, er ist Ordenspater der „Missionare von der Heiligen Familie“.
Die Seite des Kreises „Communio veritatis“ wird von Frank Unterhalt verantwortet, früher Pfarrer in Brilon. 2022 wurde er vom Erzbistum Paderborn suspendiert, da er auf der Seite Verschwörungsideologien verbreitete, fundamentalistische Ansichten vertrat und homophobe Beiträge veröffentlichte. Obwohl Unterhalt seither nicht mehr als Seelsorger arbeiten darf, betreibt er die Internetseite weiter.
Zudem erschien ein nicht minder queerfeindlicher Text von Peter Mettler unter dem Titel "Notwendiger Widerstand" bereits 2022 auf der Seite "neueranfang.online".
Bistum: Im Widerspruch zu unserer Haltung
Über Mettlers Beiträge hatte zuerst die „Westfalenpost“ berichtet. Nun zieht das Bistum Münster Konsequenzen: Offizial Pater Rainer Autsch, heutiger Leiter des Kirchengerichts, werde Mettler „nicht mehr als Diözesanrichter einsetzen“, bestätigt Bistumssprecher Stephan Kronenburg auf Kirche+Leben-Anfrage.
Mettlers Texte gäben „seine rein privaten Ansichten wieder“. Sie „widersprechen inhaltlich und auch vom Sprachduktus her in vielen Fällen und fundamental den Auffassungen der Leitung des Bistums Münster“, betont Kronenburg. Sie widersprächen zudem der Haltung, die im Bistum zu Geschlechtervielfalt gelebt werde. Der Sprecher verweist auch auf Aussagen des früheren Bischofs Felix Genn dazu, denen sich Diözesan-Administrator Antonius Hamers „uneingeschränkt“ anschließe.
Mettler seit 2020 am Offizialat
Mettler werde nicht mehr als Richter eingesetzt, so Kronenburg. Einen Seelsorge-Auftrag im Bistum Münster habe der Geistliche bisher nicht gehabt, er werde auch keinen erhalten.
Nach Angaben des Bistumssprechers müssen Diözesanrichter über ein Lizentiat in Kirchenrecht verfügen: „Die Berufung erfolgt durch den Bischof auf Vorschlag des Offizials. Ein förmliches Auswahl- oder Bewerbungsverfahren gibt es in der Regel nicht.“ Als Mettler 2020 ans Offizialat Münster berufen wurde, war Kurt Schulte dessen Leiter. Als Schulte 2022 auf eigenen Wunsch von Bischof Genn von diesem Amt entpflichtet wurde, trat Rainer Autsch seine Nachfolge an.
Das sagt das Bistum Essen
Der jetzt sanktionierte Richter Mettler sei von 2010 bis 2019 Offizial des interdiözesanen Offizialats in Belo Horizonte in Brasilien gewesen: „Im Anschluss kam er nach Münster“, so Kronenburg. Das Offizialat Münster ist zuständig für die Bistümer Münster und Essen. Eine wesentliche Aufgabe sind Urteile über Gültigkeit und Nichtigkeit katholisch geschlossener Ehen.
Das Bistum Essen begrüßt die Entscheidung von Offizial Autsch, Mettler nicht mehr als Diözesanrichter einsetzen zu wollen. Dessen Ausführungen stünden „in vielfacher Hinsicht der Haltung der Essener Bistumsleitung ganz grundsätzlich entgegen“, sagt der Essener Bistumssprecher Jens Albers der „Westfalenpost“.
Das schrieb Mettler
Im Beitrag „Vom notwendigen Widerstand. Warum die Kirche der Ideologie von LGBTIQ+ entgegenstehen muss“ schreibt Mettler unter anderem, die heutige gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität gehe auf Marketing und Lobbying der „Internationalen Gay- und Lesbianbewegung“ zurück: „Aus einem Strafbestand wurde ein Bestandteil der Menschenwürde.“
Das ist nach Mettlers Worten erreicht worden durch Manipulation und Bedrohung Andersdenkender, das Verfälschen von Sprache und das Verschweigen von Zahlen. Vor allem würden – behauptet Mettler – Folgen eines homosexuellen Lebensstils verschwiegen; er nennt körperliche Erkrankungen, ein „substantiell höheres Risiko“ für Depressionen und Angstneurosen sowie eine höhere „Selbstmordneigung“.
Das sagt das Erzbistum Paderborn
Auch die Kirche hält der Pater für einen Teil der Manipulation. Heterosexuelle und „glaubenstreue“ Priesterseminaristen würden diskriminiert. Er spricht von „schwulen Subkulturen“ und unterstellt der Kirche die aktive Förderung, gar „Bevorzugung homosexueller Kandidaten“.
Der Sprecher des Erzbistums Paderborn, Thomas Throenle, sagt der „Westfalenpost“, Paderborn habe den Betreiber der fraglichen Internetseite, Frank Unterhalt, „mehrmals aufgefordert, diese mediale Tätigkeit einzustellen“. Unter anderem weil er der Aufforderung nicht nachkam, sei er suspendiert worden. Dagegen gehe Unterhalt beim Vatikan vor, die Verfahren liefen noch.
Das sagt der Orden
Die „Missionare von der Heiligen Familie“ äußerten sich am Morgen auf Anfrage von Kirche+Leben. Der Delegat der Gemeinschaft in Deutschland, Pater Michael Baumbach aus Münster, schreibt: "Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Veröffentlichungen von P. Dr. Peter Mettler." Der Orden habe die Artikel mit Bedauern zur Kenntnis genommen - "auch deshalb, weil viele seiner Aussagen Betroffene verletzen und bisweilen beleidigend oder herabwürdigend wirken".
Gleichwohl habe man keinen direkten Einfluss "auf die privaten Veröffentlichungen von P. Mettler". Der zuständige Obere habe jedoch im Auftrag der Gemeinschaft "nach jedem seiner Beiträge" um Rücknahme der Artikel gebeten und zu Mäßigung ermahnt. Auch habe es wiederholt Gespräche mit ihm gegeben. Offenbar ohne Erfolg: "P. Mettler ist jedoch von der Rechtgläubigkeit seiner Positionen überzeugt und verweist auf eine mögliche Prüfung seiner Ansichten durch den Heiligen Stuhl", heißt es in der Stellungnahme.
Orden: Verschattung queersensibler Seelsorge
Seitens des Ordens sei Pater Mettler daher nicht mit seelsorglichen Aufgaben betraut worden. Auch sei er ohne Rücksprache mit dem Orden durch das Bistum Münster zum Diözesanrichter bestellt worden.
Weil keine rechtliche Handhabe bestand, habe der Orden nicht verbindlicher einschreiten können, um so Verletzungen Betroffener sowie "eine Verschattung der Bemühungen queersensibler Pastoral zu verhindern", so Pater Baumbach, der vor rund 25 Jahren einer der Begründer der Queergemeinde in Münster war. Er betont, sein Orden verstehe Vielfalt als wichtigen Teil seiner Sendung: "Jede Form der Diskriminierung widerspricht unserem Selbstverständnis und unserem Auftrag in Kirche und Welt."
Eine Kontaktaufnahme zu Pater Mettler war bereits der „Westfalenpost“ nicht möglich, die dies auch über das Offizialat in Münster versucht hatte.