Verantwortliche aus ganz Deutschland tagen ab Mittwoch in Münster

Quereinsteiger für die Krankenhausseelsorge gesucht

Von Mittwoch bis Freitag, 27. bis 29. November, tagt die Bundeskonferenz der Diözesanbeauftragten für die katholische Krankenhausseelsorge in Münster. Leo Wittenbecher (49) aus Münster ist seit einem Jahr deren Vorsitzender. Er ist Referent für den Bereich der Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger im Generalvikariat des Bistums und geschäftsführender Pfarrer an den Uni-Kliniken in Münster.

Herr Pfarrer Wittenbecher, wer trifft sich bei der Konferenz?

Es kommen gut 50 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland, meistens zwei aus jeder Diözese. Den anderen Platz für das Bistum Münster besetzt Stefan Honsel aus dem Offizialatsbezirk Oldenburg.

Worüber werden Sie sprechen?

Wir überlegen, wie es gelingen kann, die hohe Qualität der Krankenhausseelsorge langfristig zu sichern. Es wird künftig weniger Seelsorgerinnen und Seelsorger geben, weil immer weniger Menschen Theologie oder Religionspädagogik studieren und Pastoralreferenten oder Priester werden. Deshalb gehen wir verstärkt auf Menschen zu, die in anderen Berufen im Gesundheitswesen tätig sind, zum Beispiel Pflegekräfte. Sie können sich zu Krankenhaus-Pastoralreferenten weiterbilden lassen.

Wie geht das?

Berufsbegleitend, das dauert in der Regel fünf Jahre. Die angehenden Pastoralreferenten absolvieren den Würzburger Theologie-Fernkurs, hinzu kommen eine pastoralpsychologische Ausbildung und eine Fachqualifikation für die Krankenhauspastoral. Mit diesem Weg haben wir im Bistum Münster bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wer spricht die möglichen neuen Seelsorger an?

Meistens Arbeitskollegen in den Krankenhäusern, oft auch die Krankenhausseelsorger. Wer sich für die Ausbildung interessiert, kann sich im Generalvikariat melden.

Was macht die Arbeit von Krankenhausseelsorgern aus?

Sie sind in drei Bereichen tätig. Erstens für Patientinnen und Patienten und deren Angehörige, zweitens für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, drittens im „System Krankenhaus“. Seelsorger sind daran beteiligt, Leitbild und Ethik der Einrichtung zu entwickeln. Auch bei ethischen Fallbesprechungen in Grenzsituationen bei der Behandlung von Patienten wirken sie maßgeblich mit.

Was müssen die Seelsorger können?

Pfarrer Leo Wittenbecher. | Foto: Christof Haverkamp
Pfarrer Leo Wittenbecher leitet die Bundeskonferenz der Diözesanverantwortlichen für die Krankenhausseelsorge. | Foto: Christof Haverkamp

Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger sollten eine gute Kompetenz darin haben, Gespräche zu führen. Dazu sollten sie gut in einer eigenen Spiritualität und ihrem Glauben verankert sein. Sie müssen sich auf ungewöhnliche Arbeitszeiten einrichten. Das Leben passiert 24 Stunden am Tag, nicht nur zu Bürozeiten. Es braucht also Belastbarkeit. Mit jedem Anruf beginnt etwas Neues. Vielleicht waren die Seelsorger eben noch bei der Mutter eines Neugeborenen, danach werden sie auf die Palliativstation gerufen oder zu einem Unfallopfer. Für Fallbesprechungen im Therapie-Team gemeinsam mit Ärzten und Pflegern braucht es medizinethische Kompetenz. Die Seelsorger müssen auch bereit sein, sich auf ein säkulares, kirchenfernes Umfeld einzulassen, denn das ist ein Krankenhaus. Zudem gilt es auszuhalten, dass es nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt – auch nicht für Glaubende. Vor allem nicht auf die Warum-Frage im Zusammenhang mit Krankheit.

Im Krankenhaus kommen alle Weltanschauungen zusammen: Katholiken, Protestanten, Muslime, andere Religionen, Agnostiker, Religionslose, Atheisten. Kann ein Seelsorger da überhaupt für den katholischen Glauben werben?

Durchaus. Auch Jesus hat mitten in der Welt als Mensch gelebt und vor allem durch seine Taten überzeugt. Die Krankenhausseelsorge ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Kirche nicht in die Sakristei zurückzieht und das auch nicht darf. Wir erreichen heute vielleicht noch jeden zehnten Katholiken mit Gottesdiensten. Ins Krankenhaus aber müssen – zumindest potenziell – alle Menschen, nicht nur alle Katholiken. Im Kontakt mit ihnen bringen unsere Seelsorger die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes zum Ausdruck. Da passt ein Satz des heiligen Franz von Assisi. Er hat gesagt: „Geh und verkünde, wenn nötig auch mit Worten.“

Die Verantwortlichen suchen, wie beschrieben, auch nach „Quereinsteigern“ als Krankenhausseelsorger. Befürchten Sie, dass die Bistümer ihre verbleibenden Priester, Diakone und Pastoralreferenten ausschließlich in den Pfarreien einsetzen?

Nein. Ich fände es auch falsch, Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Personalmangel aus dem Krankenhaus abzuziehen. Wenn Kirche da sein will, wo sich Leben abspielt, muss sie in Krankenhäusern präsent sein. Auch sie sind Orte, wo eine Gemeinschaft von Menschen zusammen Gemeinde lebt. Hinzu kommt: Krankenhäuser sind für viele eher kirchenferne Menschen oft die einzigen Orte, wo sie überhaupt noch Kontakt zu Priestern und anderen Seelsorgern haben.

Welche Rolle haben Ehrenamtliche in der Krankenhausseelsorge?

Es gibt ehrenamtliche seelsorgliche Begleiter, zum Beispiel Menschen, die an einem Nachmittag pro Woche Patientinnen und Patienten besuchen. Sie leisten einen sehr wertvollen Dienst, weil sie Patientinnen, Patienten und Angehörigen aus ihrer Lebenserfahrung und Alltagsspiritualität heraus beistehen. Ehrenamtliche sollen und können aber natürlich kein Ersatz sein für Hauptamtliche in der Krankenhausseelsorge. Darauf legen wir im Bistum Münster großen Wert. Es braucht hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger, die umfassend ausgebildet sind. Denken Sie nur an Grenzfragen des Lebens und schwer lösbare ethische Konflikte. Auch gehören die Seelsorgenden zum Behandlungsteam der Klinik. Das könnte kein Ehrenamtlicher leisten.

Warum sind Sie Krankenhausseelsorger?

Nach der Promotion in theologischer Ethik wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, in der Krankenhausseelsorge tätig zu werden. Nach der erforderlichen Zusatzqualifikation bin ich Krankenhauspfarrer geworden, zunächst in Trier, dann im St.-Rochus-Hospital in Telgte, heute an den Uni-Kliniken in Münster. Es ist gut, diese Praxiserfahrung zu haben neben meinen Aufgaben im Generalvikariat. Die Krankenhausseelsorge fordert heraus und strengt an. Es ist aber auch sehr bereichernd, Menschen in existenziellen Lebenssituationen zu unterstützen. Krankenhausseelsorge erfüllt auch den Wunsch von Papst Franziskus, die Kirche solle „an die Ränder gehen“. Hier haben wir die Möglichkeit, der Botschaft Jesu ein Gesicht zu geben.

Im Bistum Münster gibt es nach Zahlen des Generalvikariats 127 Krankenhausseelsorger, davon zwölf im Oldenburger Land. Im Einsatz sind 16 Priester, elf Diakone im Hauptberuf (davon einer im Oldenburger Land), 76 Pastoralreferentinnen und -referenten (davon neun im Oldenburger Land), 21 Krankenhaus-Pastoralreferentinnen und -referenten (davon zwei im Oldenburger Land) und drei Pastoralassistenten, also Pastoralreferenten in Ausbildung.