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Hat der Kardinal 2015 einen Verdachtsfall nicht gemeldet? Warum auch der örtliche Katholikenausschuss mit Unverständnis reagiert.
Der scheidende Vorstandsvorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, Gregor Stiels, hat dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nach neuen Anschuldigungen zum Umgang mit einem Missbrauchsverdachtsfall mangelnde Selbstkritik vorgeworfen. „Der Verdacht ist wieder da, dass der Kardinal beim Thema Missbrauchsskandal nicht ehrlich ist, dass er nicht selbstkritisch genug mit sich ist und immer wieder Ausreden vorschiebt“, sagte Stiels dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Hintergrund ist der Anfang Mai veröffentlichte zweite Zwischenbericht der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) für das Erzbistum Köln. Darin lastet das Gremium Woelki an, 2015 einen Verdachtsfall weder der Staatsanwaltschaft noch der damaligen Glaubenskongregation gemeldet zu haben, obwohl er kirchenrechtlich dazu verpflichtet war. Das Erzbistum bestreitet die Vorwürfe.
Stiels kritisierte insbesondere Woelkis Umgang mit den neuen Anschuldigungen. „Es passt ins Bild, dass der Kardinal die neuen Vorwürfe jetzt wieder weit von sich weist“, sagte er. Woelki müsse „noch einmal ernsthaft für sich selbst prüfen, ob er alles richtig gemacht hat“.
Große Fallhöhe
Neben juristischen Fragen gehe es auch um die moralische Verantwortung der Kirche. „Tatsächlich haben wir als Kirche da eine sehr große Fallhöhe und müssten bei diesem Thema viel genauer und viel besser sein als alle anderen Institutionen“, sagte Stiels. „Aber das waren wir nicht, und das war auch dieser Kardinal nicht.“
Der Vorstandsvorsitzende des Katholikenausschusses warf der Bistumsleitung zudem vor, nicht ausreichend transparent mit Altfällen umzugehen. „Wenn der Erzbischof einräumen würde, dass er in seinen ersten Amtsjahren hier Fehler gemacht hat, würde das bei den Gläubigen wieder mehr Vertrauen schaffen. Aber das hat der Kardinal bisher nicht geschafft“, sagte Stiels. Er stand seit 2018 an der Spitze der Kölner Katholiken. Bei der bevorstehenden Wahl am 22. Juni tritt Stiels aus persönlichen Gründen nicht mehr an.