50 Jahre Ständige Diakone

Ralf König – Der Seelsorger an der Fleischtheke

Als am 28. April 1968 die weltweit ersten fünf verheirateten Männer im Kölner Dom zu Diakonen geweiht wurden, war das für viele Katholiken zunächst gewöhnungsbedürftig. Heute sind Ständige Diakone in vielen Pfarreien nicht mehr wegzudenken.

So ist es auch bei Ralf König aus Lippetal-Lippborg. Der 47-Jährige ist seit 2009 als Ständiger Diakon unterwegs. Zunächst in seiner Heimat, der Gemeinde St. Ida in Herzfeld und Lippborg, und seit ein paar Jahren auch in Jesus Christus Lippetal im Erzbistum Paderborn, als die beiden Pfarrgemeinden sich verbunden haben.

Ein handfester Beruf

2006 begann Ralf König seine Ausbildung zum Diakon. Mit einer persönlichen Krise nach seiner Firmen-Insolvenz hatte er zuvor viel zu kämpfen, er fand aber eine Arbeitsstelle in Oelde als Fleischermeister.

Ein Fleischer als Diakon? Auch das verwundert viele Leute, wenn sie Ralf König begegnen: „Die meisten reagieren amüsiert und interessiert, weil sie jemandem mit einem so handfesten Beruf vielleicht nicht zutrauen, Diakon zu sein.“

Messdiener, Lektor und im Pfarrgemeinderat

Kurz vor Antritt seiner neuen Arbeitsstelle startete er also auch die Ausbildung zum Ständigen Diakon. Von Seiten seiner Mitarbeiter erlebte er großes Wohlwollen: „Wenn ich am Wochenende dann mal ausgefallen bin, weil ich für Seminare nach Münster musste, konnten wir das immer gut klären.“ 2016 segnete er sogar ein neues Firmengebäude seines Arbeitgebers.

Die Kirche begleitete König schon früh: „Ich habe die klassischen kirchlichen Stationen durchlaufen: Ich war Messdiener, habe die Kirchenzeitung ausgetragen, war Lektor und im Pfarrgemeinderat.“

Frage aus heiterem Himmel

Als Jugendlicher spielte er das ein oder andere Mal mit der Idee, Priester zu werden: „Das war aber nie ein ernster Gedanke; ich fühle mich nicht als verkappter oder gescheiterter Priester.“

Eine Ordensschwester aus seiner Gemeinde fragte ihn vor vielen Jahren, warum er eigentlich nicht Diakon geworden sei: „Das kam aus heiterem Himmel! Und trotzdem hat mich der Gedanke danach nicht mehr losgelassen.“

Beistand der Familie

Seine Frau hat ihn in diesem Gedanken von Anfang an bestärkt. Ob er auch Diakon geworden wäre, wenn seine Familie nicht hinter ihm gestanden hätte? „Nee! Ich glaube, dann hätte ich auf dem Weg aufgehört“, antwortet der 47-Jährige.

Etwa 3.300 Ständige Diakone gibt es in Deutschland, davon 220 aktive im Bistum Münster.

Und auch für seine zwei Töchter sei es nie komisch gewesen, dass ihr Vater manchmal ein Gewand trägt: „Meine Töchter sind  beide Messdienerinnen. Manchmal darf ich mir bis heute noch intensive Predigt-Kritik von ihnen anhören“, erzählt der Fleischermeister lachend.

„Kirche ist geistgeführt“

„Am Anfang war ich vor allem ein ‚Mädchen für alles‘“, erinnert sich König an die erste Zeit nach seiner Weihe. Mittlerweile kann er aber von sich sagen, dass er als Diakon angekommen ist. Er ist in ganz Lippetal für die Caritas zuständig, sei es in der Praxis, der Organisation oder der geistlichen Begleitung.

Ein wohl passender Verband für den 47-Jährigen: „So klischeehaft es klingt, mir selbst ist es wichtig, der Liebe Gottes Hände zu verleihen. Egal, ob einer Christ oder Nicht-Christ ist: Man muss den Menschen in seiner Notlage sehen und nicht mit Missionars-Anspruch, sondern aus Menschlichkeit für ihn da sein.“ König ist großer Fan von Papst Franziskus: „Dass genau er in diesen Jahren Papst geworden ist, zeigt einfach, dass die Kirche geistgeführt ist.“

Seelsorge an der Fleischtheke

Manchmal leistet Ralf König sogar über die Fleischtheke hinweg seelsorgerischen Beistand: Einer älteren Frau machte er Mut, als sie mit der Pflege ihres demenzkranken Mannes überfordert war. Er gab ihr in dieser schwierigen Zeit viele Ratschläge. Später beerdigte er ihren Mann und einige Jahre danach auch die Frau.