Wertvolles Kreuz ist weiterhin verschwunden

Raub des Borghorster Stiftskreuzes: Drei Männer verurteilt

Das Landgericht Münster hat drei aus Bremen stammende Männer wegen des Raubes des Borghorster Stiftskreuzes verurteilt. Die 9. Große Strafkammer sah die Schuld der Männer als erwiesen an; sie erhielten am Dienstag (13.10.2015) Freiheitsstrafen von vier Jahren und sechs Monaten beziehungsweise fünf Jahren. Das Kreuz ist weiterhin verschwunden.

Das kostbar verzierte, historisch wertvolle Stiftskreuz aus dem elften Jahrhundert war am 29. Oktober 2013 aus der St.-Nikomedes-Kirche in Steinfurt-Borghorst gestohlen worden. Es gilt als herausragendes Zeugnis sakraler Kunst der Salierzeit und enthält in einem Bergkristallfläschchen 17 Reliquien.

Urteil stützt sich auf Indizien: Angeklagte schwiegen

Das Urteil wurde aufgrund von Indizien gefällt, die Angeklagten hatten im Prozess geschwiegen. Das Gericht stützte sich vor allem auf Zeugenaussagen und die Auswertung von Video-Aufnahmen durch Experten.

Bei dem Raub waren drei Männer mit einem Mercedes-Kombi mit Bremer Kennzeichen beobachtet worden. Zeugen erkannten sie später auf Überwachungsvideos einer Tankstelle wieder. Das Gericht stellte in der Urteilsbegründung fest, auf den Aufnahmen seien jeweils dieselben Männer zu sehen – und diese seien identisch mit den in Zug des Raubes beobachteten Personen.

Höhere Strafen als beantragt

Die Staatsanwaltschaft hatte Strafen von drei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise vier Jahren gefordert. Das Gericht hielt die Anträge wegen des „enorm hohen Wertes“ des Diebesgutes für zu niedrig. Das Kreuz sei zwar praktisch unverkäuflich, wegen des Versicherungswerts werde es aber auf mehrere Millionen Euro taxiert. Zudem sei das Kreuz ein „einzigartiger Gegenstand“, der religiös verehrt werde.

Die Männer, die keine deutschen Staatsbürger sind, nahmen das Urteil ruhig entgegen. Sie müssen wegen der hohen Strafen mit ihrer Ausweisung rechnen. Der inzwischen emeritierte Borghorster Pfarrer Heinrich Wernsmann äußerte die Hoffnung, das Kreuz möge wieder auftauchen. Es gebe nach wie vor viele Christen, die dafür beteten.