„Wir sind Kirche“ vertraut auf „göttliche Geistkraft“

Reformgruppe will ökumenische Mahlgemeinschaft praktizieren

Die Gruppe „Wir sind Kirche“ will ungeachtet vorbehaltlicher offizieller Kirchenpositionen ökumenische Mahlgemeinschaft im Gottesdienst praktizieren. „Das Mahl schenkt uns die Einheit, nicht die Einheit uns das Mahl“, heißt es in einer am Samstagabend von der Bundesversammlung in Ulm einstimmig beschlossenen Erklärung. In wechselseitiger Gastfreundschaft gelte es, das „Gemeinsame zu feiern“, Verschiedenheiten zwischen den Konfessionen mutig zu bejahen und vermeintlich Fremdes kennenzulernen.

„Beginnen wir als Kirchenvolk im Vertrauen auf das Wirken der göttlichen Geistkraft mit der Einübung dessen, was die Kirchenleitungen noch nicht offiziell zu leisten in der Lage und willens sind“, heißt es in der Erklärung. Mit ihr will die Gruppe Antwort geben auf die Frage, „was nach dem Ende des 500. Gedenkjahres der Reformation zu tun bleibt“.

Ökumene bleibt Daueraufgabe

„Wir sind Kirche“ bezeichnet Reformation und Ökumene als Daueraufgaben. Angesichts eines zunehmend säkularer werdenden Europas und weltweiter Not müssten die christlichen Kirchen rasch zu einer „versöhnten Einheit“ finden. Nur so könnten sie „ein lebendiges Beispiel für den Frieden in der Welt und einer geeinten Menschheit“ werden. Deutschland habe dabei als „Kernland der Reformation“ eine besondere Verantwortung. Auf „Lehrstreitigkeiten, die längst nicht mehr die Fragen der Menschen von heute berühren“, sollte man sich nicht mehr einlassen, meint die Gruppe.

Mahlgemeinschaft katholisch verboten

Die Mahlgemeinschaft, bei der katholische und protestantische Christen gemeinsam die Kommunion beziehungsweise das Abendmahl empfangen, ist nach katholischer Lehre nicht möglich. Gründe sind unterschiedliche theologische Auffassungen etwa darüber, ob Gott in der geweihten Hostie real gegenwärtig ist – so die katholische Position. Darum können Protestanten nicht die (katholische) Kommunion empfangen, umgekehrt ist Katholiken der Empfang des evangelischen Abendmahls verboten. Außerdem verstehen die Konfessionen das Amt des Priesters beziehungsweise Pastors unterschiedlich, die daher auch verschiedene Bedeutungen bei der Feier von Eucharistie oder Abendmahl haben.