Auch Kirchenvorstand entscheidet einmütig

Reinhard-Lettmann-Haus in Datteln wird umbenannt

Das Reinhard-Lettmann-Haus in Datteln bekommt einen neuen Namen. Das hat der Kirchenvorstand einmütig beschlossen, der für die Gebäudeverwaltung zuständig ist. Er folgte dem einstimmigen Votum des Pfarreirats als dem pastoralen Leitungsgremium.

Grund der Umbenennung ist die Rolle des 2013 verstorbenen ehemaligen Bischofs von Münster im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch. Ende 2018 war bekannt geworden, dass Lettmann Anfang der 1970er Jahre als damaliger Generalvikar den Priester Heinz Pottbäcker innerhalb des Bistums mehrfach versetzt hatte. Pottbäcker war seinerzeit bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden, an mindestens einem Einsatzort wurde er erneut übergriffig.

Opfer lobt offene Diskussion

Pfarrverwalter Bernhard Frankemölle als Vorsitzender des Kirchenvorstands zeigte sich im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“ am Freitag „zufrieden mit dem Ergebnis und mit der Art und Weise, wie wir in der Pfarrei zu der Entscheidung gekommen sind“. Frankemölle lobte das „entschleunigte“ Verfahren.

Der Priester, der seit dem Tod von Pfarrer Ludger Schneider St. Amandus übergangsweise leitet, berichtete, er habe eine E-Mail eines Missbrauchsopfers von Kaplan Pottbäcker erhalten. Der Mann habe sich für die Entscheidung bedankt und für die offene Diskussion, unter anderem bei einer öffentlichen Sitzung des Pfarreirats am Dienstag. Frankemölle betonte, es sei den Handelnden in St. Amandus weiterhin wichtig, „die Opfer im Blick zu behalten“.

Was in der Pfarrei zu tun bleibt

Bis zur endgültigen Entscheidung über einen neuen Namen trägt das Haus an der Dattelner Pfarrkirche ab sofort die Bezeichnung „Pfarrheim St. Amandus“, analog zu weiteren Pfarrheimen der Großgemeinde. Der Lettmann-Schriftzug solle kurzfristig entfernt werden.

Aufgabe in der Pfarrei bleibe gleichwohl, angemessen an den aus Datteln stammenden früheren Bischof zu erinnern. Es werde Reinhard Lettmann „sicherlich nicht gerecht“, ihn auf sein Handeln bei Missbrauchsfällen zu reduzieren, sagte Frankemölle. Unter anderem sei zu klären, was mit den Lettmann-Bildern im Pfarrheim geschehe. Der Pfarrer sagte, denkbar sei eine Schrifttafel, die Lebensdaten nenne, historisches Geschehen darstelle und einordne.