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Wie Thomas Hatwig mit den Jugendlichen einen Deal schloss

Rekener Clique lässt Party-Bauwagen von Pfarrer segnen

Wie können Gemeinden Jugendliche und junge Erwachsene motivieren, am Ball „Kirche“ zu bleiben? Ein Beispiel aus Reken, wo junge Leute an Pfarrer Thomas Hatwig wandten, die er sonst nicht in der Kirche sieht. Am Ende gab es einen Deal ...

Da staunte Pfarrer Thomas Hatwig, leitender Pfarrer in Reken, nicht schlecht, als eine Clique von Jungs mit der Bitte an ihn herantrat: „Kannst du unseren Bauwagen segnen?“„Da mach ich mir keine Illusionen, der Bauwagen ist natürlich zum Partymachen da“, sagt Pastor Hatwig, aber gesegnet hat er den Bauwagen trotzdem. Wie sind die Jugendlichen bloß auf diese Idee gekommen? Auslöser sei wohl gewesen, dass Hatwig kürzlich an einer neuen Schutzhütte für Radfahrer und Wanderer eine kurze Andacht gefeiert hatte, wie der Pfarrer auf Anfrage von „Kirche-und-leben.de“ berichtet.

„Von den zwölf Jungs treffe ich sonst keinen in der Messe. Da reist der Berg eben zu den Propheten“, meint Hatwig mit einem Schmunzeln. Also machte er sich mit Kaplan Pater Cyril Stephen an einem Samstagabend auf den Weg in einen Rekener Garten, feierte dort mit den Jugendlichen im Alter von 17 bis 22 Jahren einen Abend-Gottesdienst und schloss mit ihnen einen Deal: „Ich habe mit den Jungs eine Vereinbarung getroffen und gesagt: Ich komme am Samstag zu Euch - und ihr am Sonntag zu mir in die Messe.“ Tatsächlich kamen neun der zwölf jungen Erwachsenen und wurden von der Gemeinde St. Heinrich freudig beklatscht.

Jugendliche an ihren Orten abholen

Für Pfarrer Hatwig sind diese Anknüpfungspunkt wichtig: „Es geht jetzt nicht hauptsächlich um den Bauwagen, sondern um die Menschen und die Gemeinschaft, die die Clique da erlebt.“ Einige waren jahrelang Messdiener. 2017 hatten sie sogar in Eigenregie einen Messdienerfilm mit dem Titel „Weißt du eigentlich, was alles zu unserer Pfarrgemeinde gehört?“ gedreht. Nach Ende ihrer Messdiener-Zeit engagieren sich einige noch bei der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB).

Die Jungs erreicht man am Wochenende abends meistens im Bauwagen. Ein Anruf bei Marcel Sicking, der als Pressewart der örtlichen KLJB auch so etwas wie der Sprecher der „Bauwagen-Clique“ ist: Pfarrer Hatwig sei einfach ein cooler Typ. Man kenne sich von einer Dorffete, und als Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr treffe man sich häufig: „Wir haben ihn gefragt, einen Termin gemacht und dann ist er vorbei gekommen“, berichtet Sicking.

Was bedeutet ihnen Kirche oder Glaube noch? „So extrem unterwegs mit Kirche wie unsere Eltern sind wir nicht“, sagt Luca Broocks, „aber ein bisschen was davon muss noch sein.“ Der Zusammenhalt ist den jungen Erwachsenen wichtig, gemeinsame Aktionen auch: „Der Bauwagen wurde zu warm, jetzt haben wir einen Unterstand angebaut zum Zusammensitzen.“ Das mache es in Corona-Zeiten auch einfacher, Abstand zu halten.

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