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Lehrer:innen im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Reli-Lehrende in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Frau Albach?

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Sie stehen abseits der klassischen Pfarrei-Angebote für Glaube und Kirche: Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Sie bekommen die Kirchenkrise hautnah zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir fünf von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert „Kirche-und-Leben.de“ in dieser Woche, bevor am 13. Mai neue Religionslehrende die „Missio“, die offizielle bischöfliche Lehrbeauftragung, im Münsteraner Dom erhalten. Diesmal: Daniela Albach aus Oldenburg.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Ich selbst bin oft genauso wütend. Auch für mich ist es immer wieder unvorstellbar, welches Leid von Kirchenvertretern bei den ihnen Anvertrauten ausgelöst wurde. Ich lehne selbstverständlich jegliche Form von Übergriffen ab. Somit belastet es mich jedes Mal erneut, wenn ich wieder von Gewalt oder Vertuschung höre. Dies unterscheidet mich als Religionslehrkraft ja nicht von den anderen Gemeindemitgliedern oder von Menschen, die außerhalb der Kirche stehen. Im Gegenteil ist es für mich jedes Mal eine erneute Anfrage an meinen persönlichen Glauben und meine Berufsentscheidung. Dementsprechend versuche ich in solchen Situationen zu verdeutlichen, dass es mir nicht anders geht. Der Frust über die langsamen Mühlen kommt hinzu. Hierbei ist für mich jedoch entscheidend, dass ich nur innerhalb der Kirche mit meinem Engagement an Veränderungen mitwirken kann.

Was bedeutet es für sie, in dieser Zeit Religionslehrer:in zu sein?

Im Gespräch:
Daniela Albach ist an der Liebfrauenschule Oldenburg tätig und Vorsitzende des LKRG Niedersachsen. | Foto: privat
Daniela Albach ist an der Liebfrauenschule Oldenburg tätig und Vorsitzende des LKRG Niedersachsen. | Foto: privat

Ich konnte in der Diaspora lange keinen Religionsunterricht erteilen. Somit weiß ich auch, was mir persönlich ohne ihn fehlt. In keinem anderen Fach habe ich bei aller Wissensvermittlung noch solche Freiheiten, dem, was meine Schüler:innen bewegt, Raum zu geben. Der Religionsunterricht ist für mich so bedeutend, gerade weil ich existentiell und gesellschaftlich wirklich Bedeutsames mit den Schüler:innen hinterfragen und kritisch diskutieren kann. Das ist eine unglaubliche Chance.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Jedes Mal, wenn ich merke, dass meine Schüler:innen nicht blind Inhalte übernehmen, sondern sich kritisch hinterfragend mit den Themen auseinandersetzen, habe ich das Gefühl: Heute haben wir wieder einen Schritt geschafft, für die Jugendlichen selbst, für unsere Gesellschaft, aber auch für unsere Kirche. Denn das brauchen wir: Argumente anderer wahrnehmen, selbst reflektieren und begründet Standpunkt beziehen. Das tut mir und uns allen gut.

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