Beim Weltfriedenstreffen in Münster

Religionsführer fordern gemeinsamen Einsatz gegen Krieg

Zur Zusammenarbeit der Religionen und zur Stärkung der Vereinten Nationen (UN) im Einsatz für den Frieden haben Vertreter der Weltreligionen und der Politik beim Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio am Montag in Münster aufgerufen. Metropolit Anatolij von der ukrainischen orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats sagte, eine Zusammenarbeit sei auch nötig, weil „der Krieg keinen Unterschied macht“ – weder zwischen den Religionen noch „zwischen Soldaten und friedlichen Menschen“.

Anatolijs Kirche ist die größte orthodoxe Konfession der Ukraine. Er betonte, es seien Politiker, die Krieg und Leid auslösten. Im Osten der Ukraine hält ein kriegerischer Konflikt trotz mehrerer Waffenstillstandsabkommen seit 2014 an; die Krim ist völkerrechtswidrig von Russland annektiert. Als Aufgabe der Religionen sieht der Metropolit es an, „beharrlich die Stimme gegen den Krieg zu erheben“, gemeinsam für den Frieden zu beten und „mit denen zu weinen“ und jene zu trösten, die trauern.

„Ohne UN gewinnt die Logik des Stärkeren“

Boutros Marayati, armenisch-katholischer Erzbischof von Aleppo im kriegszerstörten Syrien, zeigte sich überzeugt, Krieg könne „nicht durch Krieg besiegt“ werden. Im Krieg zerstöre der Mensch sich selbst, obwohl er von Gott „zum Frieden berufen“ sei. Deshalb sei es „besonders schmutzig“, wenn kriegführende Parteien meinten, sich auf Gott berufen zu können.

Eine Diskussion thematisierte die Sinnlosigkeit von Krieg. | Foto: Michael BönteEine Diskussion thematisierte die Sinnlosigkeit von Krieg. | Foto: Michael Bönte

Der UN-Sondergesandte für die Zentralafrikanische Republik, Parfait Onanga-Anyanga, sagte, oft gelinge es nicht einmal den Vereinten Nationen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Frieden möglich werde. Dennoch betonte der katholische Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi, als Moderator der Diskussion, die UN seien unverzichtbar: „Ohne die Vereinten Nationen gewinnt die Logik des Stärkeren.“

Religionen – ein Grund für Kriege?

Der UN-Gesandte berichtete, in der Zentralafrikanischen Republik litten die Menschen seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 immer wieder unter Kriegen, Revolten und Gewalt. „Wir müssen erreichen, dass sich die Menschen gegenseitig kennen lernen und begreifen, dass sie voneinander abhängen“, sagte Onanga-Anyanga. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass „unsere Geduld mehr durchsetzen wird als alle kriegerische Kraft“.

Doyu Toda, Präsident der buddhistischen Tendai-Schule aus Japan, wies die Ansicht zurück, die Religionen selbst könnten Grund für Kriege sei. Vielmehr seien „Intoleranz und Arroganz dafür verantwortlich“.

Medizinische Experimente an Sinti

Als Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung sprach Rita Prigmore, die den Sinti angehört. Sie berichtete, ein Großteil ihrer Familie sei im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben gekommen. An ihrer Zwillingsschwester und ihr selbst seien in Würzburg medizinische Experimente vorgenommen worden, die ihre Schwester töteten und bei ihr selbst gesundheitliche Schäden hinterließen. „Jedes Vorurteil kann in einer Katastrophe wie Auschwitz enden“, mahnte sie.

Der Journalist Daniel Deckers von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schließlich warnte die Christen davor, mit dem Finger auf angeblich gewalttätige Religionen wie den Islam zu zeigen. Christen hätten die „Schlächtereien“ des Ersten und Zweiten Weltkriegs ausgelöst.

Deckers äußerte sich zugleich verwundert darüber, „wie viele führende Katholiken und sogar ganze Bischofskonferenzen die Aufrufe von Papst Franziskus ignorieren“ und sich stattdessen zu Sprachrohren ihrer nationalen Regierungen machten. Er verwies auf die Widerstände gegen die Aufnahme von Menschen, die vor Kriegen fliehen.