Neue Kreuzblumen aus Sandstein werden derzeit auf den Turm gesetzt

Restaurierung der Überwasserkirche in Münster bis Dezember beendet

Es ist ein untrügliches Zeichen, dass die Restaurierungs-Arbeiten am Turm der Überwasserkirche in Münster sich langsam dem Abschluss nähern: Zwei der vier Kreuzblumen sind neu gefertigt worden und werden derzeit auf die Spitzen der Ecktürmchen gesetzt – an der höchsten Stelle des Turms in 65 Meter Höhe.

Bis zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts auf dem Kirchplatz soll dann der dritte Bauabschnitt der umfangreichen Sanierungs-Maßnahmen abgeschlossen werden. 2014 begann man mit dem Äußeren des Kirchenschiffs, es folgte die Innensanierung. Ab 2017 ging es an die Bearbeitung des Sandstein-Turms.

Gefahr durch herabstürzende Steine

„Eigentlich war der letzte Bauabschnitt später geplant“, sagt der leitende Architekt Wolfgang Ubbenhorst. „Aber der Zustand des Turms machte es notwendig, die Arbeiten vorzuziehen.“ Zu marode war die Bausubstanz. Viele Steine waren locker, einige hatten sich bedenklich gelöst. „Die Gefahr, dass Teile in die Tiefe stürzten, war zu groß.“ Wie groß, zeigt die Tatsache, dass in jenen Tagen alle zwei Wochen ein Fassadenkletterer den Turm erklimmen musste, um die Schäden zu begutachten.


Münsters älteste Pfarrkirche
Die Überwasserkirche, auch Liebfrauenkirche oder Liebfrauen-Überwasser genannt, ist eine gotische Kirche in der Innenstadt von Münster. Ihr Name leitet sich von „Über dem Wasser“ ab, da sie westlich des Doms auf der gegenüberliegenden Seite der Aa liegt. Die erste Überwasserkirche wurde am 29. Dezember 1040 auf den Titel der Geburt Mariens geweiht. Anwesend war König Heinrich III., außerdem zahlreiche Reichsfürsten und zwölf Bischöfe. Die Kirche fiel 1071 einem Feuer zum Opfer. Die jetzige Kirche wurde seit 1340 errichtet. Die Bauzeit des Turms zog sich von 1363 bis wahrscheinlich zum Beginn des 15. Jahrhunderts hin. Neben dem St.-Paulus-Dom ist die Überwasserkirche das älteste Gotteshaus der Stadt Münster. | Foto: Michael Bönte

Neben vielen einzelnen Steinen im Mauerwerk und 40 Ziertürmchen zeigten auch zwei der vier großen Kreuzblumen an der Nordseite des Turms Risse. Es wurde notwendig, sie neu zu fertigen und aufzusetzen. 3,50 Meter sind sie jeweils hoch und mehrere Tonnen schwer. In Einzelteilen wurden sie in einem Steinmetzbetrieb in Havixbeck aus Baumberger Sandstein hergestellt und fanden ihren Weg über einen Aufzug in die Höhe. Dort werden sie derzeit montiert, verankert und mit Blei verbunden.

Erstaunliche Arbeitsschritte

Pfarrer Hans-Werner Dierkes zeigt sich zuversichtlich, dass zum Ende des Jahres auch die parallel stattfindende Restaurierung der Orgel abgeschlossen werden kann. „Es fehlt dann nur noch unser Mariä-Himmelfahrts-Bild, das derzeit im Atelier restauriert wird – aber dann sind wir erst einmal mit den Arbeiten durch.“ Die haben ihm an vielen Punkten zum Staunen gebracht. „Allein die Einrüstung des Turms war eine Wissenschaft für sich.“

Am Ende werden die Arbeiten an der gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert insgesamt etwa 4,5 Millionen Euro gekostet haben. „Ein Großteil trägt das Bistum Münster – die Pfarrgemeinde beteiligt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit einem kleinen Eigenanteil.“ Was am Ende in der Kasse übrig bleibt, ist auch schon verplant, sagt Dierkes: „Die Grabdenkmäler an den Innenwänden der Kirche bedürfen dringend eine Überholung.“