Fastenzeit und Ramadan überschneiden sich dieses Jahr. Angesichts der in der Türkei nährt das die Hoffnung auf Frieden, sagt Rike Bartmann.
Bewusst die Fastenzeit zu gestalten kann so vieles bedeuten: Sich besinnen auf das, was wichtig ist. Zu verzichten auf das, was wertvoll und geliebt ist. Eine Sache weglassen und dann zu merken, da fehlt mir etwas. Wir können aber auch Dinge ganz bewusst tun in diesen 40 Tagen. Danke sagen, beten, uns Zeit für unsere Mitmenschen nehmen, sich selber Ruhe gönnen oder die Natur genießen.
Was auch immer wir weglassen, tun oder verändern in unserer persönlichen Fastenzeit jetzt grade: Es wird unsere Perspektive verändern und unseren persönlichen Blickwinkel erweitern.
Gleichzeitigkeit bei Christen und Muslimen
In der diesjährigen Fastenzeit berührt es mich besonders, dass ein großer Teil des christlichen Fastens parallel zum Ramadan liegt, der Fastenzeit des Islams. Herz und Seele reinigen – so verstehen die Muslim*innen den Ramadan. Weiterhin geht es um innere Einkehr und zugleich das Gefühl der Gemeinschaft, was allabendlich beim Fastenbrechen zelebriert wird.
Die Autorin
Rike Bartmann ist pädagogische Referentin bei der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V. Sie wuchs im Sauerland auf, hat ihre Wurzeln in der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), studierte katholische Theologie und ist Autorin und Sprecherin bei „Kirche in 1Live“ im WDR-Hörfunk.
An diesem Wochenende ist Eid al-Fitr, das Zuckerfest und somit das Ende des Ramadans. Noch mehr Raum für Freude und Gemeinschaft, für Gemeinsamkeit und Gebet und Feiern. Mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse in der Türkei, die Proteste gegen die Regierung in Istanbul, die Verhaftung von Ekrem İmamoğlu, dem nun ehemaligen Bürgermeister von Istanbul und all die Unruhen vor Ort bete ich für ein friedliches Eid-al-Fitr.
Die Proteste haben sich mittlerweile zu den größten seit mehreren Jahren entwickelt und die Demonstrationen, die sich gegen die aktuelle Regierung richten, bilden plötzlich auf eine ganz andere Art ein Gefühl der Gemeinschaft für die Muslim*innen und Christ*innen vor Ort. Dem gegenüber stehen Festnahmen, teils mit brutalem Vorgehen durch die Polizei, die Zahlen der Verhaftungen sind laut Schätzungen im vierstelligen Bereich – das ist weit weg von Frieden und Gemeinschaft!
Frieden für alle
Der arabische Gruß zum Ende des Ramadans bedeutet übersetzt in etwa: „Frieden sei mit euch, liebe Geschwister und Gottes Segen und Barmherzigkeit!“ Diesen Frieden und diese Barmherzigkeit wünsche ich unseren muslimischen Brüdern und Schwestern, in der Türkei und weit darüber hinaus. Meine Friedenswünsche sende ich auch an die Regierungen und Parteien: Mögen diese ihre Perspektiven erweitern und den eigenen Blickwinkel verändern: Weg von Kontrolle, Macht und Unterdrückung, hin zu Frieden, Segen und Barmherzigkeit!
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.