Kleiner Ort richtet größtes Fest des Kolping-Landesverbandes aus

Rüschendorf freut sich auf 2.000 Gäste beim Kolpingtag

Eines ist schon klar. „Wir machen den ersten Kolpingtag auf einem Bauernhof“, sagt Bernd Decker, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Rüschendorf. „Das gab es bei uns im Verband noch nie.“

Der Bauernhof ist eine Notlösung. Denn nur dort gibt es in dem kleinen Ort am Dümmer eine große gepflasterte Fläche, wo 2.000 Menschen einen Festgottesdienst feiern oder einem Festredner zuhören können.

Wo sollte man den Oldenburger Kolpingtag bloß feiern?

Der Oldenburger Kolpingtag hätte in Rüschendorf also beinahe nicht stattfinden können. Daran war zunächst auch gar nicht gedacht. Aber der Kolping-Landesvorstand hatte ein großes Problem.

Kolpingtag 2018
Der Oldenburger Kolpingtag findet am 9. September in Rüschendorf statt. Er beginnt um 10 Uhr  mit einer Festansprache zum Thema des Tages: „Friede ist nicht nur ein Wort“. Redner ist Thomas Kossendey aus Oldenburg, Präsident der Oldenburgischen Landschaft und früher parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. In drei Gesprächsforen wird das Thema weiter erarbeitet. Dabei geht es etwa um den Auslandseinsatz von Soldaten und ihr Leben; danach spricht Weihbischof Wilfried Theising mit einer schiitischen Theologin über „Wäre eine Welt ohne Religion eine bessere, eine friedlichere Welt?“ Daneben findet ein Programm für Familien statt. Der Tag schließt um 15.30 Uhr mit einem Festgottesdienst, den Weihbischof Wilfried Theising mit den Gästen feiert. Der Kolping-Landesvorstand rechnet mit 2.000 Teilnehmern. 200 Ehrengäste aus Kirche und Politik werden erwartet.

Denn: Wer sollte das große Verbandstreffen der 56 Kolpingsfamilien, früher jedes Jahr an einem anderen Ort, ausrichten? Das wurde immer schwieriger. Seit 2012 findet der Kolpingtag deshalb nur noch alle zwei Jahre statt.

Eine der größten Kolpingsfamilie

Landesgeschäftsführer Andreas Bröring berichtet: „Für 2018 wussten wir erst gar nicht weiter. Bis wir auf Rüschendorf kamen.“ Der Ort ist klein, die Kolpingsfamilie sei aber bekannt als „aktiv, unkompliziert, gut aufgestellt“. Und mit 250 Mitgliedern eine der größten im Landesverband.

Der Landesvorstand setzte sich mit dem Ortsvorstand zusammen, im Wohnzimmer bei Bernd Decker, schilderte das Problem und fragte. Andreas Bröring: „Die haben am gleichen Abend schon gesagt: Wir haben Interesse.“ Das bedeutete: Die Arbeit beginnt.

Ob Feuerwehr oder Frauengemeinschaft – alle Vereine im Ort helfen

Und die liegt bei den Helfern vor Ort, den Männern rund um Bernd Decker. Der rief alle Vereine im Ort zusammen: die Frauengemeinschaft, die Freiwillige Feuerwehr in beiden Ortsteilen, den Sportverein, die Elternbeiräte von Kindergarten und Grundschule, die fünf Schützenkompanien.

Danach war klar, wer wie hilft. Die Feuerwehr etwa bei der Sicherung, die Frauen bei der Verpflegung. Decker musste sich nicht weiter um sie kümmern. „Bei uns im Ort ist das so: Wenn ein Verein für eine Aufgabe zusagt, dann macht der das auch, da kann man sich fest drauf verlassen.“ Dorfgemeinschaft und Zusammenhalt eben.

Kisten mit Plastikrosen, Spruchbändern und Hinweisschilder

Für die Kolpingsfamilie blieb Arbeit genug. Zum Beispiel an einem Frühlingssamstag um viertel vor zehn. Ein Klein-Laster schiebt sich in den verwinkelten Hof einer alten Werkstatt, in einer Seitenstraße in Vechta. In der Werkstatt lagert der Kolping-Landesverband sein Material.

Fünf Helfer hat Bernd Decker mitgebracht, sie laden auf: Kisten mit Plastikrosen, Spruchbänder „Herzlich willkommen“, Hinweisschilder zum Parkplatz und Wickelraum. Und: einmannshohes Holzschild mit dem Bild des Gesellenvaters, als Hinweis am Ortseingang. Um halb elf rollt der Laster wieder vom Hof.

„Wie bezahlen wir das alles?“

Samstagmorgen – anders geht es nicht. Denn die Männer im Vorstand haben alle ihren Beruf, als Maschinenschlosser, Gas- und Wasserinstallateur, Polizist. Sie wissen anzupacken. Aber sie müssen sich auch den Kopf zerbrechen. Zum Beispiel: Wie bezahlen wir das alles?

Erfahrungsgemäß kostet so ein Kolpingtag 15.000 bis 20.000 Euro. Und zwar die örtliche Kolpingsfamilie. Sie muss zahlen: für Festzelt, Bühnentechnik, das Programmheft, für alles. Auch das Honorar für den Festredner – wenn der nicht verzichtet.

3.000 Euro durch Spenden von Kolpingsfamilien

Decker kennt sich vor Ort aus, weiß, wen er als Sponsoren gewinnen kann. Außerdem kann der Landesvorstand helfen. Andreas Bröring stellt überall Anträge auf Zuschuss: bei der Kirche, bei Kommunen, bei Bildungswerken.

Kolping Oldenburg hilft aber auch selbst, mit einem Solidaritätsbeitrag, den jede Kolpingsfamilie je nach Größe spendet. Allein 3.000 Euro sind so zusammengekommen.

Deutschlandweit einzigartig

Der Verband wisse eben um seine Tradition, sagt Bröring. Einen Festtag in solcher Größe und Regelmäßigkeit habe in Deutschland kein anderer Kolping-Verband. Bernd Decker hat seit dreißig Jahren kaum einen Kolpingtag versäumt. „Jeder war irgendwie anders, ganz nach der Kolpingsfamilie, die ihn veranstaltet hat. Wer der schönste war, könnte ich gar nicht sagen.“

Höchstens, wer der wohl Ungewöhnlichste sein wird. Rüschendorf nämlich, wenn dort am nächsten Sonntag der erste Oldenburger Kolpingtag auf einem Bauernhof stattfinden wird.