SACHSEN-ANHALT

Nach AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Kirchen in großer Sorge - wovor sie warnen

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Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sorgen sich die Kirchen um den sozialen Frieden. Was sie von der Partei fordern.

Von KNA

Den AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt registrieren die christlichen Kirchen mit großer Sorge um das Zusammenleben in Sachsen-Anhalt. „Wir fordern die Wahlsieger auf, die Landesverfassung sowie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Lebensweise, Leistung oder Position zu wahren“, heißt es in einer am Montag, 7. September, veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Sie unterstrichen, dass die Achtung der Menschenwürde bedingungslos jedem zustehe.

Die Kirchen kündigten an, das politische Handeln der künftigen Landesregierung genau zu beobachten und kritisch zu begleiten. „Wir werden nicht wegsehen und wir werden nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen verletzt, unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt oder der Rechtsstaat ausgehöhlt wird“, heißt es in der Erklärung. „Wir werden auch weiterhin alles, was unsere Demokratie trägt, unterstützen und zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen. Dafür bedarf es vor allem auch Orten des Zusammenseins, des Dialogs und der Verständigung.“ Hier hätten die demokratischen Parteien einen Auftrag, aber auch die Kirchen könnten wichtige Begegnungsorte sein.

Kirchen: Vertrauensverlust groß

Das Wahlergebnis zeige, wie groß die Unzufriedenheit und der Vertrauensverlust seien. „Das ist ernst zu nehmen.“ Unverändert bleibe aber, wie viele Hunderttausende Menschen sich in Sachsen-Anhalt und bundesweit Tag für Tag umeinander kümmerten, Verantwortung übernähmen und das Gemeinwesen trügen. „Ihre Zuversicht, ihre Hilfsbereitschaft und ihren Einsatz wollen wir weiter sichtbar halten und stärken.“

So reagieren die Kirchen in Sachsen-Anhalt

„Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, teilten das Bistum Magdeburg, die evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die evangelische Landeskirche Anhalts am Montag, 7. September, in einer gemeinsamen Mitteilung in Magdeburg mit.

„Unsere Sorge gilt auch den von der AfD angekündigten Folgen, die das Wahlergebnis für Kultur und Bildung, Gemeinwesen und Ehrenamt, Diakonie, Caritas und Kirchen haben wird, für innere und äußere Sicherheit“, so die Kirchen weiter. „Als Kirchen bringen wir eine lange Geschichte der Resilienz mit, wir haben Diktaturen und Unterdrückung, Kriege und Krisen überstanden und werden auch weiterhin unsere Türen für alle Menschen öffnen, die Schutz und Ruhe, Heilung und Wegweisung in der Gegenwart Gottes suchen.“

Bischof Feige warnt AfD: Würde aller Menschen wahren

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige richtet zudem eine Forderung an die AfD: „Wir appellieren an die Wahlsieger, die Verfassung unseres Landes wie das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen zu wahren.“ Wer Regierungsverantwortung übernehmen wolle, übernehme auch die Verantwortung für alle Menschen im Land.

Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer sicherte den Menschen, die Sorge vor einer AfD-Regierung haben, Unterstützung zu. „Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen“, so Kramer. „Gemeinsam mit allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern werden wir uns weiterhin für die Menschenwürde jedes einzelnen Menschen einsetzen, für Nächstenliebe und für ein solidarisches Miteinander.“

Folgen einer AfD-Regierung

Die Kirchen hatten im Vorfeld der Landtagswahl eindringlich vor den Folgen einer AfD-Regierung und dem völkischen Nationalismus der Partei gewarnt. Unter anderem initiierten sie die Aktionen „Bewusst wählen“ und „Herz statt Hetze“.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Landtagswahl kam die AfD auf 43,8 Prozent, die CDU auf 17,2 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent, die Grünen auf 8,9 Prozent, die Linken auf 8,6 Prozent und das BSW auf 5,3 Prozent. Damit hat die in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme AfD keine absolute Mehrheit für eine Alleinregierung. Das BSW hat als einzige Partei signalisiert, die AfD punktuell zu unterstützen. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, ein Rekord seit der Wiedervereinigung.

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