Buch entstand an der Universität Vechta

Sammelband über Bischöfe in der NS-Zeit erschienen

Biografien fast aller in der NS-Zeit amtierenden katholischen Bischöfe in Deutschland enthält das neue Buch „Zwischen Seelsorge und Politik“. 25 Autoren beleuchten deren Handlungsspielräume vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Prägung und ihrer Diözese, wie die Verantwortlichen am Mittwoch bei der Vorstellung des Bandes in Cloppenburg darlegten.

Dabei nähmen die Profan- und Kirchenhistoriker die Bischöfe als unterschiedlich geprägte Persönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen in den Blick, hieß es von Verlagsseite. Sie überprüften ihr Selbstverständnis von ihren bischöflichen Aufgaben und ihre zeittypischen „Denkgrenzen“.

„Im Spannungsfeld von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik“

„Zwischen Seelsorge und Politik. Katholische Bischöfe in der NS-Zeit“
„Zwischen Seelsorge und Politik. Katholische Bischöfe in der NS-Zeit“, herausgegeben von Maria Anna Zumholz und Michael Hirschfeld. Aschendorff-Verlag Münster 2017, 813 Seiten, ISBN 978-3-402-13228-9

Ausgangspunkt ist den Angaben zufolge die in der Öffentlichkeit bis heute geführte Diskussion über das Verhalten der Bischöfe gegenüber der Staatsmacht. Die Sichtweise, dass das bischöfliche Handeln weniger von der Seelsorge und dem „Weltanschauungskampf“ und mehr von einem Schweigen angesichts der NS-Greueltaten geprägt gewesen sei, werde in dem Sammelband überprüft. Die Autoren böten eine quellennahe Einordnung von Bischofsentscheidungen „im Spannungsfeld von Seelsorge und Kirchenpolitik, von Gesinnungsethik und Verantwortungsethik“.

Laut der Autoren gab es sogenannte „Brückenbauer“ wie die Bischöfe Wilhelm Berning (Osnabrück), Maximilian Kaller (Ermland) oder Michael von Faulhaber (München). Sie versuchten, trotz aller Vorbehalte auf eine positive Verständigung mit dem NS-Staat hinzuarbeiten. Auf der anderen Seite gab es Bischöfe wie Konrad von Preysing (Berlin) oder Clemens August Graf von Galen (Münster), die sofort in Opposition zu den Nationalsozialisten gingen.

Papst bevorzugte NS-Kritiker

Eine wichtige Rolle spielte zudem der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland, Eugenio Pacelli (1876-1958), der spätere Papst Pius XII. Mitautor Raphael Hülsbömer fand heraus, dass Pacelli immer Kandidaten bevorzugte, die bereits kritisch gegen die Nationalsozialisten aufgetreten waren.

Das Buch entstand aus einer Tagung der Arbeitsstelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung an der Universität Vechta zum Thema im Herbst 2016 in der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg. Es umfasst mehr als 800 Seiten. Die Publikation ist im Aschendorff-Verlag Münster erschienen und kostet 29,80 Euro.