Botschafterin am Heiligen Stuhl zu Gast bei BKU-Bundestagung

Schavan in Münster: „Rom geht voran, wo andere noch zaudern“

Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) hat auf seiner 68. Bundestagung vom 13. bis 15. Oktober in Münster einen neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Professor Ulrich Hemel, Unternehmer aus Laichingen bei Ulm, tritt die Nachfolge von Marie-Luise Dütt an. Die mittelständische Unternehmerin und CDU-Bundestagsabgeordnete, die den Verband 16 Jahren als Vorsitzende leitete, war nicht mehr zur Wahl angetreten.

An der BKU-Tagung unter dem Jahresthema „Wirtschaft N.E.U. denken“ nahmen katholische Unternehmer aus ganz Deutschland teil. Zu den prominenten Gastrednern am Samstag gehörten Annette Schavan, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl, und EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU). In ihrem Vortrag über „Die Kunst des Politischen im Zentrum der Weltkirche“ hob Schavan die wachsende Bedeutung der Kirche bei der Bewältigung politischer und sozialer Krisen in Europa und der Welt hervor.

Unverstellte Wahrnehmung der Wirklichkeit

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe sich die Kirche aus ihrem engen italienischen Blickwinkel befreit und ihre Rolle als Weltkirche angenommen. Papst Franziskus stehe ganz in der Tradition seiner beiden Vorgänger. Er zweifle die eurozentrierte Sicht auf die Welt an und plädiere für eine Inkulturation, eine gerechtere Wahrnehmung aller Kulturen.

„Franziskus zettelt keine Revolutionen an. Er ist weder grün noch ein Linker, wie manche ihm unterstellen“, sagte Schavan. Er gehe an die Peripherien, wo die Armen, Verachteten und Ausgeschlossenen leben, und trage wie in Kuba und in Kolumbien wesentlich zum Versöhnungsprozess in den Gesellschaften bei. „Was er letztlich tut, ist Erinnerungsarbeit. Er knüpft an die Wirklichkeitswahrnehmung des Zweiten Vatikanischen Konzils an.“ Sie bezog sich dabei auf den Katakombenpakt, der während des Zweiten Vatikanums geschlossen wurde. Die Teilnehmer sprachen sich für eine Kirche der Armen aus. Dem Pakt schlossen sich später 500 Bischöfe aus der ganzen Welt an. Rom gehe voran, wo andere noch zaudern, auch Politiker in Deutschland, sagte Schavan.

Umgang mit knappen Arbeitskräften

Günther Oettinger (CDU) lenkte den Blick auf Deutschland und Europa. Das jüdisch-christliche Fundament der Europäischen Gemeinschaft sei ein Erfolgsmodell, das es auch für die Enkelgeneration zu verteidigen gilt, sagte der EU-Kommissar. In der anschließenden Podiumsdiskussion stand das Jahresthema „Wirtschaft N.E.U. denken“ im Mittelpunkt. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) formulierte die künftigen Herausforderungen, mit denen Unternehmer und Gesellschaft konfrontiert werden: die knappe Zahl an jungen Arbeitskräften, Fragen der Pflege und Rente und die Digitalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche.

Mit der geplanten Einführung eines Berufs-Abiturs in mehreren Bundesländern sei man dabei, das Handwerk für junge Leute attraktiver zu machen. Auch für die Integration von Migranten und Flüchtlingen sei das Handwerk besonders befähigt.  Hans Günther Ulrich, Geistlicher Beirat des BKU, sprach sich für bessere Rahmenbedingungen für Talente aus, die neue Entwicklungen und Unternehmenskonzepte vorantreiben. „Talente kann man nicht produzieren, man muss ihnen Raum schaffen, sich zu entwickeln.“