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Lexikon des Judentums (7)

Schavuot – Wallfahrtsfest 50 Tage nach Pesach

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Wissen ist das beste Mittel gegen Vorurteile und Antisemitismus. Zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erläutert diese Serie Begriffe jüdischen Glaubens – diesmal von Clemens Leonhard, Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Shavuot, das „Wochenfest“, wird am fünfzigsten Tag, sieben Wochen, nach Pesach, ab dem Abend des 16. Mai 2021 (6. Sivan 5781) gefeiert. Pesach kann auf verschiedene Wochentage fallen. Das gilt daher auch für Shavuot.

Aus den Schriftrollen von Qumran am Toten Meer wissen wir, dass im Sommerhalbjahr in diesem zeitlichen Abstand am Tempel in Jerusalem eine Serie von Kultterminen gehalten wurde. Nicht alle haben eine so deutliche Spur wie Shavuot in der Hebräischen Biebl hinterlassen. Diese Feste waren mit dem Tempelkult und dem landwirtschaftlichen Jahr verbunden; zum Beispiel das Fest der Brennholzspenden für den Brandopferaltar im Tempel (angedeutet in Nehemia 10,35) oder das Fest zur Oliven- und Weinernte.

Wallfahrt zum Tempel nach Jerusalem

Shavuot ist ein Wallfahrtsfest zum Tempel in Jerusalem im Zusammenhang mit der Darbringung von Erstlingen der Weizenernte.

Nach der Erzählung des Buches Exodus (12-14) verlässt das Volk Israel Ägypten im Anschluss an die Feier des Pesach, nämlich zur Mitte des Frühlingsmonats. Bevor die Monate mit fester Länge vorausberechnet wurden, konnte man nur ungefähr wissen, dass Shavuot am Anfang des Monats Sivan zu feiern war. Nach Ex 19,1 kommt das Volk Israel „im dritten Monat nach dem Auszug … aus Ägypten, an diesem Tag“ in „der Wüste Sinai“ an. In den folgenden Tagen empfängt das Volk die Tora, das Gesetz, von Gott. Damit macht die hebräische Bibel zwei weitere Angebote von Bedeutungen für Shavuot. Erstens verbindet sie das Fest mit dem Auszug aus Ägypten, zweitens mit dem Empfang der Tora.

Die Lesungen zum Tag

Aus den Sinnangeboten der Geschichte entwickelten die rabbinischen Gelehrten nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem – und entwickeln jüdische Menschen bis heute – Bedeutungen und Feierelemente des Festes; besonders die Feier der Gabe der Tora. Exodus 19 und 20 sind die Texte der feierlichen Toralesung am Festtag.

Dazu kommt die Lesung der Thronwagen-Vision von Ezechiel (1; 3,12). Sie hebt ein beiden Texten gemeinsames Thema hervor: den Versuch, eine Begegnung mit Gott zu beschreiben. Aus den fünf Megillot wird das Buch Ruth gelesen. Im Hintergrund der Erzählung stehen einerseits Hungersnot und Ernte, andererseits Ruth, die als ideale Konvertitin zum Judentum genau zum Fest der Übernahme der Tora passt.

Brauch der Nachtwache

Die landwirtschaftlichen Siedlungen in Israel (Kibbutzim) knüpften und knüpfen an das andere biblische Bedeutungsangebot an. Sie veranstalten zu Shavuot große Feiern zur Ernte und Fruchtbarkeit des Landes.

Vom 16. Jahrhundert an verbreitete sich der Brauch, die ganze Nacht vor dem Tag des Wochenfestes zu wachen. In dieser Nacht kann man in Gemeinschaften eine lange Liste von Texten der Bibel und der Traditionsliteratur durcharbeiten oder sich mit selbstgewählten theologischen und religionsgesetzlichen Themen oder Texten auseinandersetzen. Der Erfolg dieser und anderer Nachtwachen zunächst im Nahen Osten und dann in Italien (im 17./18. Jahrhundert) und Nordeuropa hängt an der Verbreitung von Kaffeehäusern und Kaffeekonsum, der in zeitgenössischen Texten besprochen wird.

Der Autor
Clemens Leonhard ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt unter anderm die Liturgie des Judentums.
Clemens Leonhard ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt unter anderm die Liturgie des Judentums.

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