Was die Häuser christlicher Hoteliers prägt

Schläft es sich in christlichen Hotelbetten besser?

Ob es sich in christlichen Betten besser schläft? Da muss Sebastian Tacke erstmal lachen. Der 48-Jährige führt ein kleines Hotel mit 35 Zimmern mit insgesamt 100 Betten in Lüssow bei Stralsund. Vor anderthalb Jahren ist der Hotelier dem Verband christlicher Hoteliers beigetreten.

Unter dem blau-gelben Siegel „VCH-Hotels“ können Gäste individuelle Hotels, Klöster und Tagungshäuser buchen, die sich einem „besonderen Maß an Gastfreundschaft“ verschrieben haben, wie es auf der Internetseite des Verbandes heißt. Dort empfängt ein täglicher Segensspruch den User, außerdem ist ein digitales christliches Wörterbuch verlinkt.

Hier war Gastgeber Sebastian Tacke mal selbst zu Gast: Der Hotelier bei seinem Besuch auf dem Katholikentag in Münster. | Foto: Martin Schmitz
Hier war Gastgeber Sebastian Tacke mal selbst zu Gast: Der Hotelier bei seinem Besuch auf dem Katholikentag in Münster. | Foto: Martin Schmitz

 „Ich glaube nicht, dass der Otto-Normal-Gast bei uns denkt, er wäre im Himmel gewesen über Nacht, auch wenn wir unser Bestes tun!“, meint Sebastian Tacke. Sein Hotel sei besonders familien- und motorradfreundlich. „Man kann von Lüssow aus schnell alle Sehenswürdigkeiten der Unesco-Stadt Stralsund erleben“, so der Hotelier und betont noch einmal: „Den Betten ist es sicherlich egal, ob sie christlich bezogen sind oder nicht.“ Weltlich geführte Häuser hätten sicherlich genauso ihre guten oder schlechten Qualitäten wie jedes christlich geführte Haus.

Kreuze hängen im Restaurant

Die Werte der VCH-Hotels bemessen sich auf andere Weise: „Wir sind ein ganz normales Hotel. Was uns ausmacht, ist, dass wir nach außen hin zeigen, dass wir christlich sind“, sagt Tacke. „Wir haben zum Beispiel ein Kreuz im Restaurant hängen, an der Rezeption haben wir Tablet-Aufsetzer, auf denen die Gottesdienstzeiten der Kirchengemeinde in der Umgebung stehen.“

Zur Internetseite des Verbands christlicher Hoteliers (VCH).

Vor allem auf die innere Haltung komme es an. Er nehme für sich in Anspruch, im Gast auch immer den Mensch zu sehen: „Wenn jemand stornieren möchte, obwohl es eigentlich nicht mehr möglich ist, er aber einen  guten Grund hat, dann agieren wir da kulanter, als es vielleicht ein profitorientiertes und buisnessgeführtes Haus tut.“

Wertanspruch: Ist man ein guter Chef?

Der Wertanspruch beziehe natürlich auch die Mitarbeiter mit ein: „Ist man ein guter Chef oder guckt man, dass man nur das Letzte aus den Mitarbeitern herausquetscht?“ Das seien natürlich Dinge, die die Gäste bemerkten: „Wenn der Mitarbeiter gut drauf ist, freundlich ist, sich im Haus wohlfühlt, dann wirkt sich das auch auf die Gäste.“

Klar gebe es auch Bibeln im Nachttisch, aber die Atmosphäre im Haus gestalte sich vor allem über die Haltung. Familien beispielsweise können sich im Hotel von Sebastian Tacke Utensilien vom Buggy bis zum Babyphone kostenlos ausleihen.

VCH vor 100 Jahren gegründet

Gegründet wurde der Verband von evangelischen Christen vor 100 Jahren in der Schweiz. Er hat seinen Ursprung in der Hospizarbeit. Für viele kirchlich geführte Tagungshäuser war das reine Tagungs- und Gruppengeschäft nicht mehr rentabel. Sie haben sich der Hotelriege geöffnet. Heute sind in Deutschland 60 Häuser vertreten, darunter auch Häuser katholischen Ursprungs wie das Stadthotel Münster.

„Ob die Gäste explizit zu uns kommen, weil wir christlich sind, lässt sich schwer herausfinden. Viele Gäste sagen, den VCH kennen sie gar nicht. Sie sind aber sehr erstaunt und finden es gut, dass es den Verband gibt“, sagt Tacke, der auch im Diözesanrat des Erzbistums Berlin tätig ist. Für ihn als Katholik sei es selbstverständlich, seinen Glauben so zu leben.