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Walter Högemann, Landesbezirksbundesmeister für das Oldenburger Münsterland, im Gespräch

Schon wieder keine Schützenfeste – und jetzt?

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Die Schützenfestsaison wäre in vollem Gange - eigentlich. Wie gehen die Schützen mit ausgefallenen Feiern und verschobenen Wettkämpfen um? Das erläutert Walter Högemann im Interview. Der 64-Jährige ist im Diözesanverband Münster des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften für Oldenburger Münsterland und Hümmling zuständig.

Wie fühlt sich für Sie als Landesbezirksbundesmeister die zweite Saison ohne Schützenfeste an?

Wir sind machtlos und es stimmt uns traurig, ohne Schützenfeste auskommen zu müssen. Wir versuchen alle, Termine zu planen. Leider müssen viele Veranstaltungen wieder abgesagt werden. Dankbar sind wir für unsere letzte große Veranstaltung, dem Einkehrtag in Rechterfeld im Frühjahr 2020 mit Weihbischof Wilfried Theising. Unser wichtigstes Fest, das Landesbezirkskönigschießen, kann ohne Könige nicht stattfinden. Somit gibt es keine weiteren Wettbewerbe wie das Bundes- und Europakönigschießen. Bei der Jugend ist die Struktur ähnlich - also Ausfall aller überregionalen Veranstaltungen. Ganz zu schweigen von den vielen Vereinsfeiern, ganz traurig ist das. Da brauchen wir gar nicht weiter drüber zu sprechen.

Wie wirkt sich die Pandemie auf die sportlichen Wettkämpfe aus?

Das ist natürlich eine Katastrophe. Wenn wir keine Vereins- und Bezirksmeisterschaften haben, kann man sich nicht weiter qualifizieren für die nächste Runden, die Diözesan- und Bundesmeisterschaften. Diese sind für diesen Herbst bereits abgesagt. Wir hoffen, dass es sich jetzt so langsam wieder aufbaut. Stand Mai dürfen zwei Personen kontaktlos Sport machen, aber ich muss ja schon ein oder zwei Schießleiter stellen. Von der Schützenbruderschaft St. Antonius Rechterfeld habe ich gehört, dass sie alternatives Sportprogramm angeboten haben. Über WhatsApp haben sie sich zu zweit zum Joggen oder Radfahren verabredet.

Haben sich viele Mitglieder abgemeldet?


Walter Högemann, hier mit Weihbischof Wilfried Theising | Foto: privat.

Die Zahlen vom Bundesverband sehen mit rund 200.000 Mitgliedern noch ganz gut aus, zwei Prozent weniger sind das. Das Problem ist eine gewisse Überalterung. Daher trifft es uns, dass wir durch die ausgefallenen Schützenfeste, Trainings und Feiern keine neuen Mitglieder ansprechen können. Das macht ja auch so einen Einkehrtag oder das Schützenfest aus, da begegnen sich die Generationen, Alt und Jung sprechen zusammen. Da entsteht mehr Verbindung, als sonst beim „Hallo“ oder beim Smalltalk auf der Straße. Das Gefühl „Mensch, das ist eine tolle Gemeinschaft, jeder im Ort steht zu jedem und hier wird eine Gemeinschaft gefördert, wo man sich wohlfühlen kann“ - das kann gerade nicht erlebt werden.

Wie pflegen Sie Kontakte?


Mit Schützenfest-Care-Paketen, in denen sich unter anderem dieser Flaschenöffner befand, versuchte zum Beispiel der Verein „Tell Hollen“ aus Ramsloh, ein bisschen Stimmung zu bewahren. | Foto: pd.

In den Vorständen wird natürlich über Videokonferenzen und Telefonate weiter gearbeitet. Aber es ist doppelte Arbeit, weil man viel plant und dann wird es doch abgesagt. Spannend wird es im nächsten Jahr, wenn sich viele Termine der Vereine mit den vielen privaten Nachholterminen überschneiden werden. Ich bekomme über persönliche Telefonate, einzelne Besuche und aus der Tageszeitung mit, dass sich unsere 24 Vereine hier im Landesbezirk Oldenburger Münsterland/Hümmling nach Kräften engagieren. Im Norden gab es zum Beispiel ein „Drive-In-Schützenfest“, da konnten sich die Schützenbrüder und -schwestern ein Feierpaket abholen und vorher einen Gottesdienst besuchen. Bei den Jungschützen gibt es einen „Web-Stammtisch“. Viele Vereine versuchen mit Ersatzveranstaltungen und kleinen Aufmerksamkeiten, die Mitglieder bei der Stange zu halten. Einige Kranzniederlegungen werden sicherlich stattfinden können. Ich nehme mir hier im Ortsverein vor, jede Woche ein Mitglied oder eine Schützenfamilie zu besuchen und telefoniere viel.

Schwelgen wir in Erinnerungen – wo im Offizialatsbezirk wird sonst am stärksten gefeiert?

Da muss ich aufpassen, was ich sage. Das klingt schnell ungerecht, weil auch kleine Bruderschaften, Vereine, oder Gilden, wie sie hier heißen, großartige Schützenfeste ausrichten und eine gute Gemeinschaft pflegen. Ich würde aber sagen, einige der größten in der Region sind Garrel, Rechterfeld, Varrelbusch oder auch Werlte. Einen kleinen Ersatz bieten vielleicht auch die vielen Berichte und Erinnerungen in unserer Verbandszeitschrift „Schützenbruder“. Das 125-jährige Jubiläum unserer Schützenbruderschaft St. Sebastian Vahren-Stapelfeld und Umgebung zum Beispiel, wird so zumindest nicht ganz ausfallen. Auch auf Facebook gibt es immer mal wieder Erinnerungsvideos vieler Schützenbruderschaften, -gilden und -vereine, das ist ganz schön. Die Ideen wachsen mit den zugelassenen Möglichkeiten.

Ist die Schützenwallfahrt nach Bethen im Herbst möglich?

Meine große Hoffnung ist ein weiteres Gesunden der Menschen. Die Planungen sind in vollem Gange. Wenn eben möglich werden wir, eventuell auch mit etwas weniger Teilnehmern, die Wallfahrt am 17. Oktober durchführen. Beim Schützenwesen heißt es auch:„Entweder man isses, oder eben nicht.“ Man kann jetzt nicht immer hinterhertrauern, was gewesen ist. Ich umschreibe das mal so: Schützenfest ist da, wo das Herz aufgeht! Man sollte versuchen, das Positive, Schöne in der Welt zu sehen und die Energie da reinzustecken, wo sie hingehört. Im Schützenwesen steckt viel Ehrenamt, viel Herzblut. Zusammen stehen wir die Pandemie durch! Mit großem Trainingsfleiß, viel Energie und starkem Willen müssen wir uns wieder in Form bringen.

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