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Interview mit dem Münsteraner Kirchenrechts-Professor über die Entscheidungen im Erzbistum Köln

Schüller: Entscheidung zu Woelki ist Bankrott-Erklärung für Papst Franziskus

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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki darf eine Auszeit nehmen und im Amt bleiben, für alle anderen wegen Missbrauchs-Vertuschung überführten ehemaligen und amtierenden Kölner Weihbischöfe ändert sich nichts, obwohl sie - im Unterschied zu Woelki - ihren Rücktritt angeboten hatten. Was bedeutet das, nicht zuletzt für die Politik von Papst Franziskus? Das hat "Kirche-und-Leben.de" den Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller gefragt.

Herr Professor Schüller, was ist das für eine Auszeit, die Papst Franziskus dem Kölner Kardinal Woelki heute gewährt hat? Zuletzt gab es sie ab Oktober 2013 beim ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. An deren Ende im März 2014 brauchte Limburg einen neuen Bischof. Worüber soll Kardinal Woelki nachdenken – über Rücktritt oder Rückkehr?

Die Auszeit bleibt ein Rätsel. Nach eigener Aussage möchte der Kardinal die Geschehnisse der jüngsten Zeit im Gebet vor Gott bringen und sich selbst geistlich stärken.

Er habe große Fehler gemacht, sagt der Papst über das Verhalten des Kölner Kardinals im Umgang mit Missbrauch in seinem Erzbistum – und das erkennt auch Woelki heute an. Zugleich sagt er, der Papst zähle auf ihn. Wie deuten Sie das?

Organisationssoziologisch würde man von einer parodoxen Intervention sprechen. Es hört sich nach Kritik an, ist aber realpolitisch ein päpstliches Bekenntnis zum Verbleib von Kardinal Woleki im Amt des Erzbischofs von Köln.

Vor der Entscheidung aus Rom wurde gemutmaßt, wenn es einen Apostolischen Administrator gibt – dann sinnvollerweise aus einem anderen Bistum. Hat sich Woelki auch mit der Wahl seines letzten unbescholtenen Weihbischofs durchgesetzt?

Davon dürfen Sie ausgehen. Hier liegt auch der Unterschied zu den Limburger Ereignissen. Dort fungierte mit Weihbischof Manfred Grothe aus Paderborn ein externer Bischof, der vorurteilsfrei und im guten Sinn kritisch die gravierenden Missstände aufgearbeitet und für Versöhnung gesorgt hat. Der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser ist ein getreuer Gefährte von Kardinal Woelki und wird nur den Platz warm halten, bis Woelki in der Fastenzeit wieder auf der Cathedra im Kölner Dom seinen Platz einnehmen wird.

Die letzten Tage zusammengefasst: Der Hamburger Erzbischof und vormalige Kölner Personalchef Stefan Heße sowie die Kölner amtierenden Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff haben nachweislich Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchstaten begangen. Sie alle bleiben, wie auch Kardinal Woelki. Was sagt das über Papst Franziskus?

Es ist eine moralische Bankrotterklärung des Papstes, weil er die Botschaft sendet, dass die Vertuscher von Missbrauch am Ende immer geschützt und nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ich sage es bitter und sarkastisch: Am Ende besiegt die Kirche immer die Opfer sexualisierter Gewalt und schützt die Täter und Vertuscher.

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