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Ausgefallene Freizeiten haben finanzielle Folgen für Schützenhallen

Schützenbruderschaften hoffen auf Ferienlager-Gäste

  • Die meisten Ferienfreizeiten in Schützenhallen im Sauerland konnten 2020 nicht stattfinden.
  • Für manche Schützenbruderschaften sind damit bedeutende Einnahmeausfälle verbunden.
  • In Wormbach zum Beispiel hatte die St.-Jodokus-Bruderschaft 2020 gerade erst aufwendig in ein neues Luftfiltersystem investiert – und trotzdem fielen fast alle Freizeiten aus.
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Am Ende hat 2020 doch noch ein Ferienlager stattgefunden, eines von sechs. Fünf mussten ausfallen wegen Corona. Nur die Messdiener aus der Altenberger St.-Johannes-Pfarrei waren mit 35 Kindern und einem 17-köpfigen Team zu Gast in der Wormbacher Schützenhalle. „Immerhin“, sagt Hans Georg Sasse. Auch für 2021 ist der Geschäftsführer der St.-Jodokus-Schützenbruderschaft skeptisch. Zwar hätten sich auch für das laufende Jahr schon wieder vier Gemeinden angemeldet, darunter Gruppen aus Nottuln und Emsdetten. Aber ob die auch wirklich alle kommen können?

Der Kinderchor aus dem oldenburgischen Mühlen (Kreis Vechta) zum Beispiel ist Stammgast in Wormbach in der Gemeinde Schmallenberg (Hochsauerlandkreis). Seit 1971 wäre es in diesem Jahr das 50. Lager dort. Allzu gerne würde Organisator Sebastian Speckmann das Jubiläum auch groß dort feiern. Die Halle ist reserviert. Mit einem Anmeldetermin für die Familien wartet er trotzdem noch ab, bis sich die Lage stabilisiert hat.

2020 haben die Wormbacher 90.000 Euro in die Schützenhalle investiert

Der Kinderchor aus dem oldenburgischen Mühlen (Kreis Vechta) ist Stammgast in Wormbach. | Foto: privat
Der Kinderchor aus dem oldenburgischen Mühlen (Kreis Vechta) ist Stammgast in Wormbach. | Foto: privat

Auch das von den Messdienern organisierte Ferienlager der St.-Pankratius-Gemeinde Emsdetten in Wormbach stellt sich auf beide Szenarien ein. Anders als in Mühlen laufen die konkreten Anmeldungen in Emsdetten allerdings schon. „Wir arbeiten mit einem Plan A und einem Plan B“, erklärt Leiter Hannes Plagge. Das bedeutet: Zunächst einmal gehen alle davon aus, dass das Lager in den ersten beiden Ferienwochen stattfinden wird. Und für den Fall, dass Ferienfreizeiten im Sommer verboten sein sollten, bereitet das Team eine Alternative zuhause in Emsdetten vor.

Hans Georg Sasse hat für diese Flexibilität der Pfarrgemeinden großes Verständnis, auch wenn das die Lage für seine Schützenbruderschaft nicht gerade leichter macht. Die hat ihre Schützenhalle zwar in erster Linie für große Feste gebaut, mit den Jahren aber immer weiter auch für Ferienlager optimiert. Eine Klimaanlage ist dort mittlerweile ebenso selbstverständlich wie Jalousien, dimmbares Licht, W-Lan, Extra-Sanitärräume und Duschen für Köchinnen und Köche oder ein Sportplatz bei der Halle.

Die Schützenhalle hat sogar ein neues Hygiene-Luftfilter-System

Und sogar in den Corona-Infektionsschutz haben die Wormbacher Schützen schon investiert: „Im Frühjahr brauchten wir eine neue Heizung. Weil Corona damals schon ein Thema war, haben wir auch gleich eine Luftfilteranlage eingebaut. Das bedeutet: In einer Stunde können wir 14.000 Kubikmeter Luft komplett austauschen und filtern, bei geschlossenen Fenstern. Das ist ja das Thema: lüften, lüften, lüften.“ 90.000 Euro habe die 480-Mitglieder-Bruderschaft dafür in die Hand genommen.

Das Problem: Dieses Geld muss nun an anderer Stelle wieder erwirtschaftet werden. Nicht nur mit Ferienlagern, auch als Veranstaltungsort für Firmenfeiern, Geburtstage oder Hochzeiten bringt die Schützenhalle Einnahmen, normalerweise. „Aber wenn die wegen Corona noch länger ausfallen, dann ist das eben etwas anderes, als ob mal ein Schützenfest verregnet.“

Anderen geht es ähnlich wie den Wormbachern

Verregnete Feiern haben die Wormbacher schon durchgemacht – und überstanden. Hans-Georg Sasse ist Realist: „Wenn dadurch in einem Jahr mal 5.000 oder 6.000 Euro fehlten, dann ist das eben so. Aber sowas, was wir jetzt haben, habe ich noch nicht erlebt.“ Im Moment bleibt ihm aber nicht mehr als die Hoffnung, dass doch noch alles gutgeht.

Anderen Schützenbruderschaften und -vereinen im Sauerland geht es ähnlich wie den Wormbachern. Im zu Marsberg zählenden Helminghausen in der Nähe des Diemelsees zum Beispiel seien 2020 alle Ferienlager ausfallen, sagt der für die Halle zuständige Norbert Märtin. In der Regel kommen drei bis vier Gruppen. Das Einzugsgebiet umfasse im wesentlichen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Wird es nicht besser, werden Verträge storniert

Für dieses Jahr haben laut Belegungskalender auch schon wieder mehrere Gruppen vorgebucht. Manche Gruppen buchen sogar für mehrere Jahre im Voraus, teilweise schon bis 2023. Norbert Märtin rechnet aber damit, dass wegen der Pandemie ein Teil davon gefährdet sein könnte. „Die Hoffnung ist da. Es ist aber jetzt noch zu früh darüber zu spekulieren.“

Alles ausgefallen und storniert – so hieß es im vergangenen Jahr auch in Brilon, so Sascha Gronemeyer. Er ist für die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Ansprechpartner für Buchungen durch Ferienlager. Dort ist es wie in Helminghausen. „Viele Gruppen haben die Halle schon für die nächsten drei Jahre vorgebucht“, sagt Gronemeyer. In der Regel kommen die Gruppen zwei Wochen. „Und wenn die wegen Corona nicht kommen können, dann stornieren wir den Vertrag.“

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