GESELLSCHAFT

Philippa Rath nach Wahl in Sachsen-Anhalt: Ich schäme mich

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Die Benediktinerin ist durch das politische Erdbeben erschüttert. Jetzt kommt es auch auf uns Christinnen und Christen an.

Der September hat es in sich – nicht nur in diesem Jahr, aber in diesem Jahr ganz besonders. Zum 25. Mal jährt sich heute der Terrorangriff auf das World Trade Center in New York. „9/11“ hat die Welt für immer verändert. 3.000 Menschen kamen damals ums Leben. Überall auf der Welt haben die Ereignisse Menschen zutiefst erschüttert und nachhaltig verunsichert. Ängste, Vorurteile und Polarisierungen haben seither eine gefährliche politische und gesellschaftliche Gemengelage geschaffen.

Erst am Sonntag, 6. September, haben wir das bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt erlebt. Ein politisches Erdbeben hat unser Land da erschüttert. Auf einmal steht der Wert unserer Demokratie, unserer Verfassung und unserer offenen Gesellschaft jetzt scheinbar zur Disposition. Die unantastbare Würde jedes Menschen ist für viele mit einem Mal nicht mehr selbstverständlich. Welch ein barbarischer Rückschritt, welch eine Schande. Ich schäme mich.

Wir alle sind gefordert

Die Autorin:
Philippa Rath OSB, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, ist Mitglied im ZdK und wirkte mit im Synodalen Weg und im Synodalen Ausschuss. Bekannt ist sie durch ihren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. 2020 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz, 2023 den Edith-Stein-Preis.

Wir Christinnen und Christen müssen uns dem mit aller Kraft entgegenstemmen. Denn es geht um Grundsätzliches, um das Fundament unseres Zusammenlebens. Ohne ein solches können wir keine gerechte und friedliche Zukunft bauen. Wir alle sind deshalb mehr denn je aufgefordert, uns zu besinnen und unseren Blick von uns selbst weg auf unsere Mitmenschen und ihre Würde zu richten.

Die heilige Hildegard, deren Fest wir am 17. September begehen, hat ihren Zeitgenossen einst machtvoll ins Gewissen geredet und genau dies von ihnen verlangt. Und sie hat hinzugefügt: „Du, Mensch, kannst dich durch nichts entschuldigen!“

Neubesinnung und Umkehr

Neubesinnung und Umkehr beginnen in der Regel im Kleinen. Deshalb möchte ich Ihnen hier von etwas berichten, das sich kürzlich in einem bayerischen Kloster zugetragen und mich nachhaltig verstört und belastet hat. Ein Priester hat die Oberin dort tatsächlich gebeten, künftig keine Mitschwestern mehr mit Pflegegrad 3 und höher zur Eucharistiefeier mitzubringen. Der Ablauf der Messe und auch er selbst werde durch diese Kranken zu sehr gestört.

Ob das das gelebte Zeugnis christlicher Nächstenliebe ist, das wir heute so sehr brauchen? Besser wäre es da, Papst Leo nachzueifern, der sich allen Menschen zuwendet, ihnen ohne Unterschied Liebe, Respekt und Zuneigung schenkt und so in jedem und jeder einzelnen Christus selbst erkennt.

P.S. Die erwähnte Ordensgemeinschaft hat sich übrigens von dem Zelebranten getrennt und sich für ihre Kranken entschieden.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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